Die alten Friedhöfe Bad Kreuznachs sind mit ihrem historischen Baumbestand nicht nur grüne Inseln in den verdichteten Stadtbereichen (wie etwa in Bad Münster und Ebernburg). Sie sind auch Schauplätze der Geschichte der Stadt und insbesondere der Bildhauerei der vergangenen 200 Jahre. Davon können sich Interessierte bei einem geführten Spaziergang der Gesundheit und Tourismus für Bad Kreuznach GmbH (GuT) am Dienstag der neuen Woche (11.8.2026) um 14 Uhr persönlich überzeugen.

Bis zum Jahr 1827 lag der Kreuznacher Hauptfriedhof mitten in der Stadt. Rund um die Pauluskirche. Den neuen Friedhof verlegte man dann in den Südosten zwischen Mannheimer und Alzeyer Straße. Damals vor die Stadt. Heute umfasst die Ruhestätte 16 Hektar. Und ist mittlerweile von Wohngebieten vollkommen umschlossen. Dort sind mittlerweile rund 50 Einzeldenkmäler ins offizielle Denkmalverzeichnis aufgenommen. Eine Auswahl davon gilt es auf dem Spaziergang zu entdecken. Jedes Kunstwerk, jeder Gedenkstein, jedes Grab erzählt seine eigene Geschichte.
Da ist einmal die Friedhofskapelle von 1865, vor allem aber die 1895 von dem Architekten Ludwig Becker entworfene Puricelli-Kapelle, der Bau aus Rotsandsteinquadern für die Stahlunternehmer orientiert sich an der Architektur des Spätmittelalters und zeugt vom Reichtum und der Religiosität der Familie ganz bewusst nachdem Vorbild mittelalterlicher Stifter. Viele Einzeldenkmäler, ausdrucksstarke Skulpturen, die den Schmerz, aber auch Lebensgefühl und die Hoffnung der Hinterbliebenen ausdrückten, schuf die internationale Bildhauerdynastie Cauer, die Emil Cauer der Ältere begründete (1800-1856) und die bis zum Tod von Hanna Cauer 1989 in jeder Generation auch in Bad Kreuznach tätige Skulpteure hervor brachte.
Besonders bis 1918 entstanden repräsentative Familiengrabstätten, die das Selbstwertgefühl und den Wohlstand der Familien der Verstorbenen widerspiegeln. Auch Zeugnisse der wechselhaften Geschichte der Stadt, gilt es zu entdecken. Es finden Kriegsgräberstätten, ein¬ Ehrengräberfeld für Opfer des Faschismus und ein¬ französisches Ehrengräberfeld ebenso wie Mahnmale an die Kriege seit dem 19. Jahrhundert. Mit Persönlichkeiten der Stadtgeschichte machen die Legatgräber bekannt, die von der Stadt gepflegt werden.
Darunter sind etwa die Maler Robert Danz (1841-1916) und Karl Kastenholz (1889-1964), auch eine schillernde Persönlichkeit wie Prinz Carl zu Solms-Braunfels (1812-1875). Einzelgräber von Ehrenbürgern wie Jean Winckler, Joseph Schneider, Hans Staab oder Alex Jacob erinnern ebenso an Persönlichkeiten der Stadtgeschichte wie die Ruhestätten von Kurgründer Prieger oder Karl Aschoff, einem der Erfinder der Radontherapie.
Zugleich vermittelt der Spaziergang anschaulich die immer weiter voranschreitende Vereinfachung, die Verflachung und das Nebeneinander verschiedener Formen der Begräbniskulturen. Die Teilnehmergebühr beträgt 10 € (mit Gästekarte 8 €). Tickets gibt es auch bei www.ticket-regional.de. Treffpunkt ist am Haupteingang des Friedhofes (Mannheimer Straße 249). Parkplätze stehen in der Mannheimer Strasse gegenüber dem Friedhofsgelände zur Verfügung. Vom Europaplatz (Wilhelmstrasse Westseite) fährt die KRN-Linie 202 den Friedhof an.
Quelle: Gesundheit und Tourismus für Bad Kreuznach GmbH (GuT)
