Gastbeitrag von
Dr. Michael Vesper
Mit strengem Blick, Backenbart und Hirschgeweih begegnet der Gott Oceanus den Besuchern des Museums Römerhalle seit dem Jahr 1983. Er ist Namensgeber eines annähernd quadratischen Mosaiks mit einer Grundfläche von etwa 56 Quadratmetern. Dieses wurde 1966 bei Bauarbeiten in der Hüffelsheimer Straße entdeckt, geborgen und anschließend restauriert. Die große Bedeutung des Mosaiks würdigt der Verein für Heimatkunde für Stadt Bad Kreuznach mit mehreren Veranstaltungen am 9. und 10. Mai 2026.

Die maritime Bildwelt des Mosaiks verdeutlicht, was das Römische Reich im positiven Sinne war: ein großer Wirtschaftsraum mit Gebieten rund um das Mittelmeer. Handel und Wandel auf dem Wasser und entlang der Küsten werden in vielen Details dargestellt – und alles steht, so die Vorstellung der Römer, unter der Obhut des Gottes Oceanus, des Herrschers über alle Gewässer. Mit seiner friedlichen Vision der römischen Welt unterscheidet sich das Werk deutlich vom anderen berühmten Mosaik der Römerhalle.
Dem Gladiatorenmosaik, das die grausame Unterhaltungskultur der Zirkusspiele zeigt. Das Oceanus-Mosaik schmückte den wohl wichtigsten Raum der Villa. Es entstand im Jahr 234 n.Chr., und auch der Künstler sowie die Werkstatt sind bekannt. All dies macht das Oceanus-Mosaik zu einem außergewöhnlichen Kunstwerk der römischen Provinzen. Auch für die Entwicklung der städtischen Museen war der Fund von entscheidender Bedeutung. Erst die Entdeckung des Oceanus-Mosaiks gab Anlass zu einer Grabungskampagne durch das Landesamt für Denkmalpflege.
Viele der Funde sind bis heute noch nicht vollständig ausgewertet und veröffentlicht. Nach Abschluss der Grabungen entschied sich die Stadt, dem römischen Erbe ein eigenes Museum zu widmen – die Römerhalle, unweit der Ummauerungen, die die Grundrisse der mehr als 100 Räume umfassenden Villa erkennen lassen. Die etwas andere Festrede Das Mosaik als Kunstwerk und Geschichtsquelle steht im Mittelpunkt der traditionellen Frühjahrstagung des Vereins für Heimatkunde am Samstag, 9. Mai 2026, um 14:30 Uhr. Gäste sind herzlich willkommen.
Bei freiem Eintritt hält Claudia Ulpia Pulchra – alias Dr. Gabriele Ziethen – eine „theatralische Festrede“ und eröffnet dem Publikum den Zugang zur Welt des Oceanus-Mosaiks. Passend zum Thema Handel tritt auch der keltische Händler Marcus Gallinus auf, dargestellt von Roland Wichmann. Ergänzend wird ein Film gezeigt, der Fund und Restaurierung des Mosaiks dokumentiert. Für Getränke und kleine Speisen ist gesorgt. Die römische Zivilisation verbreitete sich durch Handel und Militär.
Legionäre und Hilfstruppen aus allen Teilen des Reiches – von England bis Syrien – prägten das Bild. Ihr Alltag, ihre Ausrüstung, ihre vielfältigen Aufgaben und ihre Kampftechniken sind Thema eines Workshops am Sonntag um 11:30 Uhr für alle Altersgruppen. Dr. Caroline von Dellingshausen erläutert unter dem Titel „Alltag und Kampftechnik der Legionen und die Macht des Centurios Marcus Caelius“ diese Aspekte. Bezug genommen wird dabei auf einen berühmten Grabstein, der als Nachbildung die Sammlung der Römerhalle bereichert.
Marcus Caelius fiel in der Varusschlacht bei Kalkriese. Sein Grabstein ist eines der wenigen archäologischen Zeugnisse eines Soldaten dieser Schlacht. Die Teilnehmer erfahren zudem, welche Erkenntnisse sich aus Grabsteinen gewinnen lassen. Der Eintritt ist frei. Anmeldung unter: museumsinfo@bad-kreuznach.de oder (0671) 29 85 820. Die Palastvilla entdecken Eine Kostümführung mit der Hausherrin Silona – alias Petra Kiefer – schließt sich am Sonntag um 13:30 Uhr an.
Seit über zehn Jahren vermittelt sie die Geschichte der Palastvilla, das Leben ihrer Bewohner und ihr Ende, als das Römische Reich die Rheingrenze zunehmend schwer gegen germanische Angriffe verteidigen konnte. Die Führung zeigt, wie raffiniert und komfortabel das Leben der römischen Oberschicht war. Bis heute ist nicht geklärt, wer die Eigentümer der Villa waren – vielleicht kennt Silona die Antwort? Eintritt: 3 Euro inklusive Museum. Keltische Klangwelten Den Abschluss bildet keltische Musik.
Die keltische Bevölkerung des Stammes der Treverer war es, die die Römer in der Region vorfanden. Gemeinsam mit Zuwanderern bewohnten sie die Siedlung im Bereich des heutigen Schulzentrums Römerkastell. Ab 15 Uhr spielt die Band An Erminig. Der Name bedeutet „das kleine Hermelin“. Die Gruppe versteht sich als Botschafterin der keltischen Musik und Sprache, die bis heute in der Bretagne lebendig ist. Das Trio – Barbara Gerdes (keltische Harfe u.a.), Andreas Derow (Gesang und Geige) und Hans Martin Derow (Akkordeon) – präsentiert ein authentisches Repertoire.
Das basiert auf intensiven Recherchen zur historischen Musikkultur der Bretagne. Zum Programm gehören Tanzlieder und Balladen in bretonischer und französischer Sprache sowie Tanzsuiten aus anderen keltischen Regionen wie Galizien. Ergänzt wird das Konzert durch Erläuterungen und Geschichten. Der Eintritt ist frei. Um Spenden für die Arbeit des Vereins für Heimatkunde für Stadt und Kreis Bad Kreuznach wird gebeten.
Dr. Michael Vesper ist hauptamtlich Geschäftsführer der Gesundheit und Tourismus für Bad Kreuznach GmbH (GuT) und ehrenamtlich Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde für Stadt und Kreis Bad Kreuznach
