Elf Stolpersteine für jüdische Opfer des Nationalsozialismus in Planig

Gastbeitrag von
Hansjörg Rehbein

Erst verfolgt und vertrieben, dann deportiert und ermordet, einige konnten fliehen oder überlebten das Grauen in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten. Dass diese Mitbürger nicht vergessen werden, dafür sorgt seit 1996 die Aktion „Stolpersteine“, die der Kölner Künstler Günter Demnig mittlerweile in ganz Europa vor jene Wohnstätten verlegt, in denen Juden lebten – Nachbarn, Freunde, Vereinskameraden, Arbeitskollegen. Elf Stolpersteine werden am Samstag, 7. Mai, 9 Uhr, in Planig verlegt. Den Antrag dazu hatte die Faire Liste auf Initiative des Stadtratsmitgliedes Hans Gerhard Merkelbach und des Ortsbeiratsmitgliedes Franz Haas gestellt.

Treffpunkt ist das frisch renovierte ehemalige Rathaus in der Mainzer Straße 85. Dort erinnern die ersten fünf Stolpersteine, dass dort jüdische Mitbürger lebten: Ermordet und deportiert wurden Edmund Wolf (1889-1942), Emmi Wolf geb. Landmann (1897-1942), Ruth Wolf (1925-1944). Überlebt haben die Deportation Erich Wolf und Gretel Wolf. In die USA flüchten konnten Max, Edith, Änne und Richard Wolf. Johanna Wolf geb. Koschland (1869-1943) wurde im KZ Theresienstadt umgebracht. Ihnen sind die fünf Stolpersteine gewidmet, die in den Bürgersteig vor ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Mainzer Straße 83 gelegt werden. Ein weiterer Stolperstein in der Mainzer Straße 96 erinnert an Bertha Eilrich (1882-1942), die im KZ Theresienstadt ermordet wurde.

Das Gedenken wird von Schüler*innen des Gymnasiums an der Stadtmauer mitgestaltet. Unter der Leitung ihrer Lehrerin Sandra Glanzmann und mit Unterstützung von Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann hatten sie sich auf Spurensuche begeben und ein Zeitzeugengespräch mit den Brüdern Wilhelm und Wolfgang Merkbelbach geführt sowie über eine Online-Verbindung mit der in der USA lebenden Änne Loeb geb. Wolf gesprochen. „Das war ergreifend und hat uns alle überwältigt“, erzählt Sandra Glanzmann. An dem Gespräch via Bildschirm und Mikrofon hatte auch Wilhelm Merkelbach teilgenommen. Änne Loeb habe wieder im „Planiger Platt“ gesprochen über die gemeinsamen Erlebnisse ihrer Kindheit.

„Sie konnte sich noch erstaunlich gut erinnern“, so Sandra Glanzmann. Die jüdische Gemeinde Washington D.C. hat das Interview in der Synagoge aufgezeichnet und den Beitrag am 27. April, dem Holocaust-Gedenktag (Yom Hashach) gezeigt. 1995 hatte Änne Loeb ihrer alte Heimat Planig besucht, Die Schüler*innen hielten per E-Mail Kontakt mit der Familie Loeb, den Töchtern Marcia und Susan sowie Enkel Alex. Max Wolf, der Vater von Änne, war als Bäcker sehr erfolgreich in den USA. Seine Gebäck Challah (Hefezopf nach jüdischer Art) war seine Spezialität. Die Schülerin Clara Winkel backte den Zopf nach diesem Rezept und bekam für das Ergebnis von ihren Mitschüler*innen viel Lob.

Die Mitwirkenden vom Gymnasium an der Stadtmauer sind:
Reden:
Lena Decker, Estella Griesbach, Lara Kuballa, Janina Sans, Paul Thress und Clara Winkel (Musik)
Technik: Niklas Schopperth und Niclas Mader