Noch am Tag nach dem Ausbruch des Waldbrandes bei Traisen wurde dieser in einer überregional besuchten Pressekonferenz der Kreisverwaltung (28.6.2026) amtlich wesentlich auf der Gemarkung der Verbandsgemeinde Rüdesheim verortet. Aus diesem Grund fand die Informationsveranstaltung für die Öffentlichkeit in der Verbandsgemeindeverwaltung in Rüdesheim statt. Und deren Bürgermeister Markus Lüttger gehörte zu jenen Personen, die Redebeiträge leisteten. Der Bad Kreuznacher Oberbürgermeister saß zwar dabei, kam aber – außer im tourismusbeitrag-so-nicht.de-Interview – nicht zu Wort.

Gut eine Woche später gab der Kreis die Einsatzleitung an die Stadt ab. Mit der Begründung, wesentliche Brandflächen lägen auf deren Gemarkung. In der Stadtratssitzung am vergangenen Donnerstag (27.8.2026) gab Revierförster Lorenz Berger eine ganz andere Erklärung ab. Demnach spielte sich das Brandgeschehen ausschließlich auf Bad Kreuznacher Stadtgebiet ab. „Vielleicht zwei Quadratmeter“ Fläche der Verbandsgemeinde Rüdesheim sei betroffen gewesen. Um so dankbarer müssen die Bad Kreuznacher den Feuerwehren der Verbandsgemeinde Rüdesheim sein.
Denn die rückten nach Meldung der Rauchentwicklung am Brandausbruchtag (27.6.2026) unverzüglich mit zahlreichen Kräften aus. Und hätten mit Unterstützung der nach und nach eintreffenden weiteren Einheiten auch aus der Stadt den Brand sicherlich schon am Tag danach im Griff gehabt, wenn der Kampfmittelräumdienst nicht eine 1.000-Meter-Umkreis-Sperrzone veranlasst hätte, in der die Feuerwehr nicht löschen durfte. Daher brannte sich das Feuer immer weiter ostwärts Richtung Innenstadt. Und kam am Ende sogar dem Funkturm bedrohlich nahe.
Wieso weder die Verantwortlichen vom Kreis noch von der Stadt in den ersten Tagen über die Gemarkungsgrenzen orientiert waren und die Öffentlichkeit erst im Nachhinein korrekt räumlich in Bild gesetzt wurde, blieb in der Stadtratssitzung ungeklärt. Revierförster Berger informierte allerdings über eine Reihe von Maßnahmen, die der Landforst zum Schutz des Stadtwaldes ergriffen hatte. So wurden insgesamt 4,5 Kilometer Schneisen in den Wald geschlagen, um die Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Und 6 Kilometer Wege verbreitert.
Der Bad Kreuznacher Wehrleiter Michael Seibel weilte zum Zeitpunkt des Brandes im Urlaub. Konnte den Stadtratsmitgliedern allerdings die gute Zusammenarbeit der Bad Kreuznacher mit den Feuerwehren der Verbandsgemeine Rüdesheim bestätigen. Diese werde etwa bei Unfällen auf der B 41 entsprechend praktiziert, um Betroffenen so schnell wie möglich helfen zu können. Die Frage von Tobias Schulz (AfD) nach dem Grund des Waldbrandes, beantwortetet der Revierförster zunächst mit der Erklärung, dass der Ausbruch wahrscheinlich in einem Bereich erfolgte, in dem wegen der Geländeprofil keine Wanderwege angelegt sind.
Die Kripo ermittle diese Frage aber noch. Oberbürgermeister Emanuel Letz wies ergänzend darauf hin, dass die Einsatznachbesprechung noch nicht stattgefunden habe. Auf Frage von Kay Maleton (Faire Liste), ob die Karten des bei der ADD angesiedelten Kampfmittelräumdienstes über Kampfmittelverdachtsflächen am Rotenfels der Feuerwehr und der Einsatzleitung vorgelegen hätten, teilte Michael Seibel mit: „die Karten lagen nicht vor“. Ordnungsdezernent Mirko Helmut Kohl wies darauf hin, dass das Areal noch immer für den Publikumsverkehr gesperrt ist.
Sobald die Freigabe erfolgen können, werde darüber öffentlich informiert. Revierförster Lorenz Berger bezeichnete den Waldbrand auch als eine Chance. Zwar könne stellenweise die vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Manfred Rapp und Kay Maleton angesprochene Nachpflanzung nicht erfolgen, weil das Gelände zu steinig sei. Aber er habe bereits erste Eichentriebe gesehen. Um diese vor Tierfrass zu schützen, würden demnächst Holzzäune aufgestellt. Berger kündigte an im Grundstücksausschuss der Stadt ergänzende Informationen zu geben.
