Die Unterschiede zwischen den beiden Bad Kreuznacher Ortsbezirken sind erheblich: oben auf dem Berg die Bosenheimer. Deren kleine aber feine Gemeinde, stark protestantisch geprägt, prosperiert. Nicht nur weil eine handvoll Winzer an der fünften Fruchtfolge auf dem Galgenberg sehr gut verdient hat. Sondern auch weil es Bosenheimer Gemarkung ist, auf dem sich das Gewerbegebiet Am Grenzgraben / Seeber Flur befindet (LIDL, Schad, Bauhaus, Bussmer & Orben, Bott, REWE, Decathlon, C&C, Gartencenter Rehner usw). Unten am Appelbach die einwohnermäßig doppelt so großen Planiger.

Katholisch geprägt. Und mit überregional beachteten Attributen ausgestattet: etwa dem Fastnachtsverein Lustige Schuppesser. Der mit seinem Spielmanns- und Fanfarenzug für die musikalische Erziehung junger Menschen allein mehr tut, als alle staatlichen und städtischen Förderprogramm im gesamten Stadtgebiet zusammen. Trotz dieser schon formal großen Unterschiede haben Planiger und Bosenheimer seit der Eingemeindung in beispielhafter Weise zusammengefunden. Und machen anderen vor, wie Gemeinsamkeit stark macht.

Auch die wechselseitige Hilfestellung ist in einer erfreulichen Art und Weise ausgeprägt, wie sie zwischen anderen benachbarten Ortsbezirken oder Gemeinden nur selten zu finden ist. So suchen die Planiger bei den Kerbe-Wettbewerben der Catwealze Jahr für Jahr Gewinner – und finden diese häufig in Bosenheim. Umgekehrt sind es die Bosenheimer, die beim kommunalen Frühschoppen der Planiger Kerb (einen solchen gibt es in Bosenheim gar nicht) regelmäßig die Mehrzahl der Gäste stellen.
Aber auch in ganz praktischen Dingen steht man sich zur Seite. So hat der Planiger Ortsvorsteher David Feld am Mittwochabend vergangener Woche (19.8.2026) im Bosenheimer Gemeindehaus dem dortigen Ortsbeirat die Vorzüge einer multifunktionalen Anzeigetafel in Form eines Großbildschirmes mit Touchscreen erläutert. Und nicht nur das. Weil der gewählte Bosenheimer Ortsvorsteher zum 31.7.2026 sein Amt niedergelegt hat und dessen erster Stellvertreter krankheitsbedingt nicht zur Verfügung stand, verfügte die zweite stellvertretende Ortsvorsteherin Johanna Lorenz nicht über einen Dienststempel.
Der war erforderlich, um die Vollmacht für den vom Bosenheimer Ortsbeirat erneut einstimmig beauftragten Rechtsanwalt Herbert Emrich (Planig) zu siegeln. Das wäre zwar formal nicht von großer Bedeutung. Denn für die Wirksamkeit der Vollmacht zählt allein die Unterschrift der Ortsvorsteherin. War den Bosenheimer*Innen aber aus symbolischen Gründen wichtig. Denn neben dem Stadtwappen ziert den Stempel der Schriftzug „Stadt Bad Kreuznach“. In einem Prozess gegen eben diese die Stadt ein moralischer Punkt.
