Seit Jahren beklagen die Anwohner*Innen bestimmter Stadtgebiete einen hohen Rattenbefall. Einige der Gründe dafür hat tourismusbeitrag-so-nicht.de seit damals immer wieder ins Bild gesetzt: an den Altglascontainern und auf öffentlichen Flächen abgelegter Biomüll, das Füttern von Enten und Tauben und die von Gastronomiebetrieben unterlassene korrekte Entsorgung ihrer Essensreste. Erfolgreiche Gegenmaßnahmen der zuständigen öffentlichen Verwaltungen gab es nicht. Das hatte zu einem deutlichen Anwachsen der Rattenpopulation geführt.

Vor einigen Wochen schockte ein am helligten Tag aufgenommenes Video die örtliche Öffentlichkeit. Es zeigte gleich mehrere prächtig entwickelte Ratten, die sich lebhaft in einem Gehölz auf dem Europaplatz bewegten. Wegen des reichlichen, frei zugänglichen Futterangebotes lassen sich die Ratten von den mittlerweile unzähligen im Innenstadtbereich aufgestellten Fallen nicht locken. Trotzdem mittlerweile sogar in der Einwohnerfragestunde des Stadtrates Beschwerden vorgetragen wurden, änderte sich nichts.

Die AfD-Stadtratsfraktion hat jetzt für die Sitzung des Gremiums am 27.8.2026 eine Anfrage nach § 19 der Geschäftsordnung des Stadtrates der Stadt Bad Kreuznach gestellt. Die AfD möchte von Oberbürgermeister Emanuel Letz u.a. erfahren, welche konkreten Maßnahmen zur Rattenbekämpfung bisher ergriffen wurden und welche zusätzlich geplant sind. Und wie derzeit gegen Ratten im städtischen Kanal- und Abwassersystem vorgegangen wird (die Anfrage ist nachstehend im Wortlaut wiedergegeben).

Die Anfrage der AfD-Stadtratsfraktion zum Rattenbefall im Stadtgebiet im Wortlaut:
„Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, die zunehmenden Rattensichtungen – und die mediale Berichterstattung darüber – in Bad Kreuznach sorgen bei vielen Bürgerinnen und Bürgern für große Sorgen. Inzwischen wird aus verschiedenen Bereichen der Stadt – unter anderem aus der Innenstadt, dem Bahnhofsumfeld und entlang der Nahe, aber auch aus anderen Wohngebieten – über das verstärkte Auftreten von Ratten berichtet. Auch Medien, soziale Netzwerke und WhatsApp-Gruppen greifen das Thema in letzter Zeit verstärkt auf.

Besonders auffällig ist, dass die Ratten teilweise am helllichten Tag auf Straßen und Plätzen beobachtet werden. Offensichtlich verbreiten sich die Ratten hauptsächlich über das Kanalnetz. Dieses Kanalnetz fungiert nachweislich als sogenannte „Autobahn“ für die Ratten. Darauf sollte besonders hingewiesen werden, da diese Tatsache manchmal von Laien infrage gestellt wird (siehe Studie: „Increasing rat numbers in cities are linked to climate warming, urbanization, and human population“ – Autoren: J. L. Richardson et al. Veröffentlicht: Januar 2025 in Science Advances (Band 11, Ausgabe 5).
Erstaunlich ist die Aussage der Stadt, dass einzelne Problemstellen, etwa im Bereich der Bushaltestelle Wilhelmstraße, bislang nicht bekannt gewesen seien. Ein wesentlicher Faktor dürfte das „reichhaltige Nahrungsangebot“ sein: Lebensmittelreste, illegal entsorgter Müll und überfüllte Abfallbehälter bieten der sich vergrößernden Rattenpopulation ideale Bedingungen. Die angekündigte Beauftragung eines Schädlingsbekämpfers ist richtig und sehr notwendig. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Stadt diese Entwicklung rechtzeitig erkannt und ausreichend gegengesteuert hat. Die AfD-Stadtratsfraktion bittet daher um Beantwortung folgender Fragen:
Wie bewertet die Stadt die aktuelle Entwicklung des Rattenbefalls und welche Bereiche gelten als besondere Hotspots?
Wie viele Meldungen über Ratten sind 2024, 2025 und bisher 2026 bei der Stadt eingegangen?
Warum waren der Verwaltung einzelne öffentlich bekannte Problemstellen offenbar nicht bekannt?
Welche konkreten Maßnahmen zur Rattenbekämpfung wurden bisher ergriffen und welche sind zusätzlich geplant?
Wie wird derzeit gegen Ratten im städtischen Kanal- und Abwassersystem vorgegangen?
Sieht die Stadt einen Zusammenhang zwischen dem Rattenbefall und illegalen Müllablagerungen, Lebensmittelresten sowie überfüllten Abfallbehältern?
Werden bekannte Müll-Hotspots und Bereiche mit einem erhöhten Aufkommen von Lebensmittelabfällen verstärkt kontrolliert?
Ist ein gemeinsames Maßnahmenkonzept von Stadt, Abwasserbetrieb, Abfallwirtschaft und Schädlingsbekämpfung vorgesehen?
Begründung:
Rattenbekämpfung beginnt auch bei der Stadtsauberkeit. Herumliegende Essensreste und illegal entsorgter Müll schaffen ein nahezu dauerhaftes Nahrungsangebot. Neben der Bekämpfung der Tiere müssen deshalb die Ursachen konsequenter angegangen werden. Die Bürger dürfen erwarten, dass die Stadt nicht erst reagiert, wenn das Problem öffentlich akut geworden ist. Ergänzung zu dieser Anfrage bezüglich zu den veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen der Rattenbekämpfung:
Ein weiterer Aspekt betrifft die veränderten rechtlichen Rahmenbedingungen der Rattenbekämpfung. In früheren Jahren erfolgte die Bekämpfung in der öffentlichen Kanalisation regelmäßig durch den Einsatz von Festködern mit entsprechenden Rodentiziden. Die Köder wurden durch sachkundiges Personal beziehungsweise beauftragte Fachfirmen in den Kanalschächten ausgebracht. Ziel war es, die Rattenpopulation bereits im Kanalsystem einzudämmen und damit ein verstärktes Auftreten an der Oberfläche zu verhindern.
Die gesetzlichen und umweltrechtlichen Anforderungen an den Einsatz von Rodentiziden wurden in den vergangenen Jahren jedoch erheblich verschärft. Insbesondere soll verhindert werden, dass Köder beziehungsweise Wirkstoffe mit Abwasser oder Gewässern in Kontakt kommen und Nichtzielorganismen gefährden. Damit stellt sich die Frage, ob die heute vorgeschriebenen Verfahren eine flächendeckende Bekämpfung im Kanalnetz erschweren und ob dies Auswirkungen auf die Rattenpopulation in Bad Kreuznach hat. Die AfD-Stadtratsfraktion bittet deshalb ergänzend um Beantwortung folgender Fragen:
Wie wurde die Rattenbekämpfung im Kanalnetz der Stadt Bad Kreuznach früher durchgeführt und in welchen Abständen erfolgte eine flächendeckende Beköderung?
Welche gesetzlichen Änderungen haben diese bisherige Form der Rattenbekämpfung eingeschränkt oder verändert?
Wie erfolgt die Rattenbekämpfung im Kanalnetz heute und wie viele Köderschutzsysteme beziehungsweise Köderstationen sind derzeit im Einsatz?
Welcher Anteil des städtischen Kanalnetzes kann mit dem heutigen Verfahren tatsächlich abgedeckt werden?
Hat sich nach Einschätzung des Abwasserbetriebs die Wirksamkeit der Rattenbekämpfung durch die verschärften Vorschriften verändert?
Sieht die Verwaltung einen Zusammenhang zwischen den eingeschränkten Bekämpfungsmöglichkeiten im Kanalnetz und den derzeit zunehmenden Rattensichtungen an der Oberfläche?
Welche zusätzlichen Maßnahmen hält die Verwaltung für erforderlich, um trotz der strengeren Vorschriften eine wirksame und möglichst flächendeckende Rattenbekämpfung sicherzustellen?
Die AfD-Stadtratsfraktion bittet diese Fragen in der Stadtratssitzung am 27. August unter dem Top „Anfragen der Fraktionen“ zu beantworten. Mit freundlichen Grüßen Jörg Fechner AfD-Stadtratsfraktion Bad Kreuznach“
Tourismusbeitrag-so-nicht.de berichtet seit acht Jahren über das Problem und seine Hintergründe. Trotzdem hat die Stadtverwaltung nicht die nötigen Konsequenzen gezogen. Was zu einer Verstärkung der Rattenplage führte. Nachstehend ein sechs Jahre alter Betrag vom August 2021. Bilder und Inhalt sind heute leider immer noch genau so aktuell, wie damals:
