Kopiert Emanuel Letz die Fehler seiner Vorgängerin?

Für das Scheitern der Ex-Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer (damals SPD, mittlerweile dort ausgetreten) gibt es viele Gründe. Einer ist: sie hat im Laufe der Jahre immer mehr Menschen aus ihrer kommunalpolitischen Wahrnehmung ausgeschlossen. Und sich bei ihrer Entscheidungsfindung auf inkompetente Berater*Innen gestützt. Ihr Nachfolger Emanuel Letz (FDP) ist auf dem besten Weg die Fehler seiner Vorgängerin bis ins Detail zu kopieren.

Die setzte sich im Frühjahr 2019 massiver Kritik aus, weil sie zunächst die Herausgabe eines Prüfberichtes des Landesrechnungshofes über die Gewobau an Stadtratsmitglied Wilhelm Zimmerlin verweigerte. Und diesen Bericht dann in relevanten Passagen schwärzen ließ, nachdem das Verwaltungsgericht Koblenz sie zur Herausgabe verurteilt hatte. Allein das Schwärzen kostete die Bad Kreuznacher Steuerzahler*Innen über 10.000 Euro.

In den Jahren danach wurde seitens der Stadtverwaltung nicht mehr so massiv geschwärzt. Solange noch Amtspersonen im Dienst waren, die die fatalen Folgen der 2019er-Aktion persönlich miterlebt hatten. Davon sitzt jetzt kaum noch jemand im Rathaus. Was der Grund dafür sein könnte, dass den aktuellen Oberbürgermeister niemand daran gehindert hat, eine weitere öffentlichkeitswirksame Schwärzung zuzulassen. Emanuel Letz ist auch Baudezernent der Stadt.

Und Vorsitzender des Ausschusses für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr (PLUV). Dem ließ er mit der Einladung zur heutigen öffentlichen Sitzung (Dienstag 11.8.2026, 17:30 Uhr, Sitzungssaal im Rathaus, Seiteneingang Rossstrasse) die Mitteilungsvorlage mit der Drucksachennummer 26/749 zusenden. Die ist, wie die anderen Sitzungsunterlagen, auf der Stadt-Homepage im Informationssystem veröffentlicht. Und zeigt relevante Schwärzungen. So ist unlesbar gemacht, von wem das Schreiben stammt.

Inhaltlich richtet sich der Text gegen die vom Stadtbauamt in Aussicht gestellte Genehmigungsfähigkeit für ein Bauvorhaben an prominenter Stelle: auf dem Grundstück westlich der scharfen Kehre der Rheingrafenstrasse in Höhe des Kuhtempelchens. Dort sollen 41 Wohnungen verteilt in sieben neue Gebäude entstehen. Die Investoren duften ihre diesbezüglichen Pläne am 9.6.2026 im PLUV vorstellen. Schon damals kündigten einige der Menschen, die seit Jahren auf Nachbargrundstücken wohnen, ihren Widerstand gegen diese Pläne an.

Zweifel an der Verträglichkeit des Bauvorhabens hatte im Juni auch Stadtrats- und Ausschussmitglied Karl-Heinz Delaveaux (FWG) angemeldet. Auch daher hätte Delaveaux vom Angebot des Briefverfassers („für Rückfragen steht der Unterzeichner gerne zur Verfügung“), der sein Schreiben ausdrücklich und wortwörtlich nicht nur den OB Letz, sondern auch an die Stadtratsmitglieder gerichtet hat, gern Gebrauch gemacht, was wegen der Schwärzungen nicht möglich ist. Diese kritisiert Karl-Heinz Delaveaux scharf als Symbol für die intransparente Arbeitsweise der Verwaltung.