Seit Tagen schwankt der Pegel Bad Kreuznach der Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz nur um ein paar Zentimeter zwischen 2,40 Meter und 2,50 Meter. Wegen ausbleibender Regenfälle ist die Nahe in dieser Zeit vom Fluss zum Bach geworden. Mit extremen Niedrigwasser. Sonst nie sichtbare Steine im Flussbett durchbrechen die Wasseroberfläche. Auch ohne Messtab erkennbar: an vielen Stellen beträgt die Wassertiefe nur noch 25 Zentimeter. Und erreicht nirgendwo den amtlich mitgeteilten zehnfach höheren Pegelstand.

Zuständig für die Flüsse im Land ist die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD). Die von der tourismusbeitrag-so-nicht.de-Redaktion dort eingereichte Anfrage wurde nicht nur erfreulich schnell, sondern mit einem vollkommen unerwarteten Inhalt beantwortet. Demnach ist die Beobachtung der Passanten zutreffend. Und die amtliche Pegelangabe falsch. Die SGD Nord beschreibt das so: „am Pegel Bad Kreuznach entspricht der an der Pegellatte angezeigte Wasserstand nicht der tatsächlichen Wassertiefe am Pegelquerschnitt.

Hier wurden historische Hochwassermarken, die den Einwohnern von Bad Kreuznach bekannt waren, auf den heutigen Pegel und somit auf die Pegellatte übertragen. So kommt es zu dem Umstand, dass der Pegel einen Wasserstand von 2,5 m anzeigt, jedoch nur 50 cm bis 1 m Wassertiefe am Pegel vorherrschen. Zur Einordnung der Größenverhältnisse: Bei einem 10jährigen Hochwasser zeigt die Pegellatte einen Wasserstand von ca. 7 m an. Tatsächlich befinden sich dann aber „nur“ 4,5 m Wasser über der Sohle der Nahe am Pegel Bad Kreuznach.
Dem gegenüber entspricht der derzeitige Pegelstand von ca. 2,5 m etwa dem Wert für einen mittleren Niedrigwasserabfluss MNQ, was die tatsächlichen Gegebenheiten im Gewässer aktuell widerspiegelt“. Auch wieso bewusst falsche Daten vermittelt werden, erklärt die SGD: „eine Veränderung dieser Pegelstand-Abflussbeziehung würde zu Fehlinterpretationen der Einwohnerinnen und Einwohner, die mit den aktuellen Pegelwerten vertraut sind, führen und wurde insofern nicht vorgenommen“. Die SGD-Erklärung endet mit diesen Ausführungen:
„Beim Pegel in Bad Kreuznach handelt es sich aufgrund dieser Gegebenheiten um einen sogenannten „Sonderpegel“, das heißt, einen Pegel, der nicht Teil des amtlichen Pegelnetzes des Landes ist und nicht gewässerkundlich ausgewertet wird. Sonderpegel erfüllen Aufgaben z.B. im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz oder der Grundlagenermittlung von Gewässerzweckverbänden. Insofern kann es möglich sein, dass die Nahe derzeit im Stadtgebet von Bad Kreuznach und dem direkten Umfeld nirgends einen tatsächlichen Wasserstand von 2,5 m erreicht“.
