Wie Mähroboter und Trimmer den Igel leise ausrotten

Gastbeitrag von Jutta Beiser

Die Gärten und Parks in unserer Region entwickeln sich zunehmend zu Todesfallen. Einer ihrer nützlichsten Bewohner, der Igel, kämpft ums nackte Überleben. Seine Lage ist dramatisch. Die Bestände schrumpfen rapide. Was oberflächlich wie ein gepflegtes Grün wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als tödliche Falle und biologische Wüste. Igelstationen und die Naturschutzgruppe schlagen deshalb jetzt Alarm und nehmen vor allem automatisierte Gartengeräte sowie Motorsensen ins Visier.

Mähroboter: Tödliche Klingen und grüne Wüsten

Unabhängige Crashtests mit Igel-Attrappen und traurige Realberichte zeigen ein klares Bild: Mähroboter stoppen nicht vor Hindernissen. Sie überrollen kleine Wildtiere gnadenlos. Früher wurden Rasenmäher von Menschen geschoben, die angesichts eines Tieres rechtzeitig bremsen konnten. Heute laufen die Maschinen unbeaufsichtigt – oft auch nachts, wenn die dämmerungs- und nachtaktiven Igel unterwegs sind. Besonders tragisch ist dies für Igelmütter und ihre Jungen, die zunehmend auch tagsüber auf der Suche nach Nahrung diese Flächen überqueren müssen.

Bild: Wikipedia

Die Hersteller wälzen die Verantwortung auf die Nutzer ab, indem sie den Betrieb nur unter Aufsicht vorschreiben – eine Vorgabe, die in der Realität kaum jemand einhält. Doch die Geräte töten nicht nur direkt, sie entziehen den Tieren auch systematisch die Lebensgrundlage. Durch das permanente Mulchen und Düngen der Rasenflächen verändern sich die Bodenverhältnisse. Wildblumen, die magere Böden benötigen, verschwinden. Das Resultat ist eine leblose Monokultur, vergleichbar mit einem Schottergarten. Wo keine Blumen blühen, gibt es keine Insekten.

Fehlen dem Igel jedoch Käfer und Larven als Hauptnahrungsquelle, weicht er in seiner Not auf Schnecken und Würmer aus. Diese sind jedoch häufig Zwischenwirte für gefährliche Parasiten wie Lungen-, Haar- oder Darmsaugwürmer, die das Immunsystem der Tiere schwächen und sie letztlich qualvoll krank werden lassen. Auch vergiftete Mäuse verursachen meist unvorstellbare Todesqualen, da der Igel sie nicht nur lebend, sondern auch als Aas frisst.

Trimmer und Freischneider: die Gefahr für Leben im Unterholz

Eine mindestens ebenso große Gefahr geht von handgeführten Gartenwerkzeugen wie Faden-, Kanten- oder Freischneidern aus. Wildtiere suchen Schutz im hohen Gras, unter Hecken und Sträuchern. Während die meisten anderen Tiere bei Lärm oder Erschütterung die Flucht ergreifen, vertraut der Igel auf seine evolutionäre Strategie: das Einrollen. Er flieht nicht, sondern verharrt regungslos an Ort und Stelle. Da Motorsensen meist extrem flach über dem Boden geführt werden, treffen die rotierenden Messer oder Fäden die Tiere mit voller Wucht.

Die Folgen sind schreckliche Schnittverletzungen, abgetrennte Gliedmaßen, zerfetzte Gesichter und tief aufgeschlitzte Rücken und Bäuche, nicht sind von hochschwangeren Igelmüttern. Da Igel bei Schmerzen in den meisten Fällen stumm leiden, bleiben viele Unfälle unbemerkt, und die Tiere verenden qualvoll in ihren Verstecken, zerfressen zusätzlich bei lebendigem Leib bis in den Tod von Maden und anderen Kleinsttieren. Aber nicht immer gehen traumatische Verletzungen stumm einher. Wer das entsetzliche Schreien und Stöhnen eines solchen Igels erlebt hat, wird es niemals vergessen!

Der Igel steht stellvertretend für den Zustand unserer Natur

Wenn wir unsere Gärten weiterhin in leblose Zonen verwandeln und nachts Maschinen laufen lassen, verliert diese Urzeitart ihren Lebensraum endgültig. Es braucht kein großes Budget, um Igel zu schützen – es braucht nur ein bisschen mehr Wildnis und Achtsamkeit.“

So wird Ihr Garten zum Igelschutzgebiet

Wir bitten darum mit einfachen Maßnahmen Leben zu retten: Nachtfahrverbot für Mähroboter. Lassen Sie die Geräte niemals in der Dämmerung oder nachts laufen. Kontrollieren Sie auch unter Büschen vor dem Mähen und dem Einsatz scharfer Gartengeräte auch tagsüber gründlich. Mut zur Wildnis: eine Ecke mit totem Holz, Laub und heimischen Wildpflanzen bietet Nahrung und sichere Unterschlüpfe. Diese und aufgeschichtete Totholzhaufen bitte niemals abbrennen, bevor Sie darunter kontrolliert haben.

Durchgänge schaffen: kleine Öffnungen im Zaun (mind. 10 x 10 cm) verbinden Gärten zu wichtigen Igel-Highways, so müssen sie keine Straße überqueren. Verzicht auf Chemie: verbannen Sie Gifte wie Schneckenkorn, Pestizide uvm. komplett aus ihrem Garten. Gefahren entschärfen: decken Sie Kellerschächte, Gruben und Fallrohre ab und legen Sie Ausstiegshilfen (z. B. ein raues Holzbrett) in tiefe Wasserstellen. Lassen Sie keine Mülltüten liegen., denn daraus gelangen sie häufig nicht mehr hinaus und werden lebend entsorgt.

Der Schutz des Igels beginnt direkt vor unserer Haustür. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass das Rascheln im nächtlichen Gebüsch nicht für immer verstummt. Wenn ein hilfsbedürftiger Igel gesehen wird, bitte sofort sichern, nicht erst weggehen und z.B. ein Behältnis, Handschuhe oder Sonstiges holen. Der Igel ist womöglich dann weg und eine 2te Chance gibt es meistens nicht. Pullover, T-Shirt, Schal oder Ähnliches zur Sicherung nehmen.

Zu Hause angekommen, bitte den Igel in einem mindestens 40 cm hohen Karton unterbringen, falls kein hoher Karton vorhanden ist, das Behältnis in die Badewanne stellen, denn Igel sind Ausbruchskünstler. Dem Igel ein Handtuch ohne Schlaufen (sie verheddern sich sonst) zur Verfügung stellen. Sollten Fliegeneier oder Maden zu sehen sein (ähneln Reiskörnern), bitte unbedingt sofort mit dem trockenen Absammeln beginnen (bei Feuchtigkeit schlüpfen die Maden schneller.

Flohkamm, Zahn- oder Mascarabürste und Pinzetten sind hierbei gute Hilfsmittel. Direkt Kontakt zu einer Pflegestelle aufnehmen (z.B. Wildtier SOS App) der Naturschutzgruppe Nahe (0177-62 87 588 )als Vermittler oder Annette Prusensky (0160-37 24 096) von der Wildtierhilfe Rhein-Nahe e.V. (https://wildtierhilfe-rhein-nahe.de/). Weitere sehr hilfreiche Informationen zu Igeln finden Sie unter: https://igelpfade.de/

Jutta Beiser engagiert sich ehrenamtlich bei der Naturschutzgruppe Nahe