Am Montagabend vergangener Woche (12.1.2026) war der Kornmarkt Gegenstand ausführlicher Informationen und Diskussionen im Finanzausschuss der Stadt. Keine Sorge. Da wurde nicht überlegt, wie den zahlreichen Passanten dort das Geld abgeknöpft werden kann, das bei den Parkgebühreneinnahmen fehlt. Sondern wie der Platz mit zusätzlichen Bäumen ausgestattet werden kann. Eigentlich ein Thema für den Planungsausschuss. Aber das Begrünungskonzept stammt vom Bauhof. Und für den ist der Finanz- eine Art inoffizieller Werksausschuss. Bürgermeister Thomas Blechschmidt begründete seinen mit dem OB abgesprochenen Vorstoß auch mit der dadurch bewirkten Entlastung des Stadtbauamtes.

Das zusätzliche Grün soll auf dem Weg über vier baumbepflanzte Kübel bereitgestellt werden (tourismusbeitrag-so-nicht.de berichtete). Aus mehreren Gründen kommt eine zusätzliche Bodenpflanzung nicht in Frage. Die Initiative für die Kübelbaumlösung sei aus der Bürgerschaft gekommen, von der der erst 2019 neu gestaltete Platz als „Hitzestelle“ wahrgenommen werde, berichtete Blechschmidt dem Ausschuss: „es ist zu heiß, wir wollen Beschattung“, sei die Forderung von Einwohnern. Und dann ließ sich der Bürgermeister zu einer Bemerkung hinreißen, die beim sachkundigen Teil des Auditoriums Stirnrunzeln auslöste. Er sprach die „Einfassung von Bäumen“ rund um den Platz an.
Um dann festzustellen: „wobei die nicht so richtig groß wachsen, wie ursprünglich angedacht. Die sind ein bisschen klein“. Thomas Blechschmidt bezog sich dabei auf die 18 Hopfenbuchen. Und unterschlug, dass deren Pflanzung tatsächlich ein großer Erfolg des Grünflächenamtes der Stadt ist. Denn einen Baumtyp zu finden, der mitten in der Stadt überhaupt gedeiht, ist aus vielen Gründen gar nicht so einfach. Hans-Georg Sifft vom Tiefbauamt hatte sich Ende 2018 dieser Herausforderung gestellt. Und mit den bescheidenen, zur Verfügung stehenden Finanzmitteln persönlich die Auswahl getroffen. Sifft war dazu eigens in eine Baumschule nach Bonn gefahren.
Und hatte jeden einzelnen der 18 Bäume ausgesucht. Diese waren dann vor fast genau sieben Jahren, Ende Januar 2019, vom Roxheimer Gärtnermeister Manfred Berg beschnitten, in die Pflanzlöcher eingesetzt und ausgerichtet worden. Eine Arbeit, die ihn mehrere Stunden beschäftigte. Schon damals gab Berg im Gespräch mit der tourismusbeitrag-so-nicht.de-Redaktion folgende Erklärung: „allein rund 15 Jahre wird es dauern bis die Stämme so gewachsen sind, dass sich die unteren Astansätze in Höhe der Lampenenden befinden. Ab diesem Zeitpunkt liefern die Bäume viel Schatten für den Platz. Und die Strahlen der Lichtspender erreichen auch im Sommer den maximalen Leuchtbereich“.
Tatsächlich stehen heute alle 18 Bäume rund um den Kornmarkt top da. Was sowohl die Auswahl durch Hans-Georg Sifft als auch die von Manfred Berg durchgeführte Pflanzung als hochwertige Qualitätsarbeit dastehen lässt. Leider wurde das im Finanzausschuss weder vom Vorsitzenden noch von einem der Mitglieder anerkannt. Schade. Denn wenn die Verwaltungsmitarbeitenden beobachten, dass gute Arbeit nicht gewürdigt wird, fördert das natürlich nicht deren Motivation. Wer mit Steuergeld Gutes tut (worum es sich bei den vier Kübel-Bäumen zweifelsohne handelt) der sollte den Versuch, seine Leistung durch sachwidrige Kritik an der anderer aufzuwerten, unterlassen.
