Nicht ganz typisch für die Jahreszeit liegt der Hochwasserpegel in Bad Kreuznach aktuell (Stand: 22.1.2026 um 9:30 Uhr) unter drei Meter. Wer schon länger in Bad Kreuznach lebt, kennt das ganz anders. Nicht nur wegen der beiden Jahrhunderthochwässer innerhalb von 13 Monaten (am 21.12.1993 und am 23.1.1995). Auch in der jüngeren Vergangenheit wälzten sich in den Wochen vor und nach dem Jahreswechsel immer mal wieder erhebliche Hochwassermengen durch die Stadt. Zuletzt am 5.1.2022 mit 5,85 Meter. Dadurch gabs keine Überflutung und kaum Schäden. Es wurde lediglich in den Bereichen, in denen Gebäude im alten Flussbett stehen, das Grundwasser durch den Boden in die Keller gedrückt.

Um deutlich zu machen, was diese Wassermenge trotzdem bedeutet, kann jede(r) eine kleine Rechnung vornehmen. Ein Kubikmeter Wasser wiegt rund eine Tonne. Die Nahe ist bei Wasserständen über fünf Metern im Stadtgebiet durchschnittlich 100 Meter breit. Auf einen Kilometer Länge des Flusses drücken dann also mindestens 200.000 bis 500.000 Tonnen Wassergewicht mehr auf das Flussbett. Bei Hochwässern wie 1993 und 1995 sind das dann zusammen mit der Normalwasserbelastung über 1 Million Tonnen. Was zunächst die Veränderung des Grundwasserdruckes erklärt. Und natürlich bei rund 3 Metern Fließgeschwindigkeit je Sekunde auch die Wucht, mit der diese Masse auf Uferbefestigungen trifft.
Die aktuellen Starkregen- und Hochwasserkarten des Landes sagen vorher, dass das nächste Jahrhunderthochwasser statistisch gesehen in spätestens 50 Jahren stattfindet. Und im Stadtgebiet über einen Meter höher ausfallen wird, als dies 1993 der Fall war. Nach der Katastrophe an der Ahr schauen auch in und um Bad Kreuznach bei Regelfällen immer mehr Menschen auf der Seite der Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz (https://hochwasser.rlp.de/flussgebiet/nahe/bad-kreuznach). Ein wirklich tolles Informationsangebot, das in Echtzeit und rund um die Uhr u.a. Informationen über alle Bäche und Flüsse im Einzugsgebiet der Nahe liefert. Auch diese:
Über den Jahreswechsel 2025/2026 war der Pegel Bad Kreuznach über zwei Wochen ausgefallen. Panik konnte trotzdem nicht aufkommen, weil die Pegelmessgeräte flussaufwärts alle anzeigten. Aber was, wenn es (ein Unglück kommt bekanntlich selten allein) auch dort Pannen gegeben hätte? Oder beim Staudamm in Niederhausen? Tourismsubeitrag-so-nicht.de hat jedenfalls sowohl beim Umweltministerium als auch beim Betreiber des Pegels, der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD Nord) mit Sitz in Koblenz angefragt. Tatsächlich blieb die Nahe in den Pegelausfallwochen ganz brav tief in ihrem Bett, weil es kaum Niederschläge und damit niedrige Wasserstände gab.
Auf unsere Frage, warum die Ursache der Störung erst in der zweiten Januarwoche ermittelt und beseitigt wurde, wo doch Bad Kreuznach gerade in den Tagen vor, am und nach dem Jahreswechsel von Hochwässern oft getroffen wird, antworte die SGD Nord daher ganz entspannt: „wie Sie selbst schreiben, bestand „kein Grund zur Beunruhigung“, sodass kein unmittelbarer Handlungsbedarf gegeben war“. Wenige Tage nach der Pegel-Reparatur stieg die Nahe im Stadtgebiet dann um über einen Meter an. Gerade so, als ob sie den reparierten Pegel testen wollte. Bei der Arbeit beobachten können den Bad Kreuznacher Nahepegel leider nur wenige Menschen. Denn das ist nur aus dem Flussbett heraus möglich.
Nach Auskunft der SGD Nord ist der Sensor unter der Alten Nahebrücke der Sensor angebracht: „der Radar-Sensor ist mit Blick gegen die Fließrichtung auf die Brücke im linken Feld, etwa mittig des Feldes am Brückenbogen befestigt. Da das Gerät etwa die Größe eines Kinderschuh-Kartons hat, ist er dort schwer zu erkennen“. Dessen Funktionsweise erklärt die Behörde so: „es handelt sich um einen Radar-Sensor, der den Abstand zwischen Sensor und Wasseroberfläche misst. Bei steigendem Wasserstand wird der Messwert kleiner, bei fallendem Wasserstand größer. Der gemessene Wert wird über eine Skalierfunktion im Datenlogger in den tatsächlichen Wasserstand umgerechnet“ (weiterer Bericht folgt).
