Ausverkauf des städtischen Tafelsilbers gestartet

Friedrich Senner und seine Unterstützer werden sich im Grabe drehen: vor Jahrzehnten engagierten sie sich (weitgehend vergeblich) für den Erhalt der alten Stadtstruktur in der historischen Neustadt und dem Bereich nördlich davon. Stichwort von vielen: „Simmerner Hof“. In hunderten von Zeitungsartikeln und Leserbriefen wurden damals die – sehr – unterschiedlichen Standpunkte beschrieben. In dutzenden von Bürgergesprächen, kommunalpolitischen Frühschoppen und stundenlangen Gremiensitzungen wurde der Streit um die richtige Richtung für die Stadtentwicklung ausgetragen.

Die blau markierte Fläche war von der Verwaltung nicht zum Verkauf vorgesehen, weil dort städtische Mitarbeitende parken. Für die werden neue Stellflächen gesucht werden müssen. Denn der PLUV bezog den Graben in Abänderung der Verwaltungsvorlage in das Verkaufsobjekt ein.

All das fand in der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr (PLUV) am gestrigen Dienstagabend (10.3.2026) mit keiner Silbe Erwähnung. Die aktuellen Kommunalpolitiker*Innen benötigten kaum 35 Minuten, um in einer weitgehend emotionslosen Diskussion den Verkauf einer der größten zusammenhängenden Flächen in der Bad Kreuznacher Nordstadt auf den Weg zu bringen: das Else-Liebler-Haus, das Casinogebäude, der Hochstrassenparkplatz, das alte Jugendamt, die historische Stadtmauer samt mittelalterlicher Wehrschanze und dem Graben sollen vermarktet werden.

Der erste Schritt dazu, ein Markterkundungsverfahren, wurde im PLUV gestern mit großer Mehrheit gestartet. Mit 12 Ja- gegen 4 Neinstimmen bei zwei Enthaltungen. Bemerkenswert, wie die zum Verkauf vorgesehenen Gebäude und Grundstücke, immerhin ein wesentliches Stück Stadtgeschichte, von der Stadtverwaltung bezeichnet werden: „Entwicklungsfläche Hochstraße / Brückes“ lautet die Überschrift in der Beschlussvorlage mit der Drucksachennummer 26/210. Der von der Stadtverwaltung angekündigte Zeitplan ist straff:

Demnach soll die endgültige Entscheidung nach weiteren Beratungen im Grundstücksausschuss und im Ausschuss für Wirtschaftsentwicklung am 26.3.2026 im Stadtrat fallen. Ab dem 1.4.2026 soll das Markterkundungsverfahren veröffentlicht werden – überregional. Die Abgabefrist für Angebote endet am 31.7.2026. Die Interessenten sollen damit ein städtebauliches Konzept, ein Nutzungskonzept, eine Visualisierung des Vorhabens, eine Schufa-Auskunft, Referenzbeispiele und einen Angebotspreis vorlegen. Ein Mindestpreis ist nicht verlangt. Die Verwaltung sagt zu: „nach Auswertung der Unterlagen werden die städtischen Gremien erneut beteiligt“.