Leserbrief von Michael Dal Magro: „Hände weg vom Stadtwald“

Leserbrief des
Michael Dal Magro

Bad Kreuznach ist seit Jahren einer der absoluten Hitze-Hotspots Deutschlands. Die Kreisverwaltung pflanzt eifrig mit Kindern und Eltern publikumswirksam „Generationenwälder“ in der Region, die Umlandgemeinden greifen Fördermittel des Bundes im „Klimaangepassten Waldmanagement“ ab, um ihre Wälder resilienter zu machen, die Stadt Bad Kreuznach kämpft um jedes Fleckchen „Grün“ in der im Sommer überhitzten Innenstadt. Und sogar die oft kritisierten Stadtwerke pflanzen mit den Bürgern und der Politik Bäume im Stadtwald, da dieser vom Sterben einiger Baumarten sehr stark betroffen ist.

Bild des Traisener Steinbruches von Stephan Weck.

Nun soll der Steinbruch Traisen unwiederbringlich um sechs Hektar wertvollen Stadtwaldes erweitert werden, der sich insgesamt zu 75% auf trockenen Standorten befindet. Rein rechnerisch liegt die maximal mögliche Abbaumenge bei 60.000 qm Rodungs-Fläche und einer Abbautiefe bis 100 Meter bei insgesamt 15 Millionen Tonnen Gestein! Angrenzend an Steinbruch und Stadtwald erstreckt sich das national und international bedeutsame „Naturschutzgebiet Rotenfels“ (auch FFH-Gebiet), eingebettet in eine naturräumlich einzigartige Naturlandschaft, dessen Umfeld es unbedingt zu erhalten und zu schützen gilt.

Zudem liegt der Stadtwald im Landschaftschutzgebiet Nahetal und gehört zum Naturpark Soonwald-Nahe. Seine wichtigen Funktionen für das lokale Klima, den Wasserhaushalt, die Regenzurückhaltung, den Tourismus und als Erholungsgebiet für die Bürgerinnen und Bürger sind unbestritten (siehe dazu Umweltbericht der Stadt Bad Kreuznach im Jahr 2000). Das im Heilquellenschutzgebiet liegende Waldgebiet ist im Regionalplan der Planungsgemeinschaft Rheinhessen-Nahe als regional bedeutsames zusammenhängendes Waldgebiet ausgewiesen. Der Heilquellenschutz ist ein wichtiger Teil des gesamten Grundwasserschutzes der Stadt

Und trägt dadurch direkt zur Sicherung der Qualität unseres Trinkwassers als wichtigstes Lebensmittel bei. Der Steinbruch reicht momentan direkt bis an die Stadtgrenze im Stadtwald, die jetzige Tiefe des Steinbruchs beträgt rund 70 bis 80 Meter. Die Abbruchkante des Steinbruchs am Stadtwald liegt im Mittel auf etwa 270 bis 280 über NN. Das Gelände steigt von dort in Richtung Schanzenkopf (Fernmeldeturm) stark bis auf 321 Meter über NN an. Die Basalt AG, als deutscher Marktführer mit rund 350 Standorten argumentiert, dass der Traisener Steinbruch absolut unverzichtbar zur Versorgung der Region sei.

Zurzeit werden dort im Jahr etwa 150.000 Tonnen Rhyolith von vier bis sechs Mitarbeitern abgebaut. Die Gesteinsreserve auf Traisener Gebiet soll laut Basalt AG noch für rund 15 Jahre reichen. Diese jährliche Entnahme entspricht etwa 15.000 Lkw-Ladungen, die laut Basalt AG angeblich jetzt und in der Zukunft nur im lokalen Bereich benötigt und verwendet werden. Dabei gibt es sehr wohl in der Region mehrere große Steinbrüche, die aufgrund ihrer Abbau-Genehmigungen die die Region mittel- und langfristig versorgen können:

Der Steinbruch Neubamberg, die Kirner Hartsteinwerke und die Steinbrüche bei Kirchheimbolanden (alle Basalt AG), der riesige Steinbruch Marta bei Waldböckelheim (Ross GmbH) und der gewaltige Steinbruch Argenthal (Thomas Stein Asphalt GmbH). Deren Produkte werden auch überregional u.a. für Hochbau-, Tiefbau- und Windkraftanlagenprojekte bis nach Norddeutschland verkauft. Wir sind es unseren Kindern und Enkeln schuldig, dieses einzigartige und unverzichtbare Landschafts-Ensemble und die Waldgebiete dauerhaft zu schützen und deren unwiederbringliche Zerstörung zu verhindern“.