„Perfekter“ Würfelnatter-Schutz: das hätten sie in Schilda nicht „besser“ gemacht

Die Geschichte der Schildbürger ist weltweit bekannt: die bauten ihr neues Rathaus ohne Fenster. Und unternahmen dann den Versuch das Licht in Säcken ins Gebäude zu tragen. In Bad Kreuznach ist mit dem ersten Rathaus der Stadtgeschichte auch einiges schief gegangen. Der Kaufpreis war am Ende mehr als doppelt so hoch, als zu Beginn der Verhandlungen von der Verwaltung mitgeteilt. Dafür ist der Zustand deutlich schlechter, als gedacht. Weshalb absehbar Millionen in die Sanierung und Instandsetzung investiert werden müssen.

Zudem passen – anders als vor der Stadtratsentscheidung zugesagt – doch nicht alle Mitarbeitenden in das große Haus am Kornmarkt. Trotzdem ist das mit Abstand nicht die teuerste Fehlentscheidung der örtlichen Kommunalpolitik. Jene aktuelle, mit der die Nahemetropole sehr dicht an das von einigen Verantwortlichen als Vorbild gewählte Schilda heranrückt, ist ungleich billiger. Und mit wenigen Bildern anschaulich zu machen. Die Ausgangslage für die Verwaltung war ein wichtiges ökologisches Anliegen: der Schutz der Würfelnatter.

Die besiedelt, außer in Bad Kreuznach, weltweit nur noch sehr wenige andere Lebensräume. Zu ihrem Schutz ist am südlichen Naheufer westlich der Salinenbrücke auf Höhe des Besuchergradierwerkes Karlshalle ein Naturschutzgebiet ausgewiesen. Verbunden mit einem Betretungsverbot des Uferbereiches für Passanten. Das wird von einigen Zeitgenossen weder ernst genommen noch beachtet. Die im Ansatz richtige Entscheidung der Stadtverwaltung war daher, auch wenn die Dinger hässlich aussehen: Sperrgitter aufstellen.

Wie diese Aufgabe dann praktisch umgesetzt wurde, katapultiert Bad Kreuznach auf der nach oben offenen Schilda-Fehlleistungsskala an die Spitze. Allen Ernstes wurden die Gitter lediglich von der Salinenbrücke bis zum Naturschutzgebiet-Schild aufgereiht. Mit zwei zusätzlichen Gittern auf dessen anderer Seite wäre das Problem gelöst worden. Aber die stehen weiter im Bauhof-Magazin. Was es Greti und Bledi ermöglicht, massenhaft das Naheufer direkt neben dem Verbotsschild zu betreten.

Was zum Austreten eines respektablen Trampelpfades mitten durch das Schutzgebiet geführt hat. Wie gesagt: zwei Gitter mehr. Und der Schutzzweck wäre erfüllt, die Würfelnatter hätte ein sicheres Refugium. Denn weiter westlich ist das Gelände gegen unbefugtes Betreten durch eine massive Brombeerhecke geschützt. Dem würfelnatterfeindlichen Teil der Naturfreunde, die das Naheufer betreten möchten, stehen im Stadtgebiet flussabwärts, etwa längs der Roseninsel, des Nachtigallenwegs und im Bereich der Kirschsteinanlage, ausreichend Zugangsmöglichkeiten zur Verfügung.