Unterschriftensammlung für den Erhalt des Bäderhauses: Fake oder Irrsinn?

Die Meinung von Claus Jotzo

Nach einem Gesamtverlust von weit über 20 Millionen Euro und einem über 15jährigen immer wieder aufflammenden kommunalpolitischen Streit haben sich die Stadtratsfraktionen nun auf die Schließung des Bäderhauses verständigt. Die soll bis spätestens zum 30.6.2027 erfolgen. Aus rein finanziellen Gründen. Immerhin werden die von den Steuerzahler*Innen getragenen Verluste so um 750.000 Euro im Jahr verringert. Bei einem Teil der Einwohner*Innen findet diese Entscheidung Zustimmung.

Aber es gibt in der Stadt und im Umland auch Unterstützer für den Weiterbetrieb. Natürlich erklären diese Personen nicht, wie sie das finanzielle Loch füllen wollen. Und auch eine Reihe anderer Fakten werden ausgeblendet, um mit Pro-Bäderhaus-Proganda auf niedrigem inhaltlichen Niveau auf Dummenfang zu gehen. Eine dieser Initiativen wird aktuell auf Change.Org als Petition unter der Überschrift „Verhindern Sie die Schließung des Bäderhauses in Bad Kreuznach“ angeboten.

Die dort getroffenen Aussagen sind sämtlich unzutreffend. Und legen eine erhebliche Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse in der Stadt und zum Bäderhaus offen. Schon der erste Satz zeigt krasse Realitätsferne: „mit der Schließung des Bäderhaus in Bad Kreuznach würde die Stadt einen wichtigen Teil ihrer Identität und Anziehungskraft verlieren. Das Bäderhaus ist nicht nur ein Ort der Entspannung und Erholung, sondern auch ein unverzichtbarer Treffpunkt für die lokale Gemeinschaft.

Es bietet eine der wenigen Möglichkeiten in der Stadt, Freizeitangebote von hoher Qualität zu nutzen und dient als sozialer Anker innerhalb von Bad Kreuznach“. Alle behaupteten Zusammenhänge bestehen tatsächlich nicht. Das Bäderhaus hatte in den vergangenen Jahren jeweils nur gut 35.000 Besucher*Innen. Dabei handelt es sich um nicht mehr als 3.000 natürliche Personen. Von denen kommen, das hat die Stadt im Rahmen des Prozesses gegen den Tourismusbeitrag dargelegt, nur rund 30 Prozent aus der Stadt.

Überschlägig 900 von 54.000 Einwohner*Innen können schon aufgrund ihrer geringen Zahl die „lokale Gemeinschaft“ nicht darstellen. Und bei der über 900jährigen Stadtgeschichte Bad Kreuznachs können 26 Jahre Bäderhaus kaum als identitätsstiftend angesehen werden. Was wahre Anziehungskraft bedeutet, kann man in zehn Tagen auf der Pfingstwiese sehen. Da kommen an einem schlechtbesuchten Jahrmarkts-Nachmittag mehr Menschen aus allen sozialen Schichten, als im gesamten Jahr zusammen ins Bäderhaus.

Die Behauptung, das Bäderhaus biete eine der wenigen Möglichkeiten in der Stadt, Freizeitangebote von hoher Qualität zu nutzen und diene als sozialer Anker innerhalb von Bad Kreuznach, ist so abwegig, dass diese Behauptung eigentlich nur als Verarsche gutgläubiger und unwissender Fremder bewertet werden kann. Diese Einschätzung wird bestätigt durch die nächste Behauptung in der Petitionsbegründung: „das Bäderhaus hat seinen Ruf als erstklassige Freizeiteinrichtung über Jahre hinweg aufgebaut“.

Die Zahlen belegen, wie abwegig diese Einschätzung ist. Hatte das Bäderhaus nach seiner Eröffnung im Jahr 2000 noch fast 100.000 Gäste jährlich, ist diese Zahl kontinuierlich auf zuletzt rund 35.000 gesunken. Seit wann ein guter Ruf zum Gästerückgang um rund 60% führt, erklärt der Petitionstext nicht. Die darauf folgende Behauptung liegt ähnlich weit von der Realität entfernt: „es zieht nicht nur Einheimische, sondern auch Besucher von außerhalb an, was sich positiv auf den Tourismus und somit auf die lokale Wirtschaft auswirkt“.

Wer so einen Unsinn formuliert, ist kein Saunist. Die Menschen, die aus vielen guten gesundheitlichen Gründen regelmäßig in die Sauna gehen (und nicht nur ein oder zwei Mal im Jahr als Happening oder Langeweile oder anderen, hier nicht näher auszuführenden sachfremden Motiven), machen das meist wöchentlich. Und nicht für einen Aufguss. Sondern für mehrere mit den entsprechenden Ruhephasen. Danach geht kein Mensch mehr Shoppen. Die „lokale Wirtschaft“ wird ohne Bäderhaus keinen Euro weniger Umsatz machen.

Im Gegenteil. Denn jetzt kann wegen der Ersparnis von 750.000 Euro im Jahr die sonst fällige weitere Erhöhung der Grundsteuer entfallen. Was bedeutet, dass die Bad Kreuznacher*Innen mehr Geld in der Tasche haben. Und davon profitiert die heimische Wirtschaft. Eine vollkommene Unkenntnis der örtlichen Verhältnisse belegt die nächste unzutreffende Aussage der Petitions-Verfasser: „durch die Schließung gehen zudem zahlreiche Arbeitsplätze verloren, was eine schwerwiegende Auswirkung auf die Beschäftigungslage in der Region hätte.

Die Arbeitsplätze sind essenziell für viele Familien, die in Bad Kreuznach ansässig sind“. Richtig ist: es sind neun Vollzeitarbeitsplätze betroffen. Und den Betroffenen sind bereits Ersatzarbeitsplätze bei der Unternehmensgruppe Bad Kreuznacher Stadtwerke angeboten. Die negative Auswirkung auf die Beschäftigungslage ist also nullkommanull. Tatsächlich gehen in Bad Kreuznach allerdings Arbeitsplätze an anderer Stelle verloren. Aber diesbezüglich war von den Bäderhaus-Petitions-„Schlaubergern“ bisher leider nichts zu hören.

Dann folgt in der Petitionsbegründung dummes Rumgelaber ohne jeden inhaltlichen Gehalt: „Statistiken zeigen, dass Freizeiteinrichtungen wie das Bäderhaus signifikant zu einer erhöhten Lebensqualität beitragen. Sie verbessern die körperliche Gesundheit und das Wohlbefinden der Bürger. In einer Zeit, in der der Fokus zunehmend auf mentaler Gesundheit liegt, ist es wichtig, solche Orte zu bewahren und zu fördern“. Sich mit derart seichten Beliebigkeitsbehauptungen zu beschäftigen, verbietet sich von selbst.

Kommt der vorletzte Absatz der Begründung: „statt das Bäderhaus zu schließen, sollten alternative Maßnahmen in Erwägung gezogen werden, um seine Nachhaltigkeit und seinen wirtschaftlichen Erfolg zu sichern. Investitionen in die Renovierung und Promotion könnten den notwendigen Aufschwung geben, um diese wertvolle Einrichtung langfristig zu erhalten“. Damit erklärt die Petition alle Mitarbeitenden der BAD GmbH, der Stadtwerke und der Kommunalpolitik zu Idioten, die 26 Jahre alles falsch gemacht haben.

Was die Frage aufwirft, was die erleuchteten Verfasser der Petition über zwei Jahrzehnte lang daran gehindert hat, ihre Verbesserungsvorschläge einzubringen. Das Schlusswort macht dann deutlich, dass es sich bei der Petition um Bauernfängerei zum Gewinn von Emailadressen oder eine Veralberung naiver Teile der Öffentlichkeit handelt: „ich bitte Sie, diese Petition zu unterschreiben und sich für den Erhalt des Bäderhaus einzusetzen. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Bad Kreuznach seinen einzigartigen Charakter bewahrt und seine Bewohner weiterhin von dieser unverzichtbaren Einrichtung profitieren können.

Bitte unterschreiben Sie jetzt, um zu zeigen, wie wichtig das Bäderhaus für unsere Gemeinschaft ist“. Die Bewohner*Innen der Stadt haben vom Bäderhaus keinen einzigen Tag in den dann rund 27 Betriebsjahren profitiert. Im Gegenteil. Bad Kreuznach hatte schon lange vor dem Bäderhaus einen einzigartigen Charakter. Der noch erweitert und vertieft wurde durch die Eingemeindung von Bad Münster am Stein / Ebernburg. Die dadurch gewonnenen Neumitbürger*Innen, der Rotenfels und der Rheingrafenstein, die Ebernburg, das Steinskulpturenmuseum und viele andere Schätze haben die Stadt bereichert. Das Bäderhaus nicht.