Leserbrief von
Gerd Cremer
Die Glasfaser plus, Tochterunternehmen der Deutschen Telekom, geht ziemlich rabiat vor, neue Kunden zu generieren oder von der ehemaligen UGG (Unsere Grüne Glasfaser) abzuwerben. So wurden meine Mieter in einer Liegenschaft im Kurgebiet bereits zum dritten Male belästigt. Obwohl sie schon bei den beiden Vorbesuchen laut und deutlich „Nein“ gesagt haben. Und ich als Grundbesitzer das natürlich respektiere. Die Lage in Bad Kreuznach, erst das Verlassen auf de UGG (trotz der von mir bereits damals dargelegten Bedenken), dann eine vierjährige Stümperzeit und dann der zweite Versuch mit der Glasfaser plus, ist eine Folge des Versagens der örtlich Verantwortlichen.

Aber auch von krassen Fehlentscheidungen auf Bundesebene vor mehr als 25 Jahren. Ende der 90er Jahre hat uns das der ehemalige Postminister Schwarz-Schilling eingebrockt. Statt ein staatliches einheitliches homogenes Glasfasernetz für alle Providerfirmen zu planen, zu errichten und dann an die Interessenten für solche Glasfaser-Netze zu verpachten, hatte das Postministerium die Auswahl der Technik sowie der Kabellehrrohrverlegung den Providern überlassen. Das führte dazu, dass die Mehrzahl der Provider bei den örtlichen Kommunen versuchten exklusiv Kooperationszusagen zu erhalten, um ihre Finanzierungen abzusichern.
Der Nachteil dieses Konzeptes besteht darin, dass weitere Glasfasererrichterfirmen überall ebenso ein eigenes Glasfasernetz verlegen dürfen. Das bedeutet, dass deren Tiefbaufirmen gesetzlich berechtigt sind, mehrfach den gleichen Straßenabschnitt aufzureißen. Es findet also eine sogenannte „Überbauung“ statt, mit allen möglichen Nachteilen. Insbesondere für die Bürger, da wochenlang die Straßen und Bürgersteige aufgerissen sind und meistens letztlich auch schlecht wiederhergestellt werden. Vor etwa zehn Jahren hat die Muttergesellschaft der Glasfaser plus, die deutsche Telekom, in der Bad Kreuznacher Innenstadt Glasfaser ausgerollt und überall in der Stadt DSLAM installiert.
Diese DSLAM sind der Endpunkt des Glasfasernetzes. Von dort sind es maximal rund 250 Meter bis zum letzten Hausanschluss der Kunden. Diese letzte Strecke kann man mit den herkömmlichen, bereits verlegten alten Kupferadern und einer Datenrate von bis zu 300 Mbit/s mittels VDSL mit Vektoring / Supervektoring bewältigt werden. Das ist doch im normalen häuslichen Bereich vollkommen ausreichend. Jetzt kommt die Glasfaser plus und will – zumindest überwiegend teilweise – die Straßen erneut aufreißen.
Man wird vermutlich, um einen schnellen Roll-out zu erzielen, das Trenching- oder Minitrenching-Verfahren anwenden. Dabei wird das Leerrohr nur zwischen 30 und 40 Zentimeter tief mittels maschinellem Fräsverfahren in einer etwa 12 cm breiten Nut verlegt. Bei einer späteren weiteren Verlegung von Versorgungsleitungen oder auch Reparaturen – man denke nur die vielen Wasserleitungsrohrbrüche – stören diese Glasfasertrassen direkt unter der Oberfläche.
Das Stadtbauamt steht dem Trenching-Verfahren daher richtigerweise ablehnend gegenüber. Meine persönliche Meinung ist diejenige, dass mit dem von der Telekom praktizierten Lösung, VDSL auf den letzten 250 Metern der Kupferleitung, volle Zufriedenheit bezüglich Geschwindigkeit und Datenrate besteht. Ferner wäre zu hinterfragen, und da sehe ich die Stadtverwaltung in der Pflicht, wie lange die Installation und Inbetriebnahme dazu dauern wird. Ein FTTH (fiber to the home) ist nicht unbedingt notwendig“.
