Schon seit Jahren prägen unterschiedliche Betrachtungsperspektiven und Bewertungen die Lage im Ausschuss für Messen und Märkte („Jahrmarktsausschuss“). Häufig verläuft die Konfliktlinie zwischen Marktmeister Mathias Weyand samt Verwaltungsmitarbeitenden und Beigeordnetem und der – teils großen und parteiübergreifenden – Ausschussmehrheit. Besonders deutlich wird das alljährlich bei den Vergabesitzungen für den Jahrmarkt des Folgejahres. Und auch dann, wenn beide Seiten im Ausschuss ihre Darstellungen von Gesprächen mit Schaustellern geben.

Die haben längst verstanden, dass Ausschuss und Verwaltung zwar an einem Strick, aber im Einzelfall in unterschiedliche Richtungen ziehen. Und wenden sich daher immer zahlreicher direkt an die Ausschussmitglieder. Von denen bemüht sich eine Mehrzahl um persönliche Kontakte in die Schaustellerszene. War es vor 30 Jahren noch so, dass Verwaltung und Ausschussmitglieder ausschließlich gemeinsam Volksfeste und Jahrmärkte in anderen Bundesländern besuchten, um Fahrgeschäfte und Attraktionen im Einsatz zu sehen, die Publikumsreaktionen zu erleben und Kontakte zu Schaustellern zu knüpfen, machen sich in den letzten Jahren Ausschussmitglieder eigenständig auf den Weg.
Damit hat die Bad Kreuznacher Jahrmarktsverwaltung, anders als die für andere Themen zuständigen Fachabteilungen der Stadt, kein Informationsmonopol mehr. Im Gegenteil. Die subjektiven Eindrücke der Verwaltungsmitarbeitenden werden seit Jahren immer wieder von denen der Ausschussmitglieder mit den ihren konfrontiert. Was in den Vergabesitzungen schon häufig zu teils emotionalen Streitgesprächen führte (tourismusbeitrag-so-nicht.de berichtete mehrfach). Die alljährlich nach dem selben Gesprächsmuster ablaufen: Marktmeister Mathias Weyand sagt, unterstützt von Kolleginnen und dem Beigeordneten, seine Meinung.
Die Ausschussmitglieder sagen ihre Meinung. Und setzen diese anschließend in Kampfabstimmungen durch. Das war am vergangenen Donnerstag (7.5.2026) nicht anders. Allerdings ging es da um Grundsätzliches. Bereits im vergangenen Jahr war im Ausschuss für Messen und Märkte der Zeitpunkt der Vergabesitzung für die Plätze auf der Pfingstwiese ein Thema. Denn mehrere Ausschussmitglieder waren von Schaustellern angesprochen und um eine frühzeitigere Entscheidung gebeten worden. Statt erst im Dezember sollte die Vergabe einen Monat früher, bereits im November des Vorjahres, erfolgen.
Marktmeister Weyand hatte das mit dem Hinweis auf seine Arbeitsbelastung schon Ende 2025 abgelehnt. Und wiederholte seine unmissverständlich negative Bewertung eines entsprechenden Antrages der SPD-Stadtratsfraktion mit deutlichen Worten: „das ist personell auf keinen Fall leistbar“. Er habe bereits 110 Mehrarbeitsstunden und noch 36 Urlaubstage zu nehmen in 2026, teilte Weyand mit. Der Marktmeister kündigte für den Fall einer Vorziehung des Vergabe- und in der Folge auch des Bewerbungstermines an, dass die Hälfte der Bewerbungen verfristet eingehen würden.
Björn Wilde (SPD) führte die Argumente aus dem Antrag der Sozialdemokraten (nachstehend im Wortlaut wiedergegeben) an. Er wurde von Karl-Heiz Delaveaux (FWG-Fraktion) unterstützt. Die Abstimmung fiel dann deutlich für den SPD-Antrag, also ein Vorziehen der Vergabesitzung, aus. Nur Beigeordneter Mirko Helmut Kohl und Jan Schloer (Grüne) stimmten dagegen. Nelson Prieß (AfD) enthielt sich. Neun Ausschussmitglieder (Björn Wilde, Heike Kraft – beide SPD, Karl-Heinz Delaveaux, Alfons Sassenroth, Helmut Kreis, Falk von Plettenberg – alle drei CDU, Tobias Schulz – AfD, Dirk Nessel – FDP und Karin Eitel-Hertmanni – Freie Wähler) votierten dafür.
Der Antrag der SPD-Stadtratsfraktion zur Vorverlegung der Zulassungssitzung des Jahrmarktsausschuss im Wortlaut:
Die SPD-Stadtratsfraktion beantragt, den folgenden Antrag auf die Tagesordnung der kommenden Sitzung des Ausschusses für Messen und Märkte am 07.05.2026 aufzunehmen:
1.) Der Ausschuss für Messen und Märkte erteilt dem Marktmeister die Ermächtigung
einer frühzeitigen Standplatzzusage für den Bad Kreuznacher Jahrmarkt für bis zu zwei XXL-Fahrgeschäfte, ohne vorherigen Beschluss des Ausschusses für Messen und
Märkte.
2.) Die Zulassungssitzung für den Bad Kreuznacher Jahrmarkt sollte spätestens bis zum 15. November des jeweiligen Kalenderjahres erfolgen, da viele Beschickerinnen und Beschicker eine frühzeitige Planungssicherheit benötigen, um ihre Teilnahme
organisatorisch und wirtschaftlich vorbereiten zu können.
Begründung:
1.) Bereits in der Sitzung des Ausschusses für Messen und Märkte im Dezember 2025 wurde von Seiten der SPD ein entsprechender Antrag zur Ermächtigung des Marktmeisters mündlich formuliert. Dieser wurde jedoch auf die nächstfolgende Sitzung des Ausschusses, hier nun auf den 7.5.2026, verschoben, um den Fraktionen ausreichend Zeit zur Beratung zu geben. Für spektakuläre Attraktionen und moderne Fahrgeschäfte ist, nach Rückmeldung entsprechende Fahrzeuginhaber, der Dezember-Termin oft zu spät, da diese Ihre Routen für das Folgejahr entsprechend frühzeitig festlegen müssen.
Eine frühzeitige Zusage von entsprechenden Standplätzen erhöht die Chance zur Gewinnung moderner, attraktiver XXL-Geschäfte und spektakulärer Top-Attraktionen für den Bad Kreuznacher Jahrmarkt. Zudem bietet eine solche frühzeitige Zusage den Beschickerinnen und Beschickern eine verlässliche Planung und Organisation der Veranstaltung und ihres Jahreskalenders. Die vorgesehene Ermächtigung ist dabei ausdrücklich auf bis zu zwei XXL-Fahrgeschäfte für den Bad Kreuznacher Jahrmarkt beschränkt.
2.) Das Vorziehen der Zulassungssitzung für den Bad Kreuznacher Jahrmarkt auf den November ist ein strategischer Schritt, um die Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität des Bad Kreuznacher Jahrmarkts langfristig zu sichern. Einige Beschickerinnen und Beschicker benötigen eine frühzeitige Planungssicherheit, um ihre Teilnahme organisatorisch und wirtschaftlich vorzubereiten. Da auch andere große Volksfeste um dieselben zugkräftigen Schausteller werben, sichert ein früherer Vergabetermin der Stadt Bad Kreuznach einen Vorteil bei der Vertragsgestaltung.
Deshalb ist es ein wichtiger Vorteil die Zulassungssitzung in den November vorzuziehen, damit der Bad Kreuznacher Jahrmarkt auch in Zukunft einen ausgewogenen und attraktiven Jahrmarkt sicherzustellen und bieten kann, denn ein attraktiver Jahrmarkt benötigt eine feingesteuerte Mischung aus bewährten Klassikern und neuen Highlights. Die Zielsetzung des Ausschusses für Messen und Märkte und der Stadtverwaltung sollte darin liegen, den Jahrmarkt als größten Publikumsmagneten der Region stabil zu halten. Für die SPD-Fraktion im Stadtrat Dr. Claudia Eider (Fraktionsvorsitzende) Björn Wilde (Stadtrat).“
