Neue Kitaplätze für Bad Münster durch Neubau, Kauf oder Anmietung?

Laut aktuellem Kita-Bedarfsplan für 2025/2026 fehlen im Ortsbezirk Bad Münster am Stein- Ebernburg 35 Betreuungsplätze. Fachlich zuständig für dieses Thema ist eigentlich der Jugendhilfeausschuss. Trotzdem beschäftigt sich am heutigen Dienstagabend (1.9.2026) der städtische Finanzausschuss damit. Leider in nichtöffentlicher Sitzung. Schon zum zweiten Mal. Denn beim ersten Aufschlag am 4.5.2026 war die Verwaltung nicht in der Lage alle Fragen der Ausschussmitglieder aus deren Sicht hinreichend zu beantworten.

Vier der zehn Kita-Stellplätze sollen im Erdgeschossbereich des Außengeländes entstehen, sechs im Mobi-Hub (ehemaliger Parkplatz neben dem Hotel Krone). In der selben Beschlussvorlage steht, dass in der neuen Kita „bis zu 20 Personen beschäftigt sein werden“. Die bilden also Fahrgemeinschaften. Und Elterntaxis gibt es nicht. Man muss einfach nur nichtöffentlich die richtigen Beschlüsse fassen. So einfach geht das. Mit der Realität dürfen sich in den kommenden Jahrzehnten die Nachbarn beschäftigen.

Im Finanzausschuss wird das Thema behandelt, weil die Verwaltung die Anmietung noch im Bau befindlicher Räumlichkeiten anstrebt. Deren Gesamtinnenfläche beträgt 1.108 Quadratmeter, die Außenfläche 1.250 Quadratmeter. Vom Eigentümer und Bauherren werden 12 Euro je Quadratmeter Miete gefordert. Laut Mietvertragsentwurf soll die Stadt dafür und für zehn Parkplätze eine Jahresnettokaltmiete von 214.152 Euro ohne Nebenkosten zahlen. Wobei sich die Miete in der Zukunft um die Inflationsrate noch erhöht.

Für die chronisch klamme Stadtkasse und angesichts eines absehbar defizitären Stadthaushaltes eine durchaus bedeutende Summe. Angesichts dieser Größenordnung haben schon vor Monaten mehrere Ausschussmitglieder die Darstellung von Alternativen verlangt. Daher wurden folgende Optionen von der Verwaltung untersucht: der Neubau einer vierzügigen und einer dreizügigen Kita, der Erwerb von Teileigentum im SAL-Quartier (Kurhausstr. 27-29 in Bad Münster) und die Anmietung der Fläche.

Das wenig überraschende Ergebnis: mit eigenen Neubauten kommt die Stadt am günstigsten weg. Die Anmietung ist die teuerste der vier Varianten. Als eines der Probleme bei städtischen Neubauten wird in der Beschlussvorlage fehlende Baulandverfügbarkeit angeführt. Ein Argument, das bereits in der jüngsten Sitzung des zuständigen Ortsbeirates widerlegt wurde. Als es dort am 18.8.2026 um den neuen Flächennutzungsplan ging, wurde von mehreren Ortsbeiratsmitgliedern auf Potentialflächen im Bereich der Königsgartenstrasse hingewiesen.

Aus Sicht der Gesamtstadt (selbstredend nicht aus der des Ortsbeirates) kommen auch noch andere Flächen in Frage. Etwa die Grundstücke des früheren Bewegungsbades am Kapitän-Lorenz-Ufer Nähe Kurmittelhaus und der abgerissenen Salinen Ost. Im Ortsbezirk wird aus gut nachvollziehbaren Gründen seit vielen Jahren von einem Hotelbau in diesem Bereich geträumt. Das mag man gern noch weitere Jahrzehnte. Vielleicht finden die Kinder, die dort nicht in zwei oder drei Jahren in die Kita gehen können, als Erwachsene eine Lösung.

Die Variante Erwerb Teileigentum stößt aus Sicht der Verwaltung auf mehrere Probleme. So weist der Projektentwickler darauf hin, dass die Fläche aus steuerlichen Gründen einer Haltepflicht von zehn Jahren unterliegt. Erst danach könne ein Kauf durch die Stadt erfolgen. Zudem müsse bei einem Teilerwerb der Kaufpreis in Tranchen bereits vor der Fertigstellung anteilig nach Baufortschritt gezahlt werden. Kommentar der Verwaltung: „hier könnte bei einer Insolvenz des Bauträgers ein aktuell nicht abschätzbares Risiko bestehen“.