Leserbrief des Bernd Burghardt zum Bosenheimer Bad

Leserbrief von
Bernd Burghardt

Die Glaubwürdigkeit eines Teils der Kommunalpolitik aus dem Blickwinkel der Abkantung: wird in ein Blech eine Kante gebogen, so erzeugt diese Abkantung selbst bei sehr dünnen Blechen eine enorme Stabilität. Biegt man an gleicher Stelle jedoch mehrfach hin und her, so wird das Blech brechen. Genauso verhält es sich mit der politischen Diskussion rund um das Bosenheimer Bad. So konnten wir in diversen Wahlkämpfen noch die hohe Bedeutung dieses idyllischen Kleinodes für die lokale Identifikation – quasi als Element von Heimat – mit großem Nutzen für die Schwimmsportaktivitäten der Jugend aus den anliegenden Stadtteilen vernehmen.

Das Wetter passt, die Liegewiese ist gemäht – allein das Wasser fehlt im Bosenheimer Schwimmbad.

Aktuell beschränkt man sich darauf, die Enttäuschung der Bosenheimer über die andauernde Schließung des Bades nachzuvollziehen oder man hüllt sich alternativ in Schweigen. Hinsichtlich der Einschätzung der Rechtslage wird einerseits argumentiert, dass eine vertraglich gesicherte Unterhaltung eben eine verlässliche Abmachung auf Dauer ist. Andererseits springt man einem Richter bei, weil eine neue Folie so gerade noch als Reparatur anzunehmen sei, ein neues Edelstahlblech-Becken aber weit über die uralte Vereinbarung hinausgehe. Warum hat man dann keine neue Folie einbauen lassen?

Dieselben Personen erinnern bspw. den Kreis an die Einhaltung dessen gesetzlich geregelter Zuständigkeiten, fordern von einem Ex- Geschäftsführer finanzielle Entschädigung, weil er sich nicht an rechtliche Vorgaben gehalten habe usw. usw. Und schließlich wird immer wieder gerne der knappe Haushalt ins Feld geführt, der einen harten Sparkurs erfordere. Da ist eben nicht genug Geld übrig, um ein marodes Bad für eine unscheinbare Minderheit und nur für 5 Monate im Jahr in Schuss zu bringen.

Die gleichen taktischen Bedenkenträger segnen den Umzug in ein veraltetes und zu enges Sparkassengebäude ebenso ab wie den Bau eines Fahrradparkhauses, das selbst im Sommer noch weit von voller Auslastung entfernt ist. Oder winken gar die Teilsanierung eines städtischen Gebäudes in bester Lage mit anschließendem Leerstand durch. Ebenso finden sie es absolut in Ordnung, wenn der Konzern Stadt in vollem Umfang an seinen sogenannten „Alleinstellungsmerkmalen“ trotz roter Zahlen festhält, weil sie an das Märchen vom Touristenschwund glauben wollen. Diese Entscheider stört auch regelmäßig nicht, wenn wiederholt der Kalkulationsansatz vor einer Maßnahme und die spätere Rechnung nach Fertigstellung untragbar auseinanderdriften.

Man kann dem aufmerksamen Wähler nach diesem wirklich knappen Exkurs in die argumentative Blechkiste nur empfehlen, im sicher kommenden nächsten Wahlkampf genau auf frühere Versprechen zu blicken; genug gedrucktes Papier oder interaktive Webseiten gab es ja. Dabei dürfte auffallen, dass Argumente von denselben politischen Akteuren nach dem Wahlkampf genau in die andere Richtung wie vor dem Wahlkampf gebogen werden können. Das Bosenheimer Bad beweist, dass sich die Glaubwürdigkeit von politischen Argumenten genauso verhält wie ein mehrfach gebogenes Blech: Totalschaden nicht ausgeschlossen!