Museum Schlosspark: Finissage der Mieves-Ausstellung am 25.7.

Zur Finissage der Ausstellung „Überall ist Mitte“ des Künstlers Christian Mieves lädt das Museum Schlosspark (Dessauerstraße 49) am Samstag dieser Woche 25.7.2026 von 15 Uhr bis 18 Uhr. Der Eintritt dazu ist frei. Die Malerei von Christian Mieves entsteht aus einem grundsätzlichen Misstrauen gegenüber dem Eindeutigen. Seine Bilder verweigern die glatte Oberfläche und die Illusion des Abgeschlossenen.

Stattdessen öffnen sie Räume, in denen Formen entstehen, die sich auflösen und wiederkehren, in denen Farbe Spuren legt, sich zurückzieht und wieder auftaucht. Die Bildstrukturen wirken wie fragile Konstruktionen, die jederzeit kippen könnten und gerade daraus ihre Spannung beziehen. Die Ausstellung „Überall ist Mitte“ in Bad Kreuznach zeigt neue Arbeiten aus dem Atelier des Künstlers in Großbritannien sowie Werke, die während seines Stipendiums in der Stiftung Bartels Fondation in Basel im letzten Jahr entstanden sind.

Die Bezugnahme auf Hans Sedlmayrs kulturpessimistischer Schrift Verlust der Mitte (1950er Jahre) ist dabei eher kritisch zu sehen. Die „Mitte“ wird bei Mieves nicht als Verlust verstanden, sondern als eine Aufforderung zur aktiven Mitgestaltung des Betrachters seine Wahrnehmung neu zu sortieren, neu zu gewichten und neu zu priorisieren. „Konzeptionell ist die Idee des fertigen Bildes das Langweiligste. Das Interessante sind die Entstehungsprozesse und dass es sich immer weiterentwickelt“, sagt Mieves, dessen Arbeiten seit über fünfzehn Jahren international ausgestellt werden.

Seine künstlerische Praxis, geprägt durch ein Studium des Kommunikationsdesigns in Mainz und seine Lehrtätigkeit an britischen Universitäten, ist eng verbunden mit theoretischen Überlegungen zur Sichtbarkeit, Bildentstehung und den Bedingungen des Sehens. „Wir versuchen ja immer, Bilder als etwas Fertiges zu sehen. Aber mir geht es darum, den Schaffensprozess zu zeigen, und dass unser Verhältnis zur Welt nicht eindeutig ist, dass wir vieles nicht entziffern können und viele Bilder im Werden stecken.“

Diese Abkehr vom fertigen Bild gewinnt besondere Relevanz in einer Zeit, in der KI-generierte Bilder und die allgegenwärtige Smartphone-Fotografie den Schaffensprozess zunehmend unsichtbar machen. Viele zeitgenössische Malerinnen und Maler wenden sich daher dem Abstrakten zu, um dem Unbekannten nachzuspüren. Auch in Mieves Werk wird die Uneindeutigkeit zum Ort des Unerwarteten. „Vielleicht ist diese Uneindeutigkeit etwas sehr Präzises. Man kann das gar nicht präziser darstellen“, sagt Mieves, ein Satz, der die Haltung seiner Malerei prägnant fasst.

In einer Zeit, in der Bilder sofort konsumierbar, eindeutig und überproduziert sind, setzt Mieves auf Reduktion, Ambivalenz und verlangsamte Wahrnehmung. Seine Malerei fordert eine Haltung des tastenden Sehens, nicht um die alte „Mitte“ wiederzufinden, sondern um neue Zentren und Ereignisse zu entdecken. Eine Sicht, die in der Gegenwartskunst zunehmend an Bedeutung gewinnt. Teile des Textes sind einem Gespräch mit dem Künstler und Astrid Bierschenk entnommen, das im Januar 2026 zur Ausstellung „The Moon gives us light enough“ in Basel stattgefunden hat.

Quelle: Marek Haas, Leitungsassistenz Museum Schlosspark