Diese Mitteilung der Stadtverwaltung hat Anfang Februar diesen Jahres Anwohner*Innen und Einwohner*Innen verunsichert: „der Deich (Anmerkung der Redaktion: gemeint ist der Nahedamm) befindet sich in einzelnen Bereichen in einem abgängigen Zustand“. Weshalb die angekündigten Grünschnittarbeiten „aus Gründen der Sicherheit und zur Aufrechterhaltung des Hochwasserschutzes für die Stadt Bad Kreuznach dringend erforderlich“ waren. Tatsächlich senkt sich schon seit Jahrzehnten ein schmaler Teilbereich des Naherad- und Fussweges westlich der Jahrmarktsbrücke naheseits ab. Was zum Schiefstand des Geländers und der Lampenträger führte. Beides hat Passanten nie gestört.

Weil die über Jahrzehnte leichte Winkelveränderung der nächtlichen Beleuchtung außer diversen Wasserratten und Wühlmäusen niemandem aufgefallen ist. Und das Geländer nur an den fünf plus eins Jahrmarktstagen tatsächlich benötigt wird. Wobei der Personenkreis, der die stabile Gehhilfe in Anspruch nimmt, eine weitaus größere Schlagseite hat, als die Metallkonstruktion. Tatsächlich störend waren allenfalls die Risse im Bodenbelag. Weshalb diese alle paar Jahre mit Asphalt ausgegossen wurden. Wer dort schon länger langgeht weiß: die Lageveränderung in Millimetern macht an dieser Stelle im Jahr nicht ein Zehntel jener bedeutenden und tatsächlich höchst gefährlichen anderenorts aus.

Etwa jener, die Fachgeologen bei den Phlegräischen Feldern (Italien) und in der Caldera des Yellowstone-Nationalparks (USA) messen. Bei einer einzigen bis heute mitgeteilten Schad-Stelle am Bad Kreuznacher Deich von „einzelnen Bereichen“ zu sprechen und angesichts der sehr überschaubaren Dynamik in Super-Super-Slo-Mo von einem „abgängigen Zustand“ war also von Anfang an sehr übertrieben. Und dabei ist es gerade die Stadtverwaltung, die der Presse immer wieder „Dramatisierung“ und „Übertreibung“ vorwirft. Weil Hochwasserschutz auch ein Thema für obere Landbehörden ist, wurde die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord) mit der Thematik befasst.

Die führte erst eine Untersuchung durch. Und veranlasste dann in den vergangenen Tagen kosmetische Arbeiten. Der Rad- und Gehweg hat im schadhaften Abschnitt auf etwa 80 Meter Länge eine neue Deckschicht erhalten. Weder an der Fehlstellung des Geländers noch an der der Lampenträger wurde etwas geändert. Also müssen sich weder nachtaktive Nagetiere noch Jahrmarktsgänger*Innen umstellen. An den bezeichneten Orten in Italien und den USA ist das ganz andres. Dort stehen gravierende Veränderungen an, die sich auch in Bad Kreuznach auswirken werden. Vom hiesigen Nahedamm geht – das steht jetzt fest – allerdings keine Gefahr für die Welt aus.

