Jahrzehntelang war das ein gut gehütetes Geheimnis: wesentliche Teile der 1947 verabschiedeten rheinland-pfälzischen Landesverfassung wurden nicht etwa in Mainz, Kaiserslautern oder Ludwigshafen beraten. Sondern in Bad Kreuznach. Nach dem II. Weltkrieg war das Nahestädtchen unter 30.000 Einwohner klein. Die Folgen der Bombenangriffe im letzten Kriegswinter waren überall im Stadtgebiet zu sehen. Dem Sozialdemokraten Karl Kuhn verdankt die Stadt, dass hier Landespolitik geschrieben wurde.

Die große Mehrzahl der Beratungen, zusammen 13 Sitzungen zwischen dem 22. Januar und dem 13. März 1947, fanden im Faust-Haus statt. Der Öffentliche Anzeiger hat das in seinen Berichten vom 17. und 18. Mai 1972 dokumentiert. Auf diese Tatsachen weist seit rund vier Jahren eine vom Landtag ausdrücklich genehmigte, vom Verein denk-mal: Bad Kreuznach e.V. für Denkmal- und Umweltschutz finanzierte Gedenktafel hin, deren Befestigung Eigentümer Mohammad Barazandeh mit großer Freude und Stolz ermöglicht hat.
Am kommenden Montag (18.5.2026) um 19 Uhr findet im historischen Sitzungssaal des Faust-Hauses auf Einladung von tourismusbeitrag-so-nicht.de eine Informationsveranstaltung statt, die an diese Vorgänge erinnert. Dr. Michael Vesper, der Vorsitzende des Heimatkundevereins für Stadt und Kreis, wird mit seinem Vortrag Geschichte lebendig machen. Dieser steht unter der Überschrift „Die Bildung des Landes Rheinland-Pfalz, eine neue Weichstellung der Stadtgeschichte“.
