In der Märsch wird gegen den Anwohnerwillen als Verkehrsberuhigter Bereich ausgebaut

Aktuell wird in der Märsch die Abwassertechnik erneuert. Dies möchte die Stadt nutzen, um die Strasse neu auszubauen. Die entsprechenden Beschlüsse wurden bereits vor Jahren gefasst. Das Projekt ist im Stadthaushalt für 2026 eingestellt und finanziert. Demzufolge drängt jetzt die Zeit. Denn die Tiefbauleistungen müssen noch ausgeschrieben werden. Als Baustart ist der kommende September vorgesehen. Daher fand am 21.4.2026 eine Anwohnerversammlung statt, in der die Verwaltung ihren Plan vorstellte: einen ebenerdigen Ausbau ohne klassische Bürgersteige.

Das stieß bei der klare Mehrheit der Grundstücksbesitzer auf Widerstand. Weshalb die Bauverwaltung – entgegen ihrer fachlichen Überzeugung – einen Alternativplan entwickelte. Einen Neuausbau mit einem etwa 1,30 Meter breiten Gehweg auf der einen und einem zwischen 80 und 90 Zentimeter schmalen Schrammbord auf der andern Seite. Auch gegen diesen Vorschlag sprach sich eine Mehrheit der Bewohner aus. Die fassten ihre Sichtweise in einem Schreibe zusammen, dass von der Bauverwaltung erfreulicherweise veröffentlicht wurde und nachstehend im Wortlaut abgedruckt ist.

Viel Platz auf der Strasse ist in der Märsch nicht. Es stehen lediglich 6,95 Meter Fahrbahnbreite zur Verfügung.

In der entscheidenden Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr (PLUV) am 5.5.2026 wurden die Alternativen beraten. Hans Sifft, der Leiter des Tiefbauamtes, stellte die „asymmetrischen“ Ausbaupläne vor. Und noch eine weitere Variante, bei der das Schrammbord zu Gunsten einer Gehwegverbreiterung auf der anderen Seite um 20 Zentimeter verschmälert würde. Hermann Holste (Grüne) konnte den Verwaltungsvorschlag „nicht ganz nachvollziehen“, weil die einschlägige Richtlinie schreibt eine Gehweg-Mindestbreite von 1,50 Meter vorschreibt.

Holste sprach sich zunächst für den ursprünglichen, von den Anwohnern abgelehnten niveaugleichen Ausbau aus. Dieser Argumentation schloss sich Norbert Welschbach (CDU) an. Er sprach deutlich aus, dass die Anwohner ihre Haltung „nicht gut durchdacht“ hätten. Und lobte wie Holste den ursprünglichen Verwaltungsvorschlag, den er als „beste Lösung“ sieht. Und ergänzte: „ein Schrammbord ist das Schlimmste, was es gibt“. Nach weiterer Diskussion wurde über die Änderungsanträge abgestimmt, die von von Hermann Holste und Norbert Welschbach gestellt worden waren.

Der Holste-Vorschlag, die Entscheidung zu verschieben und noch einmal mit den Anwohnern zu reden, wurde mit sechs Ja- und elf Neinstimmen abgelehnt. Der Welschbach-Antrag eines niveaugleichen Ausbau gemäß des ursprünglichen Verwaltungsvorschlages fand mit 13 Jastimmen bei fünf Enthaltungen eine deutliche Mehrheit. Was bedeutet, dass die Märsch jetzt als Verkehrsberuhigter Bereich ausgeschildert wird. Und nur noch in den eingezeichneten Parkflächen geparkt werden darf. Ein der Beratung als Zuhörer beiwohnender Anwohner zeigte sich von dieser Lösung nicht begeistert.

Die Eingabe der Mehrheit der Märsch-Bewohner im Wortlaut:

„Nach eingehender Prüfung müssen wir Ihnen jedoch erneut und unmissverständlich mitteilen, dass wir auch diesem Vorschlag nicht zustimmen. Der von Ihnen nicht sanierte Abschnitt (Bereich des Hauses Nr. 20 in Richtung Möbusstraße in der Märsch) erhält weder eine neue Fahrbahn noch einen behindertengerechten Gehweg. Vor diesem Hintergrund ist es für uns nicht nachvollziehbar, weshalb ausgerechnet in dem neu sanierten Bereich ein behindertengerechter Gehweg vorgesehen werden soll. Bitte berücksichtigen Sie zudem, dass es sich bei der Maßnahme nicht um einen Neuausbau der Straße handelt, sondern ausschließlich um eine Sanierung des Kanals sowie der Gas- und Wasserleitungen.

Darüber hinaus stellt die geplante Ausführung eine klare Benachteiligung der Häuser mit ungeraden Hausnummern dar, da diesen lediglich ein etwa 50 cm breiter Schrammbord zugestanden würde. Eine derartige Ungleichbehandlung ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel. Zudem ist es für uns nicht akzeptabel, dass künftig nur noch einseitiges Parken vorgesehen sein soll. Bereits frühere Überlegungen kamen zu dem sachgerechten Ergebnis, beidseitig Gehwege mit einer Breite von jeweils etwa einem Meter anzulegen. Zudem ist festzuhalten, dass Rettungsfahrzeuge sowie andere Sonderfahrzeuge die Straße über Jahrzehnte hinweg – konkret in den letzten 50 Jahren – ohne Einschränkungen nutzen konnten.

Wir fordern Sie daher ausdrücklich auf, dem Abstimmungsergebnis vom 21.4.2026 Rechnung zu tragen und die Straße in ihrer bisherigen Form wiederherzustellen. Zugleich erwarten wir, dass keine weiteren Ressourcen in alternative Neuplanungen investiert werden, sondern die Umsetzung entsprechend zeitnah erfolgt. Wir fügen diesem Schreiben eine Unterschriftenliste der Eigentümer und Anwohner der Märsch bei, die sich gegen Ihr Vorhaben aussprechen. Mit freundlichen Grüßen Die Bewohner der Märsch“