Krankentage der Stadtverwaltung 38% bzw 46% über dem Vergleichswert

Bereits in der Oberbürgermeister-Amtszeit der Ärztin Dr. Heike Kaster-Meurer fiel auf, dass die Krankentage bei der Stadtverwaltung überdurchschnittlich hoch sind. Damals wurde die Öffentlichkeit u.a. damit beruhigt, dass der Durchschnitt durch Langzeitkranke in die Höhe getrieben wird. Dieser Umstand wurde mit dem Hinweis verharmlost, dass Langzeitkranke nach der sechsten Krankschreibungswoche die Stadtkasse nichts mehr kosten.

Zahlen, die Außenstehende schockieren.

So gesehen wird die aktuelle Diskussion über die hohen Fehlzeiten in den städtischen Verwaltungsgebäuden auf einem höheren Argumentationsniveau geführt. Denn heute wird immerhin darauf hingewiesen, dass der Ausfall einer Mitarbeiterin von anderen, zumindest teilweise, aufgefangen werden muss. Eine Mehrbelastung, die nicht an jedem Verwaltungsmenschen spurlos vorübergeht. Was zu Überlastungsanzeigen und weiteren Fehlzeiten führt.

Seit mehr als zwei Jahren bezahlen die Steuerzahler*Innen im Stadtgebiet eine neu geschaffene Verwaltungseinheit, die den hohen Krankenstand senken soll. Es handelt sich um die Stabsstelle Gesundheitsmanagement. Geleitet wird diese von Rebecca Schamari. In der Stadtratssitzung am vergangenen Donnerstag (30.4.2026) gab diese ihren Bericht für das vergangene Jahr. Bis ins Detail stellte sie ihre Aktivitäten für die Mitarbeitenden vor.

Um in der Fülle von Informationen den entscheidenden Punkt zu relativieren: die nach wie vor deutlich überdurchschnittliche Zahl der Fehltage. Über die hat Rebecca Schamari von ihrer insgesamt 18minütigen Redezeit (ohne Fragenbeantwortung versteht sich) nur 40 Sekunden gesprochen. Und dabei vorgetragen, dass der bundesweite Durchschnittswert für die Verwaltungsmitarbeitenden am Schreibtisch, ermittelt von dem Fachverband KGSt (Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement) für 2025 bei 18,26 Fehltagen liegt.

Bei der Stadtverwaltung sind es 25,3 Tage. Also über 38 % mehr. Rebecca Schamari versuchte diese Abweichung wörtlich mit der Formulierung „da liegen wir ein Ticken drüber“ zu verharmlosen. Bei den operativ tätigen Mitarbeitenden (Bauhof, Kitas, Stadtentwässerung) liegt der Bundeswert bei 24,42 Fehltagen. In Bad Kreuznach sind es 35,6. Also rund 46 % mehr. Rebecca Schamari wörtlich: „auch da liegen wir drüber. Aber alles in allem haben wir keine extreme Steigerung der Krankenzahlen zum letzten Jahr zu verzeichnen“.

Mit diesen Angaben war das Stadtratsmitglied Dr. Herbert Drumm (BüFEP plus) gar nicht einverstanden. Er wies darauf hin: „trotz des Gesundheitsmanagements ist der Krankenstand, Sie sagen einen Tick höher als der Durchschnitt, ich sage: er ist extrem hoch und deutlich höher als im Durchschnitt. Worauf führen Sie das zurück?“ Rebecca Schamari antwortete, dass eine Begründung im über Jahre verteilten Umzug in das Rathaus gesehen werden könne. Und stellte fest:

„Das geht nicht nur uns so, sondern das geht ganz vielen Unternehmen und Behörden in Deutschland so“. Dr. Drumm konterte diese Antwort mit dem Hinweis, dass der KGSt-Durchschnittswert ja abbilde, was sich andernorts tut und daher die Schamari-Erkärung nicht schlüssig sei. Daraufhin versuchte Oberbürgermeister Emanuel Letz die Drumm-Frage zu beantworten mit der Aussage, dass keine andere Behörde so transparent sei, wie die Bad Kreuznacher Stadtverwaltung. Woher unter diesen Umständen die KGSt ihre Daten hat, erklärte Letz nicht.

Ob, wie von Rebecca Schamari angegeben, der Umzug ins Rathaus eine Erklärung für den hohen Krankenstand liefern kann, ist schon deshalb sehr zweifelhaft, weil ja rund die Hälfte der städtischen Mitarbeitenden davon gar nicht betroffen ist. Aus dem Stadtrat hinterfragt wurde dieser Widerspruch nicht. Auch die Tatsache, dass Rebecca Schamari als Erfolg ihrer und der jahrelangen Arbeit ihres Teams betont, dass es keine „keine extreme Steigerung der Krankenzahlen“ gab, wurde im Stadtrat nicht diskutiert.

Dabei wurde das Gesundheitsmanagement mit jährlich sechsstelligen zusätzlichen Kosten für die Einwohner*Innen doch eingeführt, um den Krankenstand auf „normale“ Durchschnittswerte zu senken. „Wenn das Gesundheitsmanagement tatsächlich eine Wirkung entfaltet – wo wären dann die Fehltage bei der Stadtverwaltung, ohne das Gesundheitsmanagement?“ – diese Frage wurde im Stadtrat nicht gestellt. Und auch die Frage nach den tatsächlichen Rathaus-Umzugskosten war nicht zu hören.

Dabei drängt die Schamari-Erklärung diese Frage geradezu auf. Was eine leichte Durchschnittsrechnung schnell belegt. Teilt man die im Stadthaushalt eingestellten Personalkosten durch die Kopfzahl der Mitarbeiter*Innen und verteilt diese auf 220 Arbeitstage, kommt einer die Steuerzahler*Innen rund 230 Euro teuer (ohne Sachkosten ). Die durchschnittlich 9,5 Mehrkrankheitstage kosten im Schnitt je Mitarbeiter 2.185 Euro. Bei 1.200 Mitarbeitenden sind das 2.622.000 Euro jährlich.

In den vier Jahren, in denen der Rathauskauf vorbereitet wurde, war nie, nicht mit einem einzigen Wort, davon die Rede, dass die „Verwaltung unter einem Dach“ Millionen Euro jährlich mehr kostet. Ausdrücklich wurde immer damit argumentiert, ein Rathaus werde die Wege in der Verwaltung verkürzen und durch andere Synenergieeffekte entweder Kostensteigerungen abfangen oder sogar zu Wenigerausgaben führen.

Und wie lange soll der von Rebecca Schamari angeführte „Gewöhnungsprozess“ der Mitarbeitenden ans Rathaus dauern? Diskutiert wird der öffentlich seit 2018. Da konnte sich auch jede Mitarbeiterin damit beschäftigen. Gekauft wurde schließlich im Dezember 2022. Das ist dreieinhalb Jahre her. Eine ganze Generation von Auszubildenden hat in dieser Zeitspanne ihre Ausbildung bei der Stadt begonnen und abgeschlossen.

In den vergangenen Jahren haben mehrere Bad Kreuznacher Unternehmen ihre Verwaltungen neu bezogen oder in neue Verwaltungszentralen verlagert. In keinem dieser Fälle hat das auch nur zu ähnlichen hohen Krankenständen geführt. Wieso soll das also bei der Stadtverwaltung der Grund sein? Alles Fragen, die im Stadtrat nicht beantwortet wurden, weil sie niemand gestellt hat (weitere Texte zu diesem Thema folgen).