Der Bahnhof Bad Münster soll ein „27er“ werden. Und nicht wie Stuttgart 21 ein 37er. Also keine ewige, nicht enden wollende Baustelle. Sondern mit einem Fertigstellungstermin Ende kommenden Jahres. Diese ja eigentlich lobenswerte Absicht der Deutschen Bahn AG führt sowohl für alle, die im Schallbereich des Bahnhofes wohnen als auch für jene an den im Zusammenhang mit dem Umbau genutzten Lagerflächen der beauftragten Baufirma zu teils erheblichen Lärmbelästigungen. Die Erlebnisberichte der Lärmgeplagten sind bereits seit Monaten in den Sozialen Medien zu lesen.

Und waren am Dienstag dieser Woche (18.8.2026) auch Thema im Ortsbeirat für Bad Münster am Stein – Ebernburg. Obwohl das Gremium streng genommen mangels eigener Entscheidungsbefugnis in dieser Frage nicht zuständig ist. Und lediglich organisatorisch helfen kann. Aber natürlich ist es richtig und legitim, wenn von örtlichen Missständen Betroffene sich in der Einwohnerfragestunde zu Wort melden. Gesellschaftlich wertvoller und auch für die Beschwerdeführer*Innen ergiebiger wäre es allerdings, wenn sich die Einwohner*Innen nicht nur bei sie persönlich betreffenden Themen an Sitzungen teilnehmen.

Dadurch würden sie ihre Beiträge im Beschwerdefall erheblich aufwerten. Weil dann für die Gremienmitglieder und die Öffentlichkeit deutlich würde, dass da Mitmenschen agieren, die nicht nur an sich selbst denken. Natürlich ist es legitim seine Interessen zu vertreten. Aber nur mit – auch in der Sache berechtigtem – Egoismus von Vielen kommt eine Ortsbezirksgemeinschaft nicht weiter. Umgekehrt müssen die Bürger*Innen von den Verantwortlichen auch immer wieder eingebunden, informiert und befragt werden. Engagement ist in keinem Fall eine Einbahnstrasse, wenn es nachhaltig wirken soll.
Aber außer verbal zum Ausdruck gebrachtes Verständnis haben die Beschwerdeführer in der Ortsbeiratssitzung nichts erhalten. Ortsvorsteherin Birgit Ensminger-Busse und andere betonten die Bedeutung und die Notwendigkeit der Baumaßnahme. Und verwiesen auf die Zuständigkeit der Deutschen Bahn AG. Ortsbeiratsmitglied Willi Kuhn (SPD) versuchte den Lärmgeplagten vom Campingplatz unter dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid“ Trost zu spenden. Er wies darauf hin, dass er persönlich wie auch sein Ortsbeiratskollege Michael Dal Magro (CDU) als Anwohner der Bahnhofbaustelle den Baulärm ebenfalls ungefiltert Tag für Tag miterleben.
Natürlich hat die Deutsche Bahn AG bei der Projektplanung wieder einiges falsch gemacht. Die ganze Sache wäre etwas anders gelaufen, wenn es vor Baubeginn eine umfassende Anwohnerinformation inklusive Informationsveranstaltung samt umfassender Vorstellung der Arbeitspläne gegeben hätte. In der Folge hätte die Bahn an alle Betroffenen einen Jahresbedarf an Industrie-Gehörschutzstöpsel ausgeben müssen. Das hätte für die gesamte Bauzeit zwar viele tausend Euro gekostet. Wäre aber für die Betroffenen ein werthaltiges Symbol gewesen. Und schließlich hätte ein vor Ort lebender Ansprechpartner benannt und bezahlt werden müssen.
In Planig haben das die Glasfaserverleger genau so gemacht. Und sich damit viel Ärger erspart bzw diesen erst gar nicht groß werden lassen. Warum waren die Kurzzeit-Tiefbauer dazu in der Lage – und die Deutsche Bahn AG bei einem Mehrjahresprojekt nicht? Die Hoffnung der Campingplatz-Leute ist jetzt, dass schnellstmöglich ein anderer Standort für die Ablagerungen gefunden wird. Sonst droht eine gerichtliche Auseinandersetzung mit möglichem Baustopp bzw Begrenzung der Bautätigkeit auf bestimmte Tageszeiten. Dann könnte aus Bad Münster 27 doch noch eine unendliche Geschichte werden.

