Wer nichts zu verbergen hat und nichts vertuschen möchte, kann entspannt transparent handeln. Der Umstand, dass die Gewobau ohne jede inhaltliche Erklärung auf Geheimniskrämerei setzt, spricht daher für sich. Und gegen die Krisenbewältigung bei der Wohnungsbaugesellschaft. Natürlich hat es wenigstens intern im Vergleich zur Seeger-Ära kleine Verbesserungen gegeben. Erinnern wir uns. Der Ex-Geschäftsführer hatte sich vor Jahren geweigert, selbst Aufsichtsratsmitgliedern den Prüfbericht des rheinland-pfälzischen Rechnungshofes zur Verfügung zu stellen.

Eine Einsichtnahme war nur „betreut“ in den Räumlichkeiten der Gewobau möglich. Die Öffentlichkeit des zu 100% aus Steuermitteln finanzierten Dokumentes, in dem teils peinliche Fehlleistungen des Ex-Geschäftsführers detailgenau beschrieben wurden, wurde von Seeger und der damaligen Gewobau-Aufsichtsratsvorsitzenden und Ex-Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer vollkommen ausgesperrt. Tourismusbeitrag-so-nicht.de veröffentlichte daraufhin im Frühjahr und Sommer 2019 relevante Passagen. Und lieferte damit den Einwohner*Innen der Stadt dutzende Sachgründe, um bei der OB-Wahl 2022 Konsequenzen zu ziehen.
Die Folgen der damals exzessiv betriebenen Informationsverweigerung führten immerhin zu der Einsicht, dass jetzt wenigstens die Aufsichtsratsmitglieder informiert werden. Das ist im Fall des Beschlusses des Landgerichtes in der Prozesssache Gewobau gegen Seeger auch geschehen. Allerdings zeigt das Anschreiben auf, dass sich an der transparenzfeindlichen Mentalität in der Gewbau-Chefetage nichts geändert hat. Rik Mayer, Assistent der Geschäftsführung, schrieb: „wir weisen Sie ausdrücklich auf Ihre Verschwiegenheits- und Vertraulichkeitspflichten als Mitglied des Aufsichtsrats hin.
Die enthaltenen Informationen sind streng vertraulich und eine Weitergabe an nicht berechtigte Dritte (außer Rechtsbeistand der jeweiligen Parteien und Mitglieder des Aufsichtsrats) ist unzulässig“. Ein öffentliches Dokument wird als „streng vertraulich“ eingestuft. Selbst Ex-Stasi-Mitarbeiter bekommen da einen Lachanfall. Einem Teil der von der Stadt entsandten Mitglieder des Gewobau-Aufsichtsrates ist das allerdings sehr recht. Denn so können sich diese ganz bequem aus der Verantwortung ziehen. Auf diesen Aspekt werden wir noch zurückkommen.
Heute gilt die Aufmerksamkeit den Mitgliedern des Aufsichtsrates, die erkannt haben, das bei städtischen Gesellschaften nur Transparenz zu Akzeptanz in der Bevölkerung führt. „Danke für die Veröffentlichung“ ist eine Reaktion, die zeigt: die Zeit der Geheimniskrämer und Hinterzimmerplauderer läuft ab. Entweder ändern die Informationsblockierer ihre Einstellung und Handlungsweise. Oder die personelle Zusammensetzung der Gremien wird sich ändern. Denn die Menschen, die all das bezahlen, haben – das zeigen zahlreiche Leserreaktionen – den Kanal voll.

