Knappe Mehrheit für Kürzung des Gradierwerkes 3

Vordergründig geht es nur um 70 Meter. Um diese Länge soll das Gradierwerk 3, das die westliche Grenze des Salinenbad-Grundstückes bildet, verkürzt werden. Das spart nicht nur rund 400.000 Euro Umbaukosten. Sondern auch anteiligen Unterhaltungsaufwand in der Zukunft. Im Finanzausschuss wurde diese Thema am Montagabend dieser Woche (2.3.2026) beraten, weil Kämmerer und Bürgermeister Thomas Blechschmidt Aufsichtsratsvorsitzender der Gesundheit und Tourismus für Bad Kreuznach GmbH (GuT) ist.

Diese Bildsimulation zeigt das Gradierwerk 3 nach der Kürzung um 70 Meter von der Naheseite.

Diese 100% städtische Gesellschaft ist für die Sanierung und den Betrieb der zusammen neun Gradierwerke im Stadtgebiet zuständig. Deren Aufsichtsrat hatte nach monatelanger Vorberatung am 25.11.2025 in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig beschlossen, das Gradierwerk 3 um rund 70 Meter zu kürzen. Die endgültige Entscheidung dazu soll am 26. März im Stadtrat fallen. Vorbereitend hat sich der Finanzausschuss nun in öffentlicher Sitzung damit beschäftigt. Was mehrere Fraktionen dazu veranlasste von der Kürzung Abstand zu nehmen.

Vor allem die bei der Landtagswahl am 22.3. teilnehmenden Parteien gingen in der Diskussion tendenziell auf Kürzungs-Distanz. Eine Ausnahme bilden hier die Freien Wähler. Deren Fraktionsvorsitzender Jürgen Eitel sprach sich ausdrücklich für den langfristigen Erhalt der Gradierwerke aus. Sieht aber in den durch eine Kürzung gesenkten Kosten den Garant dafür, die Verluste auch in 20 oder 40 Jahren noch aus dem Stadthaushalt bezahlen zu können. Das sieht Dr. Herbert Drumm MdL (BüFEP plus) ganz anders.

Für ihn gibt es im Stadthaushalt an anderen Stellen Einsparungspotentiale. Weshalb sich Dr. Drumm gegen jede Kürzung ausdrücklich aussprach. Besonders bemerkenswert ist der Meinungsumschwung bei den Grünen. Im nichtöffentlichen Aufsichtsrat stimmten sie der Kürzung zu. Am Montag im Finanzausschuss erklärte Andrea Manz: „die Salinen sind das Herz der Kurstadt. Daher ist eine Kürzung für uns unvorstellbar“. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Claudia Eider wollte vor einer Entscheidung eine Beratung in den Fraktionen durchzuführen.

Dem CDU-Fraktionsvorsitzende Manfred Rapp zeigte sich überrascht davon, dass im GuT-Aufsichtsrat Mitglieder der Kürzung zustimmten, die im Finanzausschuss nun Bedenken entdecken. Der FWG-Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Delaveaux deutete eine Ablehnung der Kürzung an. Die FWG-Vertreterin im GuT-Aufsichtsrat hatte zugestimmt. Klar gegen die Kürzung sprach sich Kay Maleton (Faire Liste) aus. Wenn jetzt ein Kürzungs-Einstieg erfolge, werde in der Zukunft „Stück für Stück für Stück abgetragen“.

Bürgermeister Blechschmidt trug vor, dass sich die GuT und er persönlich an mehrere Mainzer Ministerien hinsichtlich dauerhafter Zuschüsse gewandt haben. Und nur Ablehnung erlebten. „Für laufende Unterhaltung gibts keine Gelder“. Sondern lediglich bei einzelnen Sanierungsprojekten: „Dr. Vesper und ich waren da zutiefst enttäuscht“. Nach einer über einstündigen Diskussion wollte Blechschmidt zunächst auf die Abstimmung über den Verwaltungsvorschlag verzichten.

Und das Thema auch in der neu gebildeten Haushaltskonsolidierungskommission erneut zu beraten. Darauf hin flammte die Diskussion wieder auf unter dem Gesichtspunkt der Fördermittel, für die noch nicht einmal ein Antrag gestellt ist. Bis Patrick Bruns (FDP) sich klar gegen eine weitere Verschiebungs- und Verzögerungstaktik aussprach: „ich verstehe nicht, warum wir nicht das Händchen heben können für einen Empfehlungsbeschluss aus dem Finanzausschuss für den Stadtrat“. Damit bewirkte Bruns ein Umdenken bei der Ausschussmehrheit.

„Volle Zustimmung“ zum Bruns-Vorstoss erklärte Norbert Welschbach (CDU). Eine Nichtbeschlussfassung entspräche „Feigheit vor dem Feind“. Er wies darauf hin, dass das Geld, um alles was schön ist zu erhalten, fehlt. Manfred Rapp sprach sich nach der Definition mehrerer Bedingungen für eine Abstimmung aus, um Fördermittel beantragen zu können. Demnach soll das Gradierwerk um 70 Meter auf 192 Meter verkürzt, die Galerie barrierefrei umgebaut werden, der Einbau von Zerstäubern erfolgen und ein Inhalation-Parcours angelegt werden.

Die Kosten dafür gab der Bürgermeister unter Berücksichtigung für den Rückbau mit 265.000 Euro, den Umbau mit 1.850.000 Euro und eine Neubedornung für 960.000 Euro an. Sollte das Land einen Zuschuss gewähren, würde dieser rund 1.692.000 Euro betragen, was den Stadtanteil auf rund 1.383.000 Euro. Die Abstimmung führte zu folgendem Ergebnis: sieben Ausschussmitglieder stimmten für den Verwaltungsvorschlag. Sechs mit Nein. Und vier Ausschussmitglieder enthielt sich (weiterer Bericht folgt).