Karl-Heinz Delaveaux: Wahl einer Jahrmarktsmajestät als „hochanständige Sache“

„In der Kürze liegt die Würze“, dachte sich wohl Karl-Heinz Delaveaux. Daher beschränkte der FWG-Fraktionsvorsitzende im Rat der Stadt Bad Kreuznach seinen Antrag für die Sitzung des Ausschusses für Messen und Märkte („Jahrmarktsausschuss“) auf zwei Sätze: „die FWG beantragt zur Steigerung der Attraktivität der Jahrmarktseröffnung die Wahl einer Miss Jahrmarkt 2026. Weitere Einzelheiten sollen in der Sitzung vorgetragen werden“. Die lösten wegen einer entsprechenden Berichterstattung im Öffentlichen Anzeiger schon vor der Sitzung eine heftige öffentliche Diskussion aus.

Karl-Heinz Delaveaux (stehend) leistete Überzeugungsarbeit in der Ausschusssitzung auch am Verwaltungstisch.

Die sich dann in der Sitzung am vergangenen Donnerstag (7.5.2026) fortsetzte (tourismusbeitrag-so-nicht.de) berichtete. Die durchweg negativen Kommentare seiner Ausschusskollegen (Kolleginnen waren nicht anwesend) empfand Karl-Heinz Delaveaux als „grobe Unterstellungen“. Den mehrfach erhobenen Sexismus-Vorwurf wies Delaveaux weit von sich: „ich habe solche Gedanken nicht“. Weder an Sexappeal noch an Kurven. Entgegenstehende Behauptungen lägen „weit neben Sache“. Die Motivation für seinen Vorschlag begründete Delaveaux so: der Jahrmarkts-Eröffnungsveranstaltung im vergangenen Jahr habe es an Esprit und Attraktivität gefehlt.

Im Vorvorjahr sei am Auftritt der vom Schaustellerverband präsentierten Kirmeskönigin lediglich kritisiert worden, dass diese aus Nordrhein-Westfalen stammte. Mit seinem Vorschlag beabsichtige er eine Belebung der Zeremonie. Selbstredend solle nicht eine Person im Bikini gewählt werden. Beabsichtigt sei eine „hochanständige Sache“, die deutschlandweit durchgeführt werde. Jahrmarktsbürgermeister Mirko Helmut Kohl bezeichnete die Integration eines solchen Punktes in die Jahrmarktseröffnung „als Geschmackssache“. Und lobte rückblickend den vor Jahren vom Förderverein Kreiznacher Johrmarkt organisierten Auftritt der MTV-Trampoliner.

Heiko Kraft (SPD) vermisste beim FWG-Antrag „Einzelheiten“. Jan Schloer (Grüne) sieht den Vorschlag „inhaltlich absolut daneben“, „nicht zeitgemäß“ und (als eingefleischter Lautern-Fan) „auf dem Niveau der Schalker Nordkurve“. Nach Einschätzung von Helmut Kreis (CDU) ist für die Prüfung des Delaveaux-Vorschlages die Verwaltung zuständig. Dem Schloss sich Heiko Kraft in einer zweiten Wortmeldung an. Vor der Abstimmung über seinen Antrag brachte Karl-Heinz Delaveaux seine Enttäuschung über die kritische und seines Erachtens unfaire Stellungnahme des Jahrmarkt-Fördervereins (untenstehend im Wortlaut abgedruckt).

Der FWG-Fraktionsvorsitzende wies daraufhin, dass vor Antragstellung „mit vielen Leuten“ geredet und weit überwiegend Unterstützung erfahren habe. Auch vom Schaustellerverband. Delaveaux betonte, dass sein Vorschlag mit keinerlei Kosten für die Verwaltung verbunden sei. Und formulierte den Antragstenor dann zu einem Grundsatzbeschluss um, der es ihm ermöglicht, der Stadtverwaltung ein Konzept zur Wahl einer Jahrmarktsmajestät vorzulegen. Dieser Antrag wurde vom Jahrmarktsausschuss, wie von tourismsubeitrag-so-nicht.de bereits am Tag nach der Sitzung berichtet, mit knapper Mehrheit angenommen.

Die Stellungnahme des Fördervereins Kreiznacher Johrmarkt e.V. im Wortlaut:

„An den Beigeordneten der Stadt Bad Kreuznach, Herrn Mirko Helmut Kohl und die Mitglieder des Ausschisses für Messen und Märkte der Stadt Bad Kreuznach

Stellungnahme zum Vorschlag: Miss Jahrmarkt zu wählen! Sehr geehrter Herr Beigeordneter, lieber Mirko, werter Ausschuss für Messen und Märkte, gestern haben wir im Öffentlichen Anzeiger lesen können, dass die FWG in der morgigen Sitzung des Ausschusses einen Antrag stellt, anlässlich der Jahrmarktseröffnung eine Miss-Wahl durchzuführen. Wie wir dem Artikel entnehmen können, beabsichtigen die Antragsteller dadurch die Jahrmarktseröffnung attraktiver zu machen und die Jugend für den Jahrmarkt zu begeistern.

Eine schnelle Umfrage im Vorstand des Freundeskreises des Kreuznacher Jahrmarktes zeigt große Skepsis gegenüber einer Miss-Wahl. Wir zweifeln, ob eine solche Aktion den Jahrmarkt wirklich mehr Sympathien und jüngeres Publikum einbringt. Dem Ziel, die Jahrmarktseröffnung attraktiver zu machen und gezielt junge Leute in die Programmgestaltung mit einzubinden, stimmen wir hingegen uneingeschränkt zu. Der Antrag hat eine gute Absicht, der eindimensional von einer Miss-Wahl spricht, hinterlässt bei den Betrachtern den Eindruck, dass es sich um einen überkommenen und nicht mehr zeitgemäßen Wettbewerb handelt, von dem wir nur abraten können.

In den Niederlanden wurden solche Wettbewerbe gänzlich abgeschafft, in Deutschland gibt es noch einen, aber mit veränderten Regeln. Bedenken Sie, auch Weinland Nahe reformiert gerade seine Regeln, wie die Weinmajestäten gewählt werden. Aus unserer Sicht besteht die Gefahr, dass eine „Miss-Wahl“ eher spaltet als neue Akzente setzt. Unser Jahrmarkt als größtes Volksfest zwischen Rhein, Nahe, Mosel und Saar hat es nicht notwendig mit Kurven und Sexappeal zu werben. Wir schlagen vor, die Anregungen in Stufen abzuarbeiten.

Die erste Frage, die geklärt werden sollte, ist die Notwendigkeit einer weiteren Persönlichkeit als Repräsentant/in. Die Weinmajestäten wurden immer eingeladen, schenkten dem Jahrmarkt royalen Glanz. Reicht diese Tradition nicht aus? Sie könnten durchaus aktiver eingebunden werden. Sie haben nicht nur im Weinzelt einen guten Job gemacht. Ihr Potential wird nicht wirklich für den Jahrmarkt genutzt. Eine zusätzliche Installation würde die Rolle der Weinmajestäten auf dem Jahrmarkt reduzieren, wenn nicht sogar überflüssig machen.

Hält man nach der Abstimmung mit Weinland Nahe, die Einladung der Weinmajestäten für nicht ausreichend, dann sollte in der zweiten Fragestellung genau abgegrenzt werden, wie sie ergänzt werden. Wäre vielleicht ein „Kreiznacher Gässje“ oder ein „Brülljesmacher“, der die Weinmajestäten ergänzt, eine geeignete Form für die Repräsentation des Jahrmarktes? Das Profil, das er/sie vertritt sollte eng mit der Geschichte von Jahrmarkt und Stadt verbunden sein. Alter und Geschlecht dürfen nicht entscheidend sein, sondern die Originalität.

Die dritte Frage, die behandelt werden muss, bezieht sich auf die Einbindung der Jugend. Es gab vor einiger Zeit schon Gespräche mit den Schulleitern. Wie sind die Ergebnisse? Gab es auch Gespräche mit den Schüler- bzw. Jugendvertretungen? Hat dabei irgendjemand schon einmal eine Miss-Wahl vorgeschlagen? Wir glauben nicht! Gehen wir die Neustrukturierung offen mit möglichst großer Beteiligung an, wenn wir gute Antworten wollen.

Ein rascher Beschluss einer Miss-Wahl könnte leicht ein Schritt in die falsche Richtung sein. Wir sehen die Gefahr, dass damit auf ein Pferd gesetzt wird, das in die falsche Richtung davongaloppiert. Wenn gewünscht bietet sich der Freundeskreis des Jahrmarktes gerne an, die berechtigt aufgeworfenen Fragen konstruktiv zu begleiten. Mit freundlichen Grüßen, in Vorfreude auf den Jahrmarkt 2026 verbleibt im Namen des Vorstandes des Freundeskreises Kreiznacher Johrmarkt. Andreas Ludwig“