Dieser Vorgang hätte die Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit der öffentlichen Verwaltung, für die die Menschen sehr viel Geld bezahlen, weiter vergrößert. Verhindert hat den weiteren Ansehensschaden Rechtsanwalt Thomas Scheffler mit seiner Aufmerksamkeit. Und Kulturdezernent Mirko Helmut Kohl mit einer souveränen Reaktion. Am Donnerstagnachmittag der vergangenen Woche (23.7.2026) erfolgte die offizielle Einweihung des vom Stadtrat im September 2025 „Hans-Litten-Weg“ benannten Fußweges im Bürgerpark nördlich des Justizzentrums (siehe gesonderter Bericht in der heutigen Ausgabe).

Für die zwei Strassenschilder hatte die Stadt sogenannte Unterschilder anfertigen lassen, auf denen der Hintergrund für die Namensgebung kurz erläutert wird. Rechtsanwalt Thomas Scheffler hatte sich diese schon tags zuvor angeschaut. Und dabei peinliche Fehler festgestellt. Aufgrund seiner Information ließ Kulturdezernent Mirko Helmut Kohl die fehlerhaften Unterschilder demontieren. Und gab zwei neue in Auftrag. Als diese rechtzeitig vor dem feierlichen Einweihung eintrafen, war die Enttäuschung groß.

Aus den drei Fehlern, die Thomas Scheffler entdeckt hatte, waren mehrere geworden. Ein krasser Fall von Verschlimmbesserung. Mirko Helmut Kohls souveräne Reaktion: er ließ die falsch beschriftetet Unterschilder zwar mit aufs Pressefoto (weil man sie darauf nicht lesen kann), aber nicht an den Schildträger. Möglicherweise interessiert sich ja einer der Stadtrats- oder Finanzausschussmitglieder dafür, was der Schilder-„Spaß“ die Einwohner*Innen kostet.
Fehler auf Bad Kreuznacher Strassenschildern kommen übrigens immer wieder vor. Im Jahr 2021 setzte tourismusbeitrag-so-nicht.de einen besonders peinlichen ins Bild. Einer der erfolgreichsten Bad Kreuznacher Bürgermeister (damals gabs noch keine OBs) ist Rudolf Kirschstein (von 1897 bis 1909). Ihm verdankt die Stadt die Wilhelmbrücke und eine Vielzahl weiterer zukunftsorientierter Entscheidungen. Der Mann regte z.B. bereits über 100 Jahre, bevor dies dann tatsächlich geschah, die Eingemeindung von Bad Münster am Stein nach Bad Kreuznach an.
Rudolf Kirschstein war so erfolgreich, dass ihn der seinerzeitige Rat der Stadt – mit großer Unterstützung aus der Bevölkerung – fünf Jahre nach seiner Pensionierung wegen des Scheiterns seines Nachfolgers für einige Jahre zu Beginn des I. Weltkrieges zurück ins Amt holte (von 1914 bis 1916). Ein bundesweit sehr seltener Vorgang. Daher war es mehr als angemessen, dass die kleine Grünfläche südlich der Wilhelmbrücke samt der daran vorbeiführenden Strasse seinen Namen erhielt („Kirschsteinanlage“).

Viele Jahre störte sich keine Amtsperson daran, dass die Schreibweise auf dem Strassenschild – abweichend vom damaligen Stadtratsbeschluss – falsch war („Kirchsteinanlage“). Erst der Hinweis von tourismusbeitrag-so-nicht.de führte – Monate später – zu einer Korrektur. Natürlich ohne jeden Dank seitens der Stadt. Höflichkeit fordern die Amtspersonen lediglich von ihren Untertanen ein. Kritik oder gar Hinweise auf Fehlleistungen hat die Mehrheit in den Amtsstuben gar nicht gern.
