Es ist der vierte Prozess in 25 Jahren. Erneut sind die Bosenheimer*Innen gezwungen ihr Schwimmbad gegen die Schließungspläne der Stadt juristisch zu verteidigen. In der Sitzung am gestrigen Mittwochabend (10.6.2026) informierte Rechtsanwalt Herbert Emrich über den Sachstand vor der für den 30.6.2026 terminierten mündlichen Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Koblenz. Emrich berichtete von dem Fragenkomplex, den das Gericht mit der Aufforderung zur Beantwortung an die Parteien gerichtet hat.

Dabei geht es um die freiwilligen Ausgaben, die die Stadt und ihre Gesellschaften in den vergangen fünf Jahren für das Bosenheimer Bad und andere Zwecke aufgewendet hat. Die Diskrepanz ist augenfällig. In Bosenheim landeten maximal 150.000 Euro im Jahr. Für das restliche Stadtgebiet wurden jeweils deutlich über 10 Millionen Euro aufgewendet: für die Bosenheimer*Innen also nicht einmal die Hälfte des Betrages, als für die übrigen Einwohner*Innen der Stadt. Obwohl die rund 1.500 Menschen im zweitkleinsten Ortsbezirk das mit Abstand höchste Steueraufkommen pro Kopf erwirtschaften.
Ortsbeirats- und Stadtratsmitglied Kay Maleton (Faire Liste) kritisierte die Entscheidung des Gerichtes nur wenige Jahre zu betrachten. Nach seiner Auffassung wäre es richtig, die Rechnung seit der Eingemeindung im Juni 1969 aufzumachen. Denn die Schließung des Bades wurde vor drei Jahren mit einem Mangel, dem Wasserverlust, begründet, der sich aufgrund des von der Stadt vorsätzlich über Jahrzehnte unterlassenen Unterhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen ergab. Kay Maleton war es auch, der den Zeithorizont für das aktuelle Verfahren definierte:
„Wir werden durch alle Instanzen gehen. Und wenn es Jahre dauern wird“. Der Applaus im Auditorium und von den Ortsbeiratskollegen zeigte deutlich, dass die Bosenheimer*Innen in diesem Punkt vollkommen einig sind. Ortsbeiratsmitglied Ismayil Bozdogan warf die Frage auf, wie möglichst viele Bürger*Innen an der Gerichtsverhandlung in Koblenz teilnehmen können. Eine Busfahrt wird es nicht geben, erklärte Ortsvorsteher Markus Später. Statt dessen werden Fahrgemeinschaften organisiert (weiterer Bericht folgt).
