Waldhilfe e.V.: keine Steinbrucherweiterung auf Kosten des Stadtwaldes

Von Adrian Rahmani

In diesem Jahr haben Brände mehr Waldflächen in Deutschland zerstört, als in den Jahren zuvor. Erstmals war auch der Bad Kreuznacher Stadtwald massiv betroffen. Denn der Brand bei Traisen wütete vor allem auf der Gemarkung der Kreisstadt. Das ist für den Vorstand der Waldhilfe e.V. allerdings nur einer von vielen Gründen, ein klares „Nein“ zur der von Oberbürgermeister Emanuel Letz (FDP) unterstützten Steinbrucherweiterung zu sagen.

Hansjörg Rehbein (links) und Andraes Hofmann ergreifen Partei für den Bad Kreuznacher Stadtwald und gegen die Erweiterung des Traisener Steinbruches.

Über die Waldhilfe-Argumente informierten Vorsitzender Hansjörg Rehbein und sein Stellvertreter Andraes Hofmann am vergangenen Freitag (21.8.2026) mit einem Infostand auf dem Kornmarkt. Und zeigten dabei klare Kante in der Sache: „nach einem sehr heißen Sommer mit anhaltender Trockenheit hoher Belastung für Menschen Tiere und Natur und spürbaren Auswirkungen der Klimakrise wird deutlich: Unser Stadtwald ist unverzichtbar. Er kühlt die Umgebung speichert Wasser schützt die Umgebung und bietet Lebensraum. Gerade jetzt dürfen wir keinen weiteren Wald verlieren.

Die derzeit diskutierte Zustimmung zu Probebohrungen auf rund 60.000 m2 Bad Kreuznacher Stadtwald darf nicht zu einer vorweggenommenen Zustimmung zur späteren Erweiterung des Steinbruchs Traisen werden. Die Waldhilfe lehnt die Erweiterung sowie die Probebohrungen ab teilt der stellvertretende Vorsitzende Andreas Hofmann mit. Die Waldhilfe fordert den Stadtrat auf, „Erkundung und Abbau rechtlich und politisch eindeutig voneinander zu trennen“, sagt Vorstandsmitglied, der Jurist Kristof Mades.

Die Probebohrungen machen aus Sicht der Waldhilfe wenig Sinn, da es in den 1980er-Jahren bereits welche gegeben hat und deren Ergebnisse an Aussagekraft nicht verloren haben dürften. „Wir haben bereits 6 Steinbrüche in der näheren Umgebung“ erklärt Andreas Hofmann und betont: „Der Wald darf nicht für einen weiteren Steinbruch gerodet werden, Schutz und Erhalt des Waldes muss Vorrang haben.“ Wanderer, Mountainbiker, Spaziergänger – Die Nutzungsdichte im Stadtwald ist bereits so groß, dass das dort lebende Wild kaum Rückzugsmöglichkeiten hat.

Lange galt der Teil des Waldes, der für den Steinbruch gerodet werden soll, als relativ ruhig. Dort brütete auch der Kolkrabe, der größte Singvogel Europas, der aber kaum noch gesichtet wird. Noch hat die Europäische Wildkatze hier ihr Revier. Deren Vorkommen in Rheinland-Pfalz stellt, neben denen in Nordostfrankreich, Luxemburg und Südostbelgien, den letzten größeren zusammenhängenden Bestand in Mitteleuropa dar. Die Wildkatze wird in der Roten Liste für Rheinland-Pfalz als „potenziell gefährdet“ eingestuft.

Sowohl die Wildkatze als auch der Kolkrabe sind durch Bundesnaturschutzgesetz sowie weitere Gesetze und Richtlinien streng geschützt. „Aus diesem Grund sehe Ich eine Baugenehmigung für eine Steinbrucherweiterung allein wegen der umweltrechtlichen Belange als nicht vertretbar an“, so Kristof Mades. Die Zustimmung der Stadt als Grundstückseigentümerin ist von den erforderlichen öffentlich-rechtlichen Genehmigungen zu unterscheiden. Ein Stadtratsbeschluss ersetzt weder eine Abbaugenehmigung noch die notwendige Waldumwandlungs-, Natur- und Umweltprüfung.

Er kann die Stadt jedoch politisch oder vertraglich binden und damit die spätere Entscheidung vorwegnehmen. Die in der Öffentlichkeit kursierende Aussage, dieser Teil des Waldes sei fast wertlos, hält der Waldhilfevorsitzende Hansjörg Rehbein für fatal: „wir brauchen mehr und nicht weniger Wald. Der Wald muss in seiner Funktion als Klimaanlage für die bebauten Gebiete gestärkt werden. Er dient zudem als Reservoir für sauberes Trinkwasser, Naherholungsbiet für die Menschen und Heimat für Tiere“.