Zur Halbzeit seiner achtjährigen Amtszeit gab Oberbürgermeister Emanuel Letz (FDP) Anfang Juli 2026 dem Öffentlichen Anzeiger ein Interview. In dem bewertete der OB seine bisherige Arbeit mit der Schulnote „2“. Also als gut. Das und einzelne Aussagen des Oberbürgermeisters lösten bei den kommunalpolitisch aktiven Einwohner*Innen sehr unterschiedliche Reaktionen aus. Ein wenig Zustimmung. Bei seinen liberalen Parteifreunden. Zusammengekniffene Lippen bei den FDP-Koalitionspartnern CDU und SPD. Und den Grünen, die darauf hoffen, dass in der restlichen Letz-Amtszeit noch ein paar sachpolitische Brocken vom Tisch des Herrn für sie abfallen.

Und massives Kopfschütteln bis hin zu offenem Widerspruch aus den Fraktionen von AfD, Freien Wählern, BüFEP Plus, FWG – und der Fairen Liste. Deren Pressesprecher Peter Engel gab eine öffentliche Erklärung ab, in dem die Faire Liste dem OB eine schwache 4-Jahres-Bilanz bescheinigt. Darauf hat der FDP-Stadtverband mit einer Schutzschrift für den Oberbürgermeister reagiert. In der dessen Vorsitzender Christoph Anheuser seine Sichtweise der Bad Kreuznacher Kommunalpolitik vorstellt: „Verantwortung bedeutet, Mehrheiten zu organisieren, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen.“
Die Stellungnahme der FDP zur Kritik der Fairen Liste an Oberbürgermeister Emanuel „In schwierigen Zeiten zählt das Team – Kommunalpolitik lebt vom Mitgestalten und gemeinsamer Verantwortung“ im Wortlaut:
Die Kritik der Fairen Liste am Sommerinterview von Oberbürgermeister Emanuel Letz nimmt der FDP-Stadtverband Bad Kreuznach zum Anlass, an ein wesentliches Prinzip der Kommunalpolitik zu erinnern: Eine Stadt lässt sich nur gemeinsam gestalten. Anders als in Bund und Land gibt es auf kommunaler Ebene keine klassische Trennung zwischen Regierung und Opposition. Ein Oberbürgermeister kann seine Ziele nicht im Alleingang umsetzen. Er benötigt Mehrheiten im Stadtrat, eine leistungsfähige Verwaltung, die Zusammenarbeit mit Bund, Land und Kreis sowie oftmals auch private Investoren.
Gute Ideen dürfen deshalb nicht nach ihrem Absender bewertet werden, sondern danach, ob sie Bad Kreuznach voranbringen. Wer Verantwortung für unsere Stadt übernehmen will, ist aufgerufen, konkrete Vorschläge einzubringen und an tragfähigen Lösungen mitzuarbeiten. Genau das ist in den vergangenen vier Jahren vielfach gelungen – über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg. Der vielleicht wichtigste Fortschritt der bisherigen Amtszeit von Emanuel Letz lässt sich daher nicht allein an einzelnen Bauprojekten messen. Nach Jahren wechselnder Mehrheiten und politischer Unruhe besteht im Stadtrat wieder eine verlässliche Grundlage für sachorientierte Entscheidungen.
Die Zusammenarbeit von CDU, SPD und FDP sorgt für Stabilität, ohne gute Vorschläge anderer Fraktionen auszuschließen. Emanuel Letz hat entscheidend dazu beigetragen, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und den Blick wieder stärker auf die gemeinsame Arbeit für die Stadt zu richten. Im Stadtrat geht es heute deutlich mehr um Lösungen und weniger um persönliche Auseinandersetzungen. Diese Entwicklung ist kein Selbstzweck. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass schwierige Entscheidungen getroffen und langfristige Projekte überhaupt vorangebracht werden können. „Verantwortung bedeutet, Mehrheiten zu organisieren, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen“, erklärt der Vorsitzende des FDP-Stadtverbandes Bad Kreuznach, Christoph Anheuser.
„In schwierigen Zeiten zählt nicht die einzelne Person. Entscheidend ist, ob Verwaltung, Stadtrat und Oberbürgermeister als Team handlungsfähig sind und gemeinsam für Bad Kreuznach arbeiten.“ Natürlich waren die Ziele im Oberbürgermeisterwahlkampf 2022 ehrgeizig. Nach der Amtsübernahme wurde jedoch deutlich, wie groß die über Jahre entstandenen Herausforderungen tatsächlich waren. Die Verwaltung musste zunächst stabilisiert und in wichtigen Bereichen personell neu aufgestellt werden. Mehrere zentrale Amtsleiterstellen waren unbesetzt – darunter ausgerechnet das für die Stadtentwicklung besonders wichtige Bauamt. Auch im Ordnungsamt fehlte nach jahrelangen Diskussionen eine eigenständige Leitung.
Hinzu kamen erhebliche finanzielle Belastungen durch zusätzliche Aufgaben von Bund und Land, ohne dass diese immer ausreichend gegenfinanziert wurden. Gleichzeitig zeigte sich ein erheblicher Investitions- und Modernisierungsstau. Die maroden Brücken sind dafür das sichtbarste Beispiel: Weder der Löwensteg noch die Quellenhofbrücke sind innerhalb weniger Jahre verfallen. Sie stehen vielmehr für ein jahrelanges Leben auf Kosten der städtischen Infrastruktur. Stadtrat und Verwaltung mussten deshalb zunächst ordnen, priorisieren und konsolidieren, bevor viele neue Projekte überhaupt umgesetzt werden können.
„Wer Verantwortung trägt, muss sich der Realität stellen – auch wenn sie unbequem ist“, so Anheuser. „Es geht darum, die gesetzten Ziele unter den tatsächlichen finanziellen, personellen und rechtlichen Rahmenbedingungen Schritt für Schritt umzusetzen. Emanuel Letz hat sich dieser Aufgabe gestellt und zugleich daran gearbeitet, Bad Kreuznach wieder handlungsfähiger zu machen.“ Diese Konsolidierungsarbeit zeigt inzwischen Wirkung. Das Bauamt verfügt wieder über eine reguläre Leitung. Auch das Ordnungsamt wird organisatorisch und personell gestärkt.
Damit werden wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Entscheidungen besser vorbereitet und konsequenter umgesetzt werden können. Mit dem Erwerb des neuen Rathauses wurde zudem eine langfristige Entscheidung für einen zentralen Verwaltungsstandort getroffen. Richtig ist, dass die Kosten höher ausfallen als ursprünglich erwartet und derzeit noch nicht alle Beschäftigten an einem Standort untergebracht werden können. Dennoch bleibt das grundsätzliche Ziel richtig: Die Verwaltung soll effizienter aufgestellt, die dauerhafte Abhängigkeit von angemieteten Flächen reduziert und langfristig bei Miet- und Energiekosten entlastet werden.
Wer den Oberbürgermeister ausschließlich daran misst, wie viele Projekte bereits vollständig abgeschlossen sind, greift deshalb zu kurz. Entwicklungen wie das Salinenquartier, der Eiermarkt oder die Aufwertung der Innenstadt benötigen Grundstücksgeschäfte, Fördermittel, private Investitionen, Genehmigungen und umfangreiche Abstimmungen mit anderen Behörden. Ein Oberbürgermeister kann solche Prozesse vorantreiben, aber nicht im Alleingang ersetzen. Konstruktive Kritik bleibt notwendig. Auch in der Verwaltung funktioniert noch längst nicht alles so, wie es die Bürgerinnen und Bürger zu Recht erwarten.
Die Wartezeiten bei der Zulassungsstelle und die schleppende Umsetzung der Ganztagsbetreuung an den Grundschulen zeigen, dass weiterhin erheblicher Handlungsbedarf besteht. In der zweiten Hälfte der Amtszeit müssen deshalb Abläufe beschleunigt und begonnene Projekte konsequent umgesetzt werden. Entscheidend ist jedoch, Probleme nicht nur zu benennen, sondern gemeinsam an realistischen und finanzierbaren Lösungen zu arbeiten. Kommunalpolitik lebt vom Mitgestalten und von der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Die Halbzeitbilanz von Emanuel Letz zeigt: Bad Kreuznach ist 2022 mit einem erheblichen Rückstand in die Partie gegangen. In der ersten Hälfte wurde an vielen Stellen hart gearbeitet, um verlorenen Boden gutzumachen. Für die zweite Hälfte gilt nun: das Tempo erhöhen, Chancen konsequenter nutzen und mit noch mehr Entschlossenheit für Bad Kreuznach kämpfen“.
