OB und Investor geben gemeinsame Erklärung zum Kurmittelhaus Bad Münster ab

Seit Jahren ist die Stadt Bad Kreuznach auf der Suche nach einem Investor für das Kurmittelhaus im Bad Münsterer Kurpark. Am Rande des Neujahrsempfang im Stadtteil hatte Oberbürgermeister Emanuel Letz (FDP) die Ortsvorsteherin des Ortsbezirkes, Birgit Ensminger-Busse (Freie Wähler), kurz mündlich über den Umstand informiert, dass sich der hinter den Kulissen rund zwei Jahre als Investor benannte Jürgen Grossmann von dem Projekt zurückgezogen hat. In der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr (PLUV) am 13.1.2026 gab OB Letz diesen Sachverhalt dann als dritten Punkt unter „Mitteilungen“ öffentlich bekannt.

Im Sommer sah noch alles „grün“ aus für die Übernahme des Kurmittelhauses durch einen Investor. Danach wurden Ortsbeirat, Stadtrat und Öffentlichkeit von OB Letz nicht mehr informiert – bis zur Absage des Investors Anfang diesen Jahres.

Allein diese Vorgehensweise löste in der Öffentlichkeit Verärgerung aus. Ortsvorsteherin Ensminger-Busse kündigte an, den Investor nicht aufzugeben und diesen an seinem Geschäftssitz zu besuchen, um den Weg für eine weitere Zusammenarbeit frei zu machen. Der Vorsitzende der größten Fraktion im Bad Kreuznacher Stadtrat, Manfred Rapp (CDU) kritisierte die Umgangsweise des OB mit dieser Nachricht. Und forderte eine vollständige Aufklärung des Sachverhaltes. Für die Stadtratssitzung am 29.1.2026 beantragten die Koalitionsfraktionen von CDU, SPD und FDP den Tagesordnungspunkt „Sachstandsbericht zur Veräußerung des Kurmittelhauses und der Freifläche des ehemaligen Thermalbades im Stadtteil Bad Münster am Stein / Ebernburg“ und erklärten unmissverständlich:

„Einem möglichen Verweis in einen Fachausschuss stimmen wir ausdrücklich nicht zu“. Ziel der Koalitionäre, die im Stadtrat über eine komfortable Mehrheit verfügen, sei es weiterhin, „das historische und denkmalgeschützte Gebäude in die Hände eines erfahrenen und solventen Investors zu geben“. Angesichts der mit diesem Tagesordnungspunkt und den dort – auch von anderen Fraktionen – zu erwartenden kritischen Nachfragen zu seiner Arbeit, hat Oberbürgermeister Letz am gestrigen Freitagnachmittag (23.1.2026) eine Presserklärung vom 22.1.2026 veröffentlicht, mit der er versucht den Druck im kommunalpolitischen Kessel deutlich zu verringern. Wir veröffentlichen diese Erklärung nachstehend im Wortlaut.

Gemeinsame Erklärung von Oberbürgermeister Emanuel Letz und Investor Jürgen Grossmann zum Projekt „Kurmittelhaus Bad Münster am Stein“

Oberbürgermeister Emanuel Letz und der aus Kehl stammende Investor Jürgen Grossmann beziehen in einer gemeinsamen Erklärung Stellung zur aktuellen Berichterstattung und zum Stand des Projekts „Kurmittelhaus Bad Münster am Stein“. „Die Darstellung des Projekts und unserer Zusammenarbeit in Teilen der jüngsten Berichterstattung entspricht nicht den Tatsachen. Sie wird unserer intensiven und konstruktiven Zusammenarbeit der vergangenen Monate nicht gerecht“, betonen Oberbürgermeister Letz und Jürgen Grossmann übereinstimmend. Die Zusammenarbeit sei – entgegen anderslautender Eindrücke – „stets vertrauensvoll, respektvoll und ergebnisorientiert“ gewesen.

Zu seinem Rückzug vom Projekt „Kurmittelhaus Bad Münster am Stein“ erklärt Jürgen Grossmann: „Ich habe mich nach reiflicher Überlegung und aus privaten Gründen zunächst von dem Projekt zurückgezogen. Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, denn die Entwicklung historischer Bausubstanz – und damit auch die Zukunft des Kurmittelhauses – liegt mir sehr am Herzen. Für mich kommt jedoch nur der Erwerb eines Gebäudes in Betracht, nicht die Vergabe im Rahmen eines Erbbaurechts. Das ist meine persönliche und sachliche Position und keine Kritik an der geleisteten Arbeit der Stadt oder am Oberbürgermeister.“

Die Frage „Verkauf oder Erbbaurecht?“ ist nach übereinstimmender Auffassung von Oberbürgermeister Letz und Jürgen Grossmann eine zentrale politische Entscheidungsfrage: „An diesem Punkt sind nun Ortsbeirat und Stadtrat am Zug“, sagt Oberbürgermeister Letz. „Die Verwaltung hat ihre Hausaufgaben gemacht: Wir haben eine professionell begleitete Investorensuche über die Städtebauförderung initiiert, intensive Gespräche geführt, Gutachten erstellt und eine fundierte Beschlussvorlage für den Verkauf erarbeitet. Die Entscheidung, ob die Stadt das Kurmittelhaus verkauft oder im Rahmen eines Erbbaurechts vergibt, liegt letztlich bei den politischen Gremien und stellt eine grundlegende Richtungsentscheidung dar.“

Die Stadtverwaltung hatte bereits im August 2023, basierend auf einer zuvor erstellten Frequenzbringeranalyse und Machbarkeitsstudie, die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) mit einer strukturierten Investorensuche beauftragt. Diese umfasste unter anderem die Erstellung eines Exposés, die Recherche und Ansprache potenzieller Investoren, die Auswahl geeigneter Kandidaten sowie vertiefende Gespräche. Von den 24 angesprochenen Investoren gab es jedoch nur eine positive Rückmeldung – die von Jürgen Grossmann.

In der Folge fanden mehrere gemeinsame Besichtigungen vor Ort, ein Workshop, die Vorstellung des Investors im Ortsbeirat Bad Münster-Ebernburg, die Übermittlung von Rahmenbedingungen zur Projektentwicklung durch Herrn Grossmann, die Einholung eines Verkehrswertgutachtens, die Beauftragung eines Fachanwalts für die Vertragsgestaltung, ein Beratungstermin beim Notar sowie die Erarbeitung eines Grundsatzbeschlusses über einen Verkauf an Herrn Grossmann statt. Am 12. Dezember 2025 wurde dem Büro Grossmann und dessen Rechtsanwalt ein Entwurf für einen Grundsatzbeschluss über einen Verkauf übermittelt.

Herr Grossmann war jedoch zunächst nicht über diesen Vorgang informiert, weshalb Oberbürgermeister Letz die Unterlagen nach einem klärenden Telefonat am 21. Januar 2026 erneut zusandte. „Ich habe Oberbürgermeister Letz in unserer Zusammenarbeit stets als zuvorkommend und fair erlebt“, betont Grossmann. „Wir standen regelmäßig im Austausch – sowohl persönlich als auch telefonisch. Die derzeit kursierende Darstellung eines vermeintlichen Gegeneinanders halte ich für verzerrt.“ Oberbürgermeister Letz weist den Vorwurf zurück, das Projekt sei hinter verschlossenen Türen vorangetrieben worden:

„Ich bin mir der emotionalen und symbolischen Bedeutung des Kurmittelhauses – insbesondere für Bad Münster – sehr bewusst. Daher haben wir von Beginn an auf professionelle Unterstützung gesetzt, den Ortsbeirat frühzeitig und umfassend eingebunden und Schritt für Schritt die Basis für eine fundierte politische Entscheidung geschaffen. Unsere Vorgehensweise war stets abgestimmt und erfolgte zu den Zeitpunkten, an denen die nötigen Voraussetzungen gegeben waren oder ernsthafte Absichten vorlagen. Nun liegt es in der politischen Verantwortung der Gremien, über die grundlegende Frage – Verkauf oder Erbbaurecht – zu entscheiden.“

Sowohl Oberbürgermeister Letz als auch Jürgen Grossmann betonen, dass das Kurmittelhaus ein „Liebhaberobjekt“ ist, dessen Sanierung einen erheblichen zweistelligen Millionenbetrag erfordert und dessen langfristiger Betrieb nur mit einem tragfähigen Gesamtnutzungskonzept möglich ist. „Das Kurmittelhaus in Bad Münster am Stein ist eines der bedeutendsten Gebäude der Region und darf nicht dem Verfall preisgegeben werden“, erklärt Letz. „Dafür braucht es Investoren, die über das notwendige bauliche Know-how und die entsprechende Finanzkraft verfügen – und die bereit sind, Verantwortung für ein denkmalgeschütztes Ensemble mit großer historischer und emotionaler Bedeutung zu übernehmen.“

Jürgen Grossmann unterstreicht, dass sein grundsätzliches Interesse für das Projekt unverändert bleibt: „Sollte sich die Stadt – über Ortsbeirat, Ausschüsse und Stadtrat – für einen Verkauf entscheiden und meine privaten Rahmenbedingungen es zulassen, bleibt die Tür für eine erneute Befassung mit dem Projekt offen. Voraussetzung dafür ist jedoch ein klarer politischer Wille zum Verkauf.“

Abschließend richten Oberbürgermeister Letz und Jürgen Grossmann einen gemeinsamen Appell an die politischen Gremien: „Die Zukunft des Kurmittelhauses ist eine einmalige Chance für Bad Münster und die gesamte Stadt. Die Verwaltung hat die Vorarbeit geleistet, ein qualifizierter Investor hat seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert – jetzt braucht es eine klare politische Entscheidung zur Frage des Eigentums. Nur auf dieser Grundlage können Investoren verlässlich planen. Verwaltung, Politik und Investor können ein solches Projekt nur gemeinsam zum Erfolg führen.“