Ehrung für Alfons Sassenroth einstimmig beschlossen

Alfons Sassenroth hat in den vielen Jahren, denen er den städtischen Gremien angehört, schon ganz andere Tiefpunkte erlebt. So konnte er die Diskussion, die sich am vergangenen Donnerstag (21.5.2026) im Stadtrat ausgerechnet an dem Tagesordnungspunkt entzündete, die seine Ehrung betraf, gut wegstecken. Wie tourismusbeitrag-so-nicht.de bereits am 18.5.2026 berichtete, war der Winzenheimer CDU-Kommunalpolitiker von der Stadtverwaltung für die Auszeichnung mit der
Freiherr-vom-Stein-Plakette 2026 des Landes Rheinland-Pfalz vorgeschlagen worden.

Alfons Sassenroth ertrug die Grundsatzdiskussion zur Vergabe seiner Ehrung gelassen im Publikum sitzend.

Als der Tagesordnungspunkt aufgerufen wurde, meldete sich zunächst Wilhelm Zimmerlin zu Wort. Den Fraktionsvorsitzenden von BüFEP plus interessierte, „ob es im Kreise der derzeitigen Stadtratsmitglieder welche gibt, die genau so lange im Stadtrat sind, wie der Herr Sassenroth“. Für diesen Fall wollte Zimmerlin wissen, wie das Auswahlverfahren gelaufen ist. Oberbürgermeister Letz erklärte daraufhin, dass es „in der Tat noch weitere, die genau so lange im Stadtrat waren“, gibt. Und ergänzte, dass für die Entscheidung die Mitarbeit auch im Ortsbeirat und in Ausschüssen des Stadtrates eine Rolle spiele.

Insbesondere die Mitarbeit im Ortsbeirat habe eine große Rolle gespielt „und andere ehrenamtliche Tätigkeiten, die die Stadt betreffen“. Sassenroth und andere sind seit 21 Jahren und zehn Monaten Stadtratsmitglied. Stephanie Otto (Grüne) wies als einzige Rednerin darauf hin, dass die Sitzung des Hauptausschusses, in der all diese Fragen hätten diskutiert werden können, „leider ausgefallen“ ist. Otto warf die Fareg auf, wie kommunalpolitisches „Engagement bei ungleichen Bedingungen“ zu würdigen ist. Und wies mit einer Vielzahl von Argumenten darauf hin, dass Frauen diesbezüglich gegenüber Männern benachteiligt sind.

U.a. haben ihrer Einschätzung nach „Frauen weniger die Möglichkeit, sich langjährig kommunalpolitisch zu engagieren. Beruf, Familie und Ehrenamt von Frauen parallel ist nicht zu schaffen“. Otto erinnerte daran, dass der Fall ihrer Fraktionskollegin Juliane Rohrbacher-Staaden gezeigt habe, dass es im Rathaus keine Möglichkeit zur Kinderbetreuung gibt und etwa Babys nicht in geeigneten Räumlichkeiten gestillt werden können. Sie regte an über die Kriterien für die Vorschläge nachzudenken und schlug eine Vorschlagsliste nach Geschlechtern getrennt vor. Um dann aus einem Wahlprogramm zu zitieren:

„Ohne Frauen ist kein Staat zu machen, Frauen ist mehr Mitgestaltung zu ermöglichen“. Die Sätze stammen aus „Lust auf Zukunft“, dem Kreiswahlprogramm der CDU vom Juni 1999. Karl-Heinz Delaveaux erinnerte daran, dass „die letzte Ehrung eine Frau, Tina Franzmann, erhalten hat“. Würde jetzt eine Abwechslung gefordert, „ist jetzt ein Man dran, so wie vorgeschlagen“. Die Kritik des FWG-Fraktionsvorsitzenden richtete sich an den OB: „wir haben anders als früher keine Vorschlagsliste Liste bekommen. Das hat mich irritiert. Warum wurde das geändert?“ Das Verfahren sei so intransparent.

Es sei aber mehr Transparenz erforderlich. „das vermisse ich ja in anderen Veranstaltungen auch.“ Leider erhielten die ehrenamtlichen Gremienmitglieder von der hauptamtlichen Verwaltung erst im Nachgang Informationen, „die wir besser vorher schon gehabt hätten“. Martina Hassel (SPD) wurde von der Sorge beschlichen, „dass eine tolle Auszeichnung zerredet“ wird. Ab einem bestimmten Zeitpunkt schädige das den vorgeschlagenen Menschen“. Hassel regte an, „in einer der nächsten Hauptausschusssitzungen im nächsten halben Jahr die Vergabekriterien zu beraten. Und gab Stephanie Otto recht. Es müsse eine frauenfreundlichere Regelung gefunden werden.

Abschließend warf Martina Hassel die Frage auf, ob die Zeiten im Bad Münsterer Stadtrat vor der Eingemeindung als Stadtratsjahre dazuzählen. Gerhard Merkelbach setzte den Hinweis der Ratskollegin bezüglich der zu besorgenden Beschädigung des Vorgeschlagenen operativ um: der Fraktionsvorsitzende der Fairen Lite beantragte per Geschäftsordnungsantrag Schluss der Debatte. OB Letz kündigte an, die Vergabekriterien in einer der nächsten Hauptausschusssitzungen zu diskutieren. Die anschließende Abstimmung fiel einstimmig für Alfons Sassenroth aus.

Angesichts des Diskussionsverlaufes müssen sich alle Stadtratsmitglieder und die Verwaltung fragen lassen, wieso die Jahre seit der letzten Verleihung 2022 nicht genutzt wurden, um die aktuelle Ehrung besser vorzubereiten. Der Hinweis auf die vom Oberbürgermeister ohne jede öffentliche Begründung abgesagte Sitzung des Hauptausschusses, in der all das vor der Stadtratssitzung hätte geklärt werden können, ist mehr als berechtigt. Allerdings stellt sich die Frage, wieso kein einziges Stadtrats- und Ausschussmitglied von der Möglichkeit, den OB zur Einberufung einer Sitzung zu erzwingen, Gebrauch gemacht hat.