Würfelnattern sind weltweit seltene Tiere und besonders geschützt. Einer der wenigen Standorte, an denen Würfelnattern in Deutschland leben, befindet sich auf Bad Kreuznacher Gemarkung. Am westlichen Ende des Salinentales. Unterhalb vom Felseneck. Seit gut zwei Wochen wandern die Tiere von ihren Winterquartieren in den Felsen zum Naheufer. Dabei überqueren die Tiere den stark frequentierten Rad- und Fußweg am Felseneck.

Dabei ist die Gefahr groß, dass die winzigen, kleiner als Kindergartenbuntstifte großen Jungtiere überfahren oder zertreten werden. Um die streng geschützten Tiere besser zu schützen, hat die Stadtverwaltung die seit Jahren bekannten Schikanen für den Radverkehr aufgebaut. Radfahrerinnen und Radfahrer werden dringend gebeten auf dem rund 100 Meter langen Abschnitt abzusteigen und ihr Fahrrad zu schieben.
„Das kurze Schieben des Fahrrads ist ein kleiner Beitrag zum Schutz einer europaweit seltenen Tierart – und sollte für alle Nutzerinnen und Nutzer des Weges zumutbar und selbstverständlich sein“, so die Abteilung Stadtplanung und Umwelt des Stadtbauamts. Leider eine weitgehend unzutreffende Einschätzung. Das zeigt die Praxis der letzten Jahre: die Mehrzahl der Radfahrer*Innen steigt nicht ab. Wieso das so ist wurde ausgerechnet in der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr (PLUV) am 23.9.2025 deutlich.
Susanne Grünewald, die dort als stellvertretendes Mitglied für die Grünen saß, sprach es unverhohlen aus: „ich will nicht schieben, ich möchte fahren“. Angesichts dieser Rücksichtslosigkeit wirkt der Appell der Stadt geradezu naiv, obwohl er natürlich genau richtig ist: „Mit etwas Rücksicht und Verständnis können alle dazu beitragen, das besondere Naturerbe direkt vor unserer Haustür zu bewahren“.
