Damit hatte kaum ein Stadtratsmitglied gerechnet: statt eines Urteils verkündete das Landgericht Bad Kreuznach am vergangenen Mittwoch (3.6.2026) in der Sache Gewobau gegen Karl-Heinz Seeger einen Beschluss. Der hat es in sich. Denn auf rund acht Seiten formulierte das Gericht Fragen und Hinweise an die Prozessparteien. Offensichtlich ist trotz der vorgerichtlichen Auseinandersetzung vor der Klageerhebung vom 28.4.2025, der Schriftsatzwechsel vor der ersten mündlichen Verhandlung am 30.1.2026, der dort aufgeworfenen Fragen des Gerichtes und des folgenden Schriftsatzwechsels noch immer vieles unklar.

Was in jedem Fall eines bedeutet: so klar und eindeutig, wie Oberbürgermeister Emanuel Letz die Angelegenheit den städtischen Gremien seit dem März 2024 wiederholt darstellte, kann sie nicht sein. Erste deutliche Zweifel waren bereits am 26.11.2024 geweckt worden. Da stimmten die Rechtsanwälte der Gewobau in einem ersten Prozess vor dem Landgericht einem Vergleich zu, in dem sich die städtische Wohnungsbaugesellschaft verpflichtete 100.000 Euro an Seeger zur Abgeltung seiner Ansprüche aus der Geschäftsführervergütung zu zahlen.
Von einer erfolgreichen fristlosen Kündigung konnte spätestens seit dem nicht mehr die Rede sein. Entsprechend verblüfft reagierte die Öffentlichkeit auf die Mitteilung, dass die Gewobau einige Monate später, am 28.4.2025, teils mit den selben Argumenten, die bereits im ersten Prozess das Gericht nicht überzeugten, eine Klage auf Zahlung von rund 1 Million Euro gegen den Ex-Geschäftsführer erhob. Vor über zwei Jahren sagte OB Letz in einer Presseerklärung: „danach erhielten wir neue Informationen, die die bestehenden Vorwürfe weiter untermauerten und schlussendlich zu diesem Schritt führten“.
Die 27 Monate seit dem haben gezeigt: solide Maurerarbeit sieht anders aus. Trotzdem fallen die Reaktionen aus dem Stadtrat auf die überraschende Vorgehensweise des Landgerichtes zurückhaltend aus. Öffentlich möchte sich keine Fraktion äußern, ohne den Beschluss des Gerichtes gelesen zu haben. Ein Stadtratsmitglied hat seine Sichtweise in der rhetorischen Frage zum Ausdruck gebracht: „was hat uns der Oberbürgermeister da bloß eingebrockt? Der Schaden wird ja immer größer“.
