Mindestens 60.000 qm Naturschutzgebiet brennen kontrolliert ab

Das Naturschutzgebiet nördlich des Traisener Steinbruches sollte eigentlich vom Landkreis für das ökologische Weltkulturerbe angemeldet werden. Jetzt müssen die Verantwortlichen und Einwohner*Innen zusehen, wie der Wald niederbrennt. Denn, das machten Landrätin Bettina Dickes und mehrere Fachleute in einer Pressekonferenz am gestrigen Sonntagnachmittag (28.6.2026) deutlich, ein Löschen in der üblichen Art und Weise kommt wegen der Kampfmittelbelastung nicht in Frage.

Je nach Betrachtungsstandort und Windstärke ist der Fernsehturm zu sehen – oder verschwindet hinter Rauchschwaden.

Diese ist nach Darstellung der Landrätin nach dem Ende des II. Weltkrieges entstanden, weil in dem Bereich Munition zur Sprengung zusammengekarrt wurde. Ein damals in allen Besatzungszonen durchaus übliches Verfahren. Die Sprengung hat allerdings das zündfähige Material nicht vollständig vernichtet, sondern eine Restmenge in einem Umkreis von bis zu 1.000 Meter im Gelände verteilt. Eine systematische Absuche und Entsorgung hat seinerzeit nicht stattgefunden. In der Nachkriegszeit hatten die Menschen andere Sorgen.

Markus Weyerhäuser vom Polizeipräsidium Mainz sicherte den evakuierten Traisenern die Bewachung ihrer Häuser zu.

Was in diesen Tagen zum Problem wird. Weil die Feuerwehrkräfte nicht mit Löschrucksäcken und Druckleitungen zu den Brandstellen vorrücken können, wird jetzt eine Taktik angewendet, die auch immer mal wieder bei Gebäudebränden zur Anwendung kommt: kontrolliertes Abbrennen. Denn irgendwann geht dem Feuer das Material aus. Damit nicht der ganze Kauzenbergbewuchs zum Raub der Flammen wird, hat der für das Gebiet zuständige Landesforst am Samstagabend damit begonnen, mit Baumerntemaschinen („Harvester“ oder Rückemaschinen) Schneisen in den Wald zu schlagen.

Konrad Liecht vom Forstamt Soonwald erläuterte Sinn, Zweck und Ausführung der Brandschneisen.

Dies geschah im ersten Schritt in der Weise, dass die Bäume am Rand befestigter Waldwege gefällt bzw im Kronenbereich eingekürzt wurden. So soll der Waldbrand auf ein sechs bis sieben Hektar großes Areal begrenzt werden. Für den Fall, dass diese Taktik aufgrund von Starkwind und Gewitterböen scheitert, stehen die Maschinen bereit, um nötigenfalls breitere Feuerstoppschneisen an anderer Stelle zu schlagen. Für die Brandbekämpfer ist klar, dass das Eindämmen des Waldbrandes noch mehre Tage dauern kann. Bei ungünstiger Wetterlage sogar länger.

Bettina Dickes und der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rüdesheim, Markus Lüttger, erläuterten auch die ersten Einsatzstunden am Samstagnachmittag.

Bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag war ein Teil der Einwohner*Innen der Gemeinde Traisen evakuiert worden (tourismusbeitrag-so-nicht.de berichtete). Am Sonntagvormittag fiel dann die Entscheidung, alle Menschen aus dem Ort zu holen. Das dauerte im Fall einer Familie, die zunäcst nicht dazu bereit war, mehrere Stunden. Verhandler der Polizei konnten dann aber rein verbal ohne Anwendung unmittelbaren Zwanges Überzeugungsarbeit leisten. So dass sich zum Zeitpunkt der Pressekonferenz am Sonntagnachmittag nur noch Haustiere vor Ort befanden.

Rund ein Dutzend Fachpersonen standen am gestrigen Sonntagnachmittag einer vielfach größeren Zahl von Pressevertreter*Innen Rede und Antwort.

Auf die und auf das Hab und Gut der Traisener passen laut Markus Weyerhäuser vom Polizeipräsidium Mainz die KollegInnen der um zusätzliche Kräfte verstärkten Polizeiinspektion Bad Kreuznach auf. Überhaupt ist für die Polizei mit dem Waldbrand ein ganz erheblicher Mehraufwad verbunden. Nur einen Teil davon ist auf der Strasse zu sehen, wo viele EinwohnerInnen die Präsenz in den blauen Uniformen sehr begrüssen. In dem Pressegespräch traten Dickes und BKI Roßkopf auch Gerüchten entgegen, die Evakuierung sei wegen des Fundes einer großen Fliegerbombe erfolgt: „keine Bombe, eine reine Sicherheitsmaßnahme“ (weitere Berichte zum Thema in der heutigen Ausgabe).