Viele offene Fragen rund um die Kirmes Bad Münster

Selbst langgediente Ortsbeiratsmitglieder können sich nicht mehr sicher daran erinnern, wann genau im Ortsbezirk die letzte Kirmes gefeiert wurde. Es war wohl in Ebernburg. Vor weit über fünfzehn Jahren. Ursprünglich hat es sogar zwei gegeben. Denn auch an den Kirchengeburtstag in Bad Münster wurde mit einer Kerb erinnert. Nach der Kommunalwahl 2024 beantragte die SPD-Ortsbeiratsfraktion wieder eine Kirmes zu veranstalten. Am 14.10.2024 empfahl der Ortsbeirat per Beschluss „dem Ausschuss für Messen und Märkte, auch im Stadtteil BME eine Kirmes zu ermöglichen“.

Das illegale Befahren des Ebernburger Hartplatzes mit Pkws hat dort Anfang 2024 tiefe Spuren hinterlassen. Für eine Kirmes-Nutzung ist der Platz schlicht nicht geeignet.

Wortführerin und Berichterstatterin schon damals: Anke Altmayer (SPD). Christian Rapp (CDU) berichtete seinen Ortsbeiratskolleg*Innen, „mit einigen Vereinen für 2025 schon in der Planung zu sein“. Der Ortsbeirat bildete sodann eine Arbeitsgruppe. Für die gab Anke Altmayer Monate später in der Ortsbeiratssitzung am 24.2.2025 einen Sachstandsbericht. Auch danach tat sich wieder nicht viel. Demzufolge sah sich Anke Altmayer in der darauf folgenden Ortsbeiratssitzung am 2.6.2025 nur zu einer „Kurzmitteilung zum Thema Kerb“ in der Lage. Mit dem inhaltlichen Schwerpunkt, dass deren Terminierung im Sommer erfolgen solle.

Während die anderen Ausschussmitglieder über die Bad Münsterer Kirmes berieten, stimmten sich Dirk Nessel und Susanne Grünewald (stehend) hinsichtlich des Standortes und anderer Details ab.

Und ein Konzept in Arbeit sei. Acht Monate nach dem Grundsatzbeschluss. Aus einem Veranstaltungstermin im Sommer 2025 wurde daher dann auch nichts. Statt dessen kam das Thema Kirmes in der Ortsbeiratssitzung am 8.9.2025 erneut auf die Tagesordnung. Fast ein Jahr nach dem ersten Aufschlag wurde immerhin der Terminvorschlag durch Anke Altmayer konkretisiert auf das erste Wochenende im Juli 2026. Ortsvorsteherin Birgit Ensminger-Busse bat daraufhin ihre Ortsbeiratskollegin Altmayer „die Terminsituation insgesamt mit der Geschäftsführerin des Verkehrsvereins abzustimmen“.

Und gab den Hinweis, dass der endgültige Beschluss „über die Durchführung der Kirmes mitsamt Konzept“ noch aussteht. Was auch daran lag, dass Anke Altmayer zu diesem Zeitpunkt ein von der Stadtverwaltung prüffähiges Konzept noch nicht vorgelegt hatte. Daher wurde das Thema in der Ortsbeiratssitzung am 27.1.2026 erneut behandelt. Und über einen Ort für die Veranstaltung diskutiert. Vorgeschlagen wurde das Naheufer (Kuna-Aue). Dort feiert zwar alljährlich die Freiwillige Feuerwehr (Löschzug West) mit hunderten von Gästen.

Für eine Kirmes mit nicht viel mehr Publikum erschien einigen im Ortsbeirat die Infrastruktur allerdings nicht ausreichend. Weshalb das Gelände des FC Bavaria 08 Ebernburg in den Fokus geriet. Weil dann, 15 Monate nach dem SPD-Vorschlag, die Information kam, dass die Stadtverwaltung die Kirmes-Organisation nicht leisten wird, erklärte sich Anke Altmayer in Zusammenarbeit mit Christian Rapp bereit, diese zu übernehmen. Obwohl der Termin für Anfang Juli 2026 bereits ins Auge gefasst war, herrschten in der Folge-Ortsbeiratssitzung am 23.3.2026 „über die organisatorischen Zuständigkeiten im Ortsbeirat unterschiedliche Auffassungen, auch über den aktuellen Planungsstand“.

Anke Altmayer nahm an der Sitzung, weil erkrankt, nicht teil. Und hatte auch keinen schriftlichen Sachstandsbericht vorgelegt: „daher gab es keine weiteren Informationen“. Um ein weiteres ergebnisloses Herumeiern zu vermeiden, wurde daraufhin Ortsvorsteherin Ensminger-Busse (Freie Wähler) aktiv. Und kündigte die Vereinbarung eines gemeinsamen Gesprächstermines des Orgateams um Anke Altmayer und Christian Rapp mit dem Ordnungsamt an, „um grundsätzliche Klarheit zu schaffen“. Diese Aussprache fand am 16.4.2026 im Rathaus der Stadt statt. Vereinbart wurde als Kirmes-Durchführungstermin der 3. bis 6. Juli 2026.

Und als Veranstaltungsort „der Sportplatz in Ebernburg“. Auch wenn in der Sitzung nur vom Vereinsgelände die Rede war. Ein Unterschied, der später noch erhebliche Bedeutung erlangte. Diese konkreten Ergebnisse wurden sodann in der Ortsbeiratssitzung am 27.4.2026, in der die Kirmes zum immerhin sechsten Mal in 19 Monaten Thema war, mitgeteilt. In dieser Sitzung beschloss der Ortsbeirat auf Antrag des Orga-Teams (mit der in der Sache zutreffenden Begründung: andere Ortsbeiräte machen das auch) einstimmig, die Kerb 2026 mit Mitteln aus dem Stadtteilbudget, „höchstens jedoch 500 €“, zu unterstützen.

„Die Ortsvorsteherin macht darauf aufmerksam, dass bislang kein Budgetplan für die Durchführung der Kirmes vorliegt und bittet um eine Aufstellung der Kosten sowie der Finanzierung der Veranstaltung (Kostenplan). Sie verdeutlicht, dass seitens der Stadt Bad Kreuznach Kostenübernahmen für Verwaltungsaufgaben von maximal 2.000 € angesetzt werden können, die jedoch aktuell nicht im Haushalt 2026 enthalten sind“. Dazu erklärten Anke Altmeier, Annette Hartwig und Susanne Grünewald sinngemäß: „eine abschließende Kostenplanung ist noch nicht möglich, da sich verschiedene Sponsorenanfragen noch im Prozess befinden“.

(Hinweis der Redaktion: bei den vorstehend in Anführungszeichen abgedruckten Textbestandteilen handelt es sich um wörtliche Zitate aus den amtlichen Protokollen der Ortsbeiratssitzungen). Zehn Wochen vor der Veranstaltung war deren Finanzierung also noch immer unklar. Trotzdem wurde der Punkt am 7. Mai 2026 im Ausschuss für Messen und Märkte („Jahrmarktsausschuss“) als Antrag des Ortsbeirates behandelt. In dieser Sitzung kamen dann erstmals (nach 20 Monaten Vorbereitungszeit) eine Reihe von Fakten auf den Tisch.

Um die hatte sich der erst seit dem 1.5.2026 amtierende neue Ordnungsdezernent Mirko Helmut Kohl bemüht, um endlich Klarheit in die Angelegenheit zu bringen. Zunächst überbrachte Kohl die Hiobsbotschaft, dass Oberbürgermeister Emanuel Letz auf Vorschlag von Kämmerer Thomas Blechschmidt am Vortag aufgrund der desaströsen Finanzlage der Stadt eine sofortige Haushaltssperre anordnen musste. Mit für die Kerb im jüngsten Stadtteil fatalen Folgen. Weil die Bad Münsterer Kirmes-Initiatoren sich mit ihren Planungen über eineinhalb Jahre Zeit gelassen hatten.

Und noch folgenschwerer: es zudem unterließen, für die Kirmes Haushaltsmittel im Rahmen der jährlichen städtischen Etatberatungen (das wäre für 2025 sogar zwei Mal und für 2026 im November 2025 möglich gewesen) zu beantragen. Sowohl die SPD-Stadtratsfraktion hätte das machen können. Als auch jedes der Orga-Team-Mitglieder als Einwohnervorschlag gemäß § 97 der Gemeindeordnung. Durch die Haushaltssperre ist es seit vergangener Woche nun ausgeschlossen, dass eine diesbezügliche freiwillige Leistung von der Stadt übernommen wird. Was zum Erfordernis zusätzlicher Sponsoringleistungen führt.

Auch für diese gelten Rechtsvorschriften, auf die der Beigeordnete Kohl zutreffend hinwies. Denn nicht nur Spenden, sondern alle der Stadt zugedachten Zuwendungen, wozu selbstredend auch Sponsoringleistungen zählen, müssen vorher vom Finanzausschuss per Beschluss angenommen werden. Der tagt am 1.6.2026 das nächste Mal, sodass – wenn das Kirmes-Orga-Team in die Pötte kommt – ein formgerechtes Vorgehen noch möglich ist. Dazu müssen allerdings mindestens zwei weitere Hürden genommen werden. Die Platzwahl. Und die Vorlage eines schriftlichen Veranstaltungskonzeptes, aus dem auch der Zufahrtsschutz und andere Aspekte ersichtlich sind.

Bezüglich des Festplatzes gabs in der Ausschusssitzung dann den nächsten Dämpfer für das Kirmes-Orga-Team, das nicht von der entschuldigten Anke Altmayer, sondern von der stellvertretenden Ortsvorsteherin Susanne Grünewald (Grüne) vertreten wurde. Mirko Helmut Kohl, der auch die Funktion des Sportdezernenten ausübt, verlas die Stellungnahme des städtischen Sportamtes, das aus guten Gründen die vom Orga-Team ins Auge gefasste Nutzung des im Eigentum der Stadt stehenden Hartplatzes rundheraus ablehnte, um Schaden von der Stadt und für die Nutzung durch Sportler*Innen abzuwenden.

Susanne Grünewald zeigte sich erstaunt, dass ein Fußball-Hartplatz die Belastung durch Lkws nicht aushält. Offenbar sind ihr die Schäden und Probleme, die schon durch das Befahren des Ebernburger Hartplatzes mit Pkws in der Vergangenheit bestanden und über die breit öffentlich berichtete wurde (auch bei tourismusbeitrag-so-nicht.de) nicht bekannt. Falk von Plettenberg (CDU) machte nach kurzer Rücksprache mit seinem Sitznachbarn Dirk Nessel den Vorschlag, die Firma Iselborn könne doch die Platzschäden beseitigen und damit dessen Nutzung ermöglichen.

Ausschussmitglied Dirk Nessel (FDP), Ehemann von Stadtratsmitglied Julia Iselborn (FDP), hatte zuvor erklärt, dass die Baufirma Iselborn auf eigene Kosten eine Rampe auf das städtische Gelände bauen würde, um dorthin die Zufahrt für die Schausteller-Lkws zu ermöglichen. Und bestätigte den Plettenberg-Vorschlag. Was von anderen Sitzungsteilnehmern mit der Aussage kommentiert wurde, eine solche Verpflichtungserklärung könne nicht von einem Ausschussmitglied mündlich abgegeben werden, sondern müsse schon schriftlich bei der Stadt vorliegen. Daraufhin wurde in der Ausschusssitzung nach einem anderen Standort gesucht.

Der spontan vorgeschlagene Kurpark kommt nach Einschätzung von Dirk Nessel nicht in Frage, weil dort nicht ausreichend Platz für einen Autoscooter sei. Bezüglich des weiteren Alternativ-Vorschlages „Parkplatz Naheweinstrasse“ wurde der Einwand vorgetragen, dass dieser wegen der Sanierung des Bad Münsterer Bahnhofes von einer Baufirma genutzt werde. Daraufhin wurde von Susanne Grünewald das Gelände der Realschule plus am Rotenfels in Ebernburg benannt. Grünewald übernahm für das Orga-Team die Aufgabe sich deswegen mit der als Grundstückseigentümerin zuständigen Kreisverwaltung in Verbindung zu setzen.

Das erfolgte zumindest bis zum Dienstag dieser Woche (12.5.2026) nicht. Denn auf Anfrage der tourismusbeitrag-so-nicht.de-Redaktion teilte die Kreispressestelle an diesem Tag gegen 13 Uhr, bis heute nicht korrigiert oder ergänzt, mit: „Landrätin Bettina Dickes hat heute über einen Zeitungsartikel von dieser Idee erfahren und sich unmittelbar an das Bauamt gewandt. Auch wenn bisher noch keine Anfrage vorliegt, steht der Landkreis einer möglichen Nutzung des Schulhofes für die Kirmes positiv gegenüber“.

Die Kreispressestelle fährt fort: „sollte das Interesse bestehen, müsste in einer Nutzungsvereinbarung geklärt werden, dass die Feuerwehrzufahrt frei und damit der Brandschutz weiterhin gewährleistet bleibt und dass Verschmutzungen oder Vandalismus auf dem Gelände, insbesondere bei den Toiletten, vermieden werden“. Und am späten Dienstagnachmittag um 16:38 Uhr teilte die Stadtverwaltung mit: „nach interner Rücksprache kann ich Ihnen mitteilen, dass uns aktuell keine neuen Informationen zur geplanten Kirmes in Bad Münster am Stein-Ebernburg vorliegen“.

Fakt ist also: acht Wochen vor dem geplanten Kirmestermin steht noch immer nicht fest, wo diese stattfindet. Auf der Kuna-Aue. Oder dem Parkplatz Naheweinstrasse. Oder im Kurpark. Oder bei der Bavaria. Oder auf dem Gelände der Realschule. Um Klarheit zu schaffen und die Öffentlichkeit informieren zu können, richtete die tourismusbeitrag-so-nicht.de-Redaktion am frühen Mittwochmorgen dieser Woche (13.5.2026) eine Anfrage an Anke Altmeyer vom Orga-Team. Mit folgenden Fragen: „wann wird die Orga-Gruppe dem Ordnungsamt das vom Ausschuss angeforderte Veranstaltungskonzept vorlegen?

Auf welchem Platz kann die Kirmes veranstaltet werden? Wie erfolgt die Finanzierung, nachdem aufgrund der in der vergangenen Woche vom Oberbürgermeister verhängten Haushaltssperre keine Stadtmittel für die Kirmes zur Verfügung stehen?“ Eine inhaltliche Antwort haben wir bis heute (Stand Freitag, 15.5.2026 um 5 Uhr) nicht erhalten. Diese Sprachlosigkeit und / oder Informationsverweigerung spricht für sich. Zurück zum Ausschuss für Messen und Märkte. Der beschloss auf Vorschlag des Beigeordneten Kohl zur Motivation der Bad Münsterer Kirmes-Freunde grundsätzlich grünes Licht für das Projekt. Wenn die Finanzierung steht, ein Platz gefunden ist und ein Konzept vorliegt.

Zur Info für Susanne Grünewald die Schadenanfälligkeit des Ebernburger Hartplatzes betreffend: