Vor dem Spiel war es schon fast sicher. Nachdem Abpfiff am Millerntor steht fest: der 1. FSV Mainz 05 wird auch in der kommenden Saison in der ersten Fußballbundesliga spielen. Danach sah es gegen Ende der Hinrunde, als Bo Henriksen als Trainer gehen musste und Urs Fischer kam, nun gar nicht aus. Trotz der für die Mainzer ja ungewohnten Doppelbelastung mit Spielen in der UEFA Conference League gelang mit Fischer die Wende.

Unnötig spannend haben die 05ER es am gestrigen Sonntagnachmittag (3.5.2026) noch einmal gemacht. Und mussten nach einem über weite Strecke überzeugenden Auftritt auf St. Pauli in den Schlussminuten noch einmal um drei hochverdiente Zähler zittern. Für die Mainzer 2:0-Pausenführung hatten Philipp Tietz (6.) und Phillipp Mwene (40.) gesorgt, die nach dem Seitenwechsel beide gleich mehrfach Chancen auf weitere Treffer gehabt hatten.

Weil dem FSV aber kein weiterer Treffer gelingen wollte, konnte Pauli-Joker Abdoulie Ceesay kurz vor Ultimo (87.) verkürzen und in den letzten Minuten für Hochspannung sorgen. Die Mainzer aber leisteten bis zum Schluss Gegenwehr und krönen eine überragende Rückrunde mit dem vorzeitigen Klassenerhalt. Für lediglich eine Veränderung hatte sich das 05-Trainerteam gegenüber dem Spektakel gegen Bayern München entschieden und in Hamburg Kacper Potulski den Vorzug vor Dominik Kohr geschenkt.

Die Atmosphäre am ausverkauften Millerntor versprach hitzige 90 Minuten. Und es ging danach auch gleich zur Sache, denn die Gastgeber waren sich darüber im Klaren, was ein früher eigener Treffer bewirken könnte. Zwar wurden die Hamburger in den ersten Minuten auch zweimal nach Standards halbwegs gefährlich, mussten dann aber statt eines eigenen Tores das frühe 0:1 einstecken. Aus Mainzer Sicht war der zum Erfolg führende Spielzug einer aus dem 05-Fußball-Bilderbuch.

Kaishu Sano eroberte das Leder tief in der gegnerischen Hälfte, über den gedankenschnellen Sheraldo Becker landete der Ball bei Tietz, der aus 16 Metern sofort abzog und Nikola Vasilj nicht den Hauch einer Chance ließ (6. Spielminute). Der anfängliche Druck der Norddeutschen ebbte ab, der Schock war den abstiegsgefährdeten Gastgeber deutlich anzusehen. Der FSV agierte hingegen routiniert und geduldig, ging nicht allzu viel Risiko, wusste aber gleichzeitig stets, offensive Nadelstiche zu setzen.

So auch nach einer guten Viertelstunde, als Nadiem Amiri, von Paul Nebel in Szene gesetzt, mit einem abgefälschten Schuss aus zwölf Metern scheiterte (16.). Was folgte, war zunächst reichlich Leerlauf, was für die Gastgeber katastrophal war, während der Verlauf der ersten 45 Minuten dem FSV voll in die Karten spielte. Die 05ER lauerten und meldeten sich nach einer halben Stunde wieder vor dem Hamburger Tor zurück:

In dieser Szene tauchte wieder Amiri im Strafraum auf, wurde zweimal geblockt, bevor auch der zweite Rebound von Tietz von einem Abwehrbein zur Ecke geklärt werden konnte (30.). Nachdem Stefan Posch sieben Minuten später im Anschluss an eine Amiri-Ecke per Kopf an Vasilj scheiterte, war es fünf Minuten vor der Pause Mwene, der sich über sein erstes Saisontor freuen konnte – und wieder war es ein Spielzug, der sich sehen und feiern lassen durfte.
Ein weiter Ball von Daniel Batz landete bei Tietz, der Silvan Widmer über rechts schickte, der fast bis zur Grundlinie durchbrach, im Zentrum den Österreicher mitnahm, der aus vollem Lauf nur noch einschießen musste – Becker hatte in dieser Szene wichtige Meter gemacht und gleich mehrere Abwehrspieler am ersten Pfosten gebunden, was den Raum im Zentrum erst öffnete. Dass die Mainzer Führung zur Pause völlig verdient war, bewies nach 45 Minuten der Blick auf nahezu jede Statistik.
Der FSV war zu mehr Abschlüssen (drei zu null aufs Tor) gekommen, hatte mehr Ballbesitz gehabt, eine bessere Passquote zu verzeichnen und war darüber hinaus noch mehr gelaufen als St. Pauli. Dass die Gastgeber nach Wiederbeginn eine Reaktion zeigen müssten, um zurück ins Spiel zu finden, war offensichtlich. Zwei Wechsel sollten dabei behilflich sein. Während Connor Metcalfe Danel Sinani ersetzte, kam Adam Dzwigala für Lars Ritzka.
Die Mainzer hingegen kehrten unverändert zurück und waren der Entscheidung in der Anfangsphase deutlich näher als der Gegner seinem ersten Treffer. Zunächst versuchte es Amiri aus spitzem Winkel, scheiterte aber an Vasilj, nachdem wieder Tietz an der Entstehung beteiligt gewesen war. Vier Minuten später trat Amiri dann wieder mal als Vorlagengeber in Erscheinung: Die Flanke des Nationalspielers landete bei Becker am zweiten Pfosten, den Kopbfall konnte Vasilj aber entschärfen.
Mwenes Nachschuss wurde von Dzwigala geblockt (52.). Die Angriffsbemühungen der Paulianer führten weiter nur zu Halbchancen – so landete ein Schuss von Metcalfe nach 63 Minuten deutlich über dem 05-Gehäuse. Ganz anders sah das beim FSV aus, der viel zielstrebiger agierte und längst höher hätte führen müssen. Erst recht nachdem ein Tietz-Kopfball vom Querbalken vor die Füße Mwenes landete, dessen Gewaltschuss aus acht Metern an Dzwigalas Bauchmuskeln abprallte.
Der eingewechselte Abwehrspieler hatte sein Team in dieser Phase ganz allein im Spiel gehalten. In der 72. Minute zogen auch die Mainzer ihren ersten Joker, als Armindo Sieb für Becker in die Partie kam. Zwei Minuten später hieß es für den FSV dann aber erst einmal: Durchatmen. Posch kam im Laufduell mit dem eingewechselten Ceesay zu Fall, der sich danach gegen Potulski durchsetzte und allein auf Batz zustürmte. Statt eines Abschlusses entschied der Angreifer sich im Strafraum aber für einen Querpass auf Martijn Kaars.
Der zwar aufs Tor schoss, aber von Mwene geblockt wurde (74.). Damit war auch die bis dato einzige Großchance der Partie für die Gastgeber verpufft. Auf Mainzer Seiten folgte im unmittelbaren Anschluss ein Doppelwechsel, als Anthony Caci und Dominik Kohr Widmer und den krampfgeplagten Potulski ersetzten. Da nicht mehr allzu viel passierte, war Doppelwechsel Nummer zwei sechs Minuten vor dem Ende die nächste nennenswerte Aktion des Spiels.
Während die beiden überragenden Amiri und Tietz durchschnaufen durften, sollten Nelson Weiper und Lennard Maloney den Sieg mit über die Zeit bringen. Aus dem Nichts wurde es aber drei Minuten vor dem Ablauf der regulären Spielzeit doch noch einmal spannend, worauf wenig hingedeutet hatte: Kaars spielte einen Pass in die Gasse auf Ceesay, der aus der Drehung direkt abzog und Batz mit viel Glück zum 1:2 überwand (87.). Die passende Antwort hatte Mwene beinahe parat.
Doch der Schuss des Außenverteidigers aus 18 Metern rauschte in der 90. Minute am rechten Pfosten vorbei. Auch Batz war in der fünfminütigen Nachspielzeit dann noch einmal gefordert, als er in der 93. ein Geschoss von Joel Chima Fujita entschärfen musste. Wenig später war Schluss. Der FSV darf sich nach 32 Spieltagen über 37 Zähler und einen am Ende souveränen Klassenerhalt freuen. Am kommenden Wochenende gastiert Union Berlin am Rhein in der MEWA ARENA. Die Saison beschließt der FSV am 16. Mai auswärts beim aktuellen Tabellenletzten 1. FC Heidenheim.
Quelle und Bilder: FSV Mainz 05
