Was haben Wein und Kultur gemeinsam? Beide erzählen Geschichten – von Landschaften und Traditionen, von handwerklichem Können und vor allem von den Menschen, die eine Region prägen. Wie lebendig diese Verbindung sein kann, zeigte die Wein-Kultur-Tour am vergangenen Samstag (22.8.2026), die die Teilnehmer*Innen auf eine genussvolle Entdeckungsreise durch Bad Sobernheim führte. Seit nunmehr zehn Jahren verbindet das Heimatmuseum bei diesem besonderen Format Stadtgeschichte und Weinkultur miteinander.

Auch diesmal führte die rund dreistündige Tour nicht nur zu bekannten Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem in verborgene Gärten und Innenhöfe, die im Alltag häufig verschlossen bleiben. Den Auftakt bildete der Bad Sobernheimer Marktplatz. Von dort führte der Weg zunächst in den Kirchgarten der evangelischen Matthiaskirche und anschließend zum Synagogenplatz. Dort richtete sich der Blick auf das historische Ensemble rund um das Kulturhaus Synagoge, die Malteserkapelle, die ehemalige Malteserkomturei mit dem heutigen Amtsgericht, den Steinkallenfelser Hof und die katholische Pfarrkirche St. Matthäus.

Weitere Stationen waren der Hof des katholischen Kindergartens und der Innenhof der traditionsreichen Firma Scheib. Dort erfuhren die Gäste unter anderem, wie sich das 1867 von Philipp Scheib gegründete Unternehmen von einer Eisenwarenhandlung zum ältesten Sobernheimer Geschäft entwickelte. Den Abschluss bildete der historische Priorhof, der seit 1986 das Heimatmuseum beherbergt. Begleitet wurde die Tour von den Stadtführern Gerhard Schauß und Anke Wiechert. Während sie Wissenswertes, Geschichten und manche überraschende Einzelheit zur Stadtgeschichte vermittelten, stellte Kai Wiechert als German Wine Professional sowie Wein- und Kulturbotschafter die ausgewählten Weine fachkundig und zugleich kurzweilig vor.

Zur Verkostung kamen Weine aus der Verbandsgemeinde Nahe-Glan vom Weingut Venter und vom Weingut Badischer Hof aus Weiler bei Monzingen, vom Weingut Disibodenberg aus Odernheim, vom Weingut Christian Bamberger aus Steinhardt, sowie vom Weingut Hexamer aus Meddersheim. So erzählte jeder Wein auf seine Weise von Herkunft, Landschaft, Böden, Handwerk und den Familien, die hinter den Weingütern stehen. „Was haben Wein und Kultur gemeinsam? Beide brauchen Zeit, beide werden von Menschen geprägt und beide erzählen Geschichten“, brachte Museumsleiterin Anke Wiechert den Grundgedanken der Veranstaltung auf den Punkt.
„Während der Wein von Landschaft, Klima und handwerklichem Können berichtet, erzählen unsere Gebäude und Plätze vom Leben früherer Generationen. Bei der Wein-Kultur-Tour wird beides gemeinsam erleb- und schmeckbar.“ Dass dabei auch Einheimische ihre eigene Stadt neu entdecken konnten, zeigten die begeisterten Reaktionen unterwegs. Eine Rückmeldung brachte es sinngemäß besonders schön auf den Punkt: „Wir leben schon so lange in Bad Sobernheim – und haben heute trotzdem noch Neues über unsere Stadt erfahren.“ Im Priorhof klang der Nachmittag bei einem von Ralf Bregenzer vorbereiteten gemeinsamen Spießbraten-Essen, weiteren guten Gesprächen und einem Glas Wein aus.
Möglich wurde die Veranstaltung durch das große Engagement des Ehrenamtsteams des Heimatmuseums, das die einzelnen Stationen vorbereitete, die Gäste bewirtete und für einen reibungslosen Ablauf sorgte. Das Heimatmuseum dankt allen beteiligten Weingütern, den Gastgeberinnen und Gastgebern, die ihre Höfe und Gärten öffneten, den Stadtführern Gerhard Schauß und Kai Wiechert sowie dem gesamten Ehrenamtsteam. Ein besonderer Dank gilt den Gästen, die sich mit großer Neugier und Begeisterung auf diese Verbindung von Geschichte, Begegnung und Genuss eingelassen haben. Am Ende blieb die Erkenntnis: Wein ist Poesie in Flaschen – und Bad Sobernheim ein Geschichtsbuch aus Stein.
Text und Bilder: Anke Wiechert, Museumsdirektorin Heimatmuseum Bad Sobernheim
