Leserbrief des Bernd Burghardt: Wald oder Steinbruch?

Ein stark sarkastischer Leserbrief von
Bernd Burghardt

„Die Frage, ob man Stadtwald für einen Steinbruch opfern soll, ist doch schnell entschieden. Denn 6 Hektar sind wirklich „nicht so viel“, eigentlich sind es ja nur 0,06 Quadratkilometer. Wenn es 60.000 Quadratmeter wären, sähe die Sache schon anders aus (die Redaktion hält hier das Ironie-Schild hoch)! Dass Bäume einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sollte nicht überbewertet werden. Denn es wird oft fälschlicherweise vermutet, dass in Bäumen eine Speicherung des CO2 stattfindet.

Anmerkung der Redaktion, um den von Bernd Burghardt zum Ausdruck gebrachten Sarkasmus angesichts der von Werner Lorenz ausgesprochen Bewertung, 6 Hektar Wald sei ja nicht so viel: wenn die Erweiterungsfläche in 50 oder 60 Jahren ausgebeutet ist, wird es ja eine Renaturierung geben. Vielleicht. Wenn die diesbezüglich abzugebende Bürgschaft dann noch werthaltig ist.

Die Pflanzen verwenden jedoch für den Biomasseaufbau im Zuge der Photosynthese lediglich den Kohlenstoff (C) und setzen den Sauerstoff (O2) frei. Der Verlust von ein paar Bäumen führt also gar nicht zu weniger CO2-Speicherung. Letztlich geht es nur um billigen Kohlenstoff. Klar kann man das wiederum in CO2-Einheiten umrechnen, aber wozu der Aufwand? Selbst wenn bspw. für die Baumarten Buche, Eiche, Fichte und Kiefer mit einfachen Kennzahlen ermittelt werden könnte, wie viel CO2-Einheiten gespeichert werden, fällt die Abwägung von hochwertigen ortsnahen Steinen gegen wertlosen Mischwald leicht (auch hier hält die Redaktion das Ironie-Schild hoch).

So liegt bspw. für einen Buchenbestand mit 250 Vorratsfestmetern (Vfm) und einem Alter von 50 Jahren der CO2-Umrechnungsfaktor bei 1,4, somit entsprechen 250 Vfm Buche nur rund 350 Tonnen CO2. Ob man im Bad Kreuznacher Mischwald überhaupt auf 250 Vfm pro Hektar kommt ist fraglich! In langen 50 Jahren würden somit theoretisch auf 1 Hektar so viel Kohlenstoff-Einheiten gebunden werden, wie ein moderner LKW (80 kg CO2 auf 100 km) in einem einzigen Jahr emittiert. Und wir reden ja insgesamt nur über 0,06 Quadratkilometer, also nur sechs Lkw!

Da kann man auch gleich darauf verzichten (erneut hält die Redaktion das Ironie-Schild hoch). Fazit: Wie üppig „nicht so viel“ Kreuznacher Wald letztlich genau zum Klimaschutz beiträgt, bleibt letztlich ungewiss, da schlichtweg exakte Informationen zur Kohlenstoffbindung von Bäumen fehlen. Und was bringt es, einen Baumbestand zu erhalten, der immerhin 50 Jahre benötigt, um die CO2- Emissionen von fünf Lkw eines einzigen Jahres zu kompensieren (noch einmal hält die Redaktion das Ironie-Schild hoch)? Abholzen geht da viel schneller! Außerdem haben es die Lkw dann ja auch nicht mehr so weit“.