Andreas Ludwig führt den Freundeskreis Kreiznacher Johrmarkt

Für die Entwicklung der Stadt Bad Kreuznach war der Jahrmarkt ein wichtiger Motor. Zwar war Kreuznach auch schon vor 1810, als er von damaligen Besatzungs-Bürgermeister Carl Joseph Burret ins Leben gerufen wurde, das Handelszentrum im Naheland. Aber die Veranstaltung auf der Pfingstwiese machte die Nahe-Metropole auch für überregionale Händler und Geschäftsleute interessant. Und schuf einen wichtigen alljährlichen Kommunikationspunkt für die Menschen, die damals ohne Handy und Internet auf rein analoge Kontakte angewiesen waren.

Bereits vor einigen Wochen übernahm Altoberbürgermeister Andreas Ludwig (rechts) den Vorsitz des Freundeskreises von Dieter Gronbach (zweiter von rechts) , der sich aus persönlichen Gründen in die zweite Reihe zurückziehen musste. Der alte Jahrmarktsbürgermeister Markus Schlosser und der neue, Mirko Helmut Kohl (von links) dankten Gronbach für dessen aufopferungsvolles Engagement und wünschten Ludwig alles Gute. Bild: Heidi Sturm

Anders als in anderen Mittel-Städten, in denen das jeweilige Volksfest zu einer reinen Verwaltungsangelegenheit degeneriert ist, fühlen sich für den Bad Kreuznacher Jahrmarkt noch einige Bürger*Innen mitverantwortlich. Und beschränken ihr Engagement nicht nur auf Festplatzbesuche. Was schon daran deutlich wird, dass der Stadtrat schon vor langer Zeit einen eigenen Ausschuss eingesetzt hat, der sich um die Veranstaltung kümmert: den Jahrmarktsausschuss, der erst in der Neuzeit in Ausschuss für Messen und Märkte umbenannt wurde, sich aber nach wie vor wesentlich um das Volksfest am dritten Augustwochenende kümmert.

Während anderenorts schon lange allein die jeweiligen Verwaltung bestimmen, wer einen Platz auf der Veranstaltung erhält, wird das in Bad Kreuznach traditionell von den ehrenamtlichen Kommunalpolitiker*Innen bestimmt. Ein vor Jahren unternommener Versuch der SPD-Stadtratsfraktion das zu ändern, scheiterte krachend am Widerstand aller anderen politischen Kräfte. Das gesellschaftliche Interesse am Jahrmarkt bündelte der frühere Jahrmarktsbürgermeister Dieter Gronbach (Winzenheim) vor rund zwei Jahrzehnten im Förderverein Kreiznacher Johrmarkt e.V. Das Anliegen: die Erhaltung und Förderung des Volksfestbrauchtums des Kreuznacher und der Erhalt und die Steigerung des Bekanntheitsgrades und der Akzeptanz des Volksfestes.

Praktisch setzte der Verein das durch eine Vielzahl von Projekten durch. Etwa mit der Herausgabe des Jahrmarktskalenders, der als wohl einziges Exemplar weltweit nicht vom 1.1. bis zum 31.12. eines Jahres, sondern von August bis zum folgenden Juli reicht. Auch mit der Wiederbelebung der „Entwanzungs“-Feierlichkeit und des Spansau-Abends wird an alte Traditionen erinnert. Und so den jungen Generationen ein Einblick in die Geschichte ihrer Heimatstadt gegeben, wie er in Schulen schon lange nicht mehr gewährt wird. Ein Beitrag auch gegen das große Vergessen, das still und heimlich regionale Identität auslöscht.

Für die Zukunft hat sich der Freundeskreis nicht nur eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem neuen Jahrmarktsdezernenten Mirko Helmut Kohl vorgenommen. Die schon deshalb gut gelingen wird, weil Kohl viele Jahre im Verein aktiv mitarbeitete. Sondern auch eine stärkere Präsenz in den Sozialen Medien. Zu diesem Zweck wird eine eigene Homepage aufgebaut. Ein bedeutendes mittelfristiges Ziel ist die Mitarbeit am 200jährigen Jubiläum des Jahrmarkt im Jahr 2030. Die Veranstaltung selbst ist zwar 20 Jahre älter. Aber wegen Kriegen und aus anderen Grünen fand nicht in jedem Jahr ein Jahrmarkt statt, der diese Bezeichnung verdient hat.