Der Umgang mit den Toten ist für unzählige menschliche Frühgesellschaften der letzten sieben bis zehntausend Jahre gut erforscht. Wissenschaftler haben weltweit hunderte sehr unterschiedlicher Totenkulte entdeckt und dokumentiert. So wurden die sterblichen Überreste in den Fußböden und Wänden von Wohngebäuden ihrer Angehörigen verbaut, dem Wildfrass ausgeliefert, verbrannt und die Asche in Gewässer verklappt. Aber auch schon aus der Altsteinzeit sind geplante Bestattungen dokumentiert. Etwa Gräber von Neandertalern mit Grabbeigaben.

In vielen vergangenen Kulturen wurde die Bestattung mit der Hoffnung auf Auferstehung verbunden. Auch das mittelalterliche Christentum hat diese Vorstellungen gefördert. Was die Bestattungen – wie in Bad Kreuznach rund um die Pauluskirche – in der Nähe kirchlicher Gebäude konzentrierte. Doch die innerörtlichen Flächen war knapp bemessen. Die überfüllten Friedhöge dort wurden zu Seuchenherden. Weshalb ab dem 18. Jahrhundert Friedhöfe an die Ränder der Städte und gemeinden „umzogen“. So entstand weit außerhalb der Stadt auch der jetzige Bad Kreuznacher Hauptfriedhof.
Zudem wandelte sich mit dem wissenschaftlichen Fortschritt die Einschätzung von Friedhöfen. Weg von dem Bild des Schreckensortes mit Geister- und Vampirauftritten, hin zu einer Art Erinnerungspark. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Bestattungskultur in Deutschland weiter verändert. Der Wunsch, Tote zu ehren, hat stark abgenommen. Und ist der Einstellung gewichen, dass Bestattungen eben sein müssen. Auch in Bad Kreuznach sind Feuer- und Urnenbestattungen die häufigste Bestattungsart. Auch aus Kostengründen.
Die veränderte gesellschaftliche Bedeutung von Bestattungen wirkt sich auch auf die Grabpflege aus, wie in Bad Kreuznach vor allem auf dem Hauptfriedhof zu sehen ist. Dort hat die Zahl der ungepflegten Gräber stark zugenommen. Die Friedhofsverwaltung schreibt in solchen Fällen die Nutzungsberechtigten an. Und legt Hinweisschilder auf solche Gräber mit der Bitte, dass sich die Hinterbliebenen bei der Friedhofsverwaltung melden sollen. „Hierauf erfolgt meist keine Reaktion“, ist die sachlich-nüchtern zusammengefasste Erfahrung der Verwaltung.
