Wird Nathalie Herberger-Lamberty verbeamtet?

Jahrzehntelang wurde die Position von Männern ausgeübt. Diese bildeten das wichtigste Verbindungsglied zwischen den jeweiligen Oberbürgermeistern und der Oberbürgermeisterin und den Verwaltungsmitarbeitenden: die Hauptamtsleiter. Die alle eines gemeinsam hatten: profunde Verwaltungserfahrung. Der letzte dieser Art war Mathias Heidenreich. Wer sich mit der Bad Kreuznacher Stadtverwaltung auskennt weiß: ohne ihn wäre Dr. Heike Kaster-Meurer (damals SPD) nicht erst im März 2022 von den den Wähler*Innen abgewählt worden.

Der Oberbürgermeister und seine Geschäftsleitung in der Stadtratssitzung am 24.9.2026.

Sondern schon vorher im Amt gescheitert. Er baute Kommunikationsbrücken in die Belegschaft. Und federte manche Kontroverse auf der menschlichen Ebene ab. Nach Heidenreichs gesundheitlichem Aus 2019 ging es mit der Oberbürgermeisterin erst innerhalb der Verwaltung und dann auch in der Wahrnehmung weiter Bevölkerungsteile bergab. Eine Nachfolgerin für Heidenreich wurde erst im Frühjahr 2023 bestimmt. Oberbürgermeister Emanuel Letz (FDP) schlug Nathalie Herberger-Lamberty vor (damals noch ohne Lamberty).

Die Mitgliederbeauftragte des CDU-Stadtverbandes. Beworben hatte die sich mit wohlklingenden akademischen Graden: „Bachelor of Business Administration (Brewton-Parker Collage, USA) und einen Master of Public Policy (Hertie School of Governance, Berlin). Die städtischen Gremien folgten diesem Vorschlag. Seit dem 3.7.2023 amtiert Herberger-Lamberty zunächst als „Büroleiterin der Stadtverwaltung“ und dann als „Geschäftsleitung“. Aber nicht nur die Amtsbezeichnung hat sich geändert. Auch das Arbeitsklima.

Betroffene Mitarbeitende beschreiben es als „kalt“. Und anderen eher negativ besetzten Adjektiven. Eine langjährige und beliebte Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, die schon nach kurzer Zeit ihre persönliche Konsequenz gezogen hat, war Christine Simmich. Sie verließ die Stadtverwaltung. Andere nutzten ihre internen Beschwerdemöglichkeiten, auch beim Personalrat. Der nickte aus unterschiedlichen Gründen die Verbeamtung von Herberger-Lamberty auf eine der höchstbezahlten Stellen bei der Stadt (A 15) nicht ab. Sondern widersprach.

In der Stadtratssitzung am Donnerstag vergangener Woche (24.9.2026) wurde dieser Konflikt erstmals öffentlich. Jürgen Locher (Linke) schlug vor den entsprechenden Tagesordnungspunkt der nichtöffentlichen Sitzung aus formalen Gründen abzusetzen. Locher ließ sich von Oberbürgermeister Emanuel Letz (FDP) davon überzeugen, die Rechtsfrage erst beim entsprechenden Tagesordnungspunkt („Einigungsverfahren gemäß § 89 Abs. 2 Landespersonalvertretungsgesetz“) zu diskutieren. Nichtöffentlich ging es dann hoch her.

Während Fußballdeutschland das Länderspiel gegen die Niederlande verfolgte, wurde im Stadtrat rund eine Stunde um die Besetzung der Schlichtungsstelle gerungen. Diese besteht aus drei vom Personalrat benannten Mitgliedern, drei vom Stadtrat bestimmten Vertretern und einer neutralen Person. Bezüglich der drei vom Stadtrat entsandten Mitglieder gab es zunächst keine Verständigung. Für den Verwaltungsvorschlag „OB, Rechtsamtsleiterin Kruger und Carsten Pörksen“ gabs ebensowenig Begeisterung wie für die Kombination „OB, Rechtsamtsleiterin Kruger und Christoph Anheuser“.

Juliane Rohrbacher (Grüne) gelang es dann mit dem Vorschlag „Stadtvorstand“ den gordisch-personellen Knoten zu zerschlagen. Demzufolge werden Emanuel Letz, Bürgermeister Thomas Blechschmidt und Beigeordneter Mirko Helmut Kohl für den Stadtrat die Schlichtung versuchen. An deren Ergebnis ist OB Letz übrigens nicht gebunden. Er könnte die Herberger-Lamberty-Verbeamtung auch gegen einen ablehnenden Schlichterspruch durchsetzen.

Schon im Vorfeld dieser Entscheidung und noch zahlreicher danach sind Reaktionen von Stadtverwaltungsangehörigen (ausdrücklich auch solchen, die unsere Arbeit sonst kritisch bewerten) bei der tourismusbeitrag-so-nicht.de-Redaktion eingegangen. SPD-nahe Mitarbeitende bringen eine riesige Enttäuschung über die SPD-Stadtratsfraktion zum Ausdruck, „die den Protest der Betroffenen ignoriert, um die Koalition mit CDU und FDP nicht zu gefährden“ bzw sich „als Steigbügelhalter für CDU-Parteipolitik hergibt“.

Die Oppositionsfaktionen bleiben im Fall Verbeamtung Nathalie Herberger-Lamberty nach außen stumm, jubilieren aber innerlich. Denn in ihrer Wahrnehmung liefert ihnen die CDU einen Fall von Parteibuchwirtschaft frei Haus. Die Kritiker*Innen spielen damit auf die für die CDU bundesweit ohnehin schwierige Lage an. Und glauben einen Punkt gefunden zu haben, mit dem belegt werden kann, dass es auch den örtlichen Christdemokraten mehr um Pöstchen als um die Sache geht (weiterer Beitrag zum Thema folgt).