Es war Jürgen Eitel (Freie Wähler), der den krassen Widerspruch zwischen Worten und Taten deutlich aufzeigte: während die Stadtverwaltung das Pflanzen einzelner Bäume und Büsche in der Innenstadt als Beiträge zum Klimaschutz wie Volksfeste feiert, tritt sie auf der anderen Seite für das Fällen tausender Bäume und Büsche im Stadtwald ein, um eine Erweiterung des Traisener Steinbruches zu ermöglichen. In der Sitzung des Grundstücksausschusses am gestrigen Dienstagabend (20.1.2026) wurde der Plan zum Abholzen von über sechs Hektar Stadtwald vorgestellt. Nicht nur Jürgen Eitel ist durch das Projekt „erschrocken“ und befürchtet, dass „Bäume verschwinden, die nie mehr zu ersetzen sind“.

Auch für Hermann Bläsius (Grüne) ist die Vorstellung eines solch großen Eingriffes in den Stadtwald „abwegig“. Der CDU-Vorsitzende Manfred Rapp erinnerte daran, dass ein entsprechender Vorstoß bereits im März 2018 im Ausschuss für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr (PLUV) gescheitert war. Ergänzend wies Rapp darauf hin, dass der bestehende Steinbruch bereits seit über 40 Jahren genutzt wird und noch zehn bis 15 Jahre abgebaut werden kann. Und präsentierte eine Erklärung für den schlechten Zustand der Bäume im Bereich der jetzigen Abbruchkante: die im Steinbruch durch Sonneneinstrahlung entstehende Hitze. Manfred Rapp zog daraus die Schlussfolgerung:

Mit der Erweiterung setzt sich dieses Problem mehrere hundert Meter Richtung Innenstadt weiter fort. Rapps Frage nach der Pacht, die die Stadt vom Steinbruch-Betreiber erhalten wird, wurde von dessen Sprecher nur allgemein beantwortet. Als Kombination aus Entgelt für die zur Verfügung gestellte Flächen und einen Umsatzanteil für das gewonnene Gestein. Als Rapp dann nach der von der Basalt AG an die Ortsgemeinde Traisen bezahlten Pacht fragte, wurde ihm die Antwort mit dem Hinweis auf Datenschutz verweigert. Auch seine Replik, die Pacht müsse doch im Haushaltsplan der Gemeinde offen ausgewiesen werden, führte nicht zu einer Antwort.
Als grundsätzlicher Fürsprecher der Steinbruch-Erweiterung beschrieb Jürgen Locher (Linke) den Zielkonflikt zwischen „Wald erhalten“ und „Rohstoffe nutzen“. Sollte das Gestein die erforderliche Qualität haben, dann sei es nachhaltig dies auch abzubauen um eine regionale Versorgung sicherzustellen. Dem schlossen sich Michael Hübner und Werner Lorenz (beide FDP) an. Beide argumentierten wie auch Tobias Heil (SPD) und Jeanette Schnorrenberger (Liste faires Bad Kreuznach) mit der Deckung des Baustoffbedarfes vor Ort und der Reduzierung der Transportwege. Andernfalls, so sieht das Michael Hübner, würden sich die Kosten für Bauherren erhöhen.
Eine Entscheidung traf der Grundstücksausschuss nicht. Denn per Mehrheitsbeschluss (zehn zu drei Stimmen) hatte das Gremium auf Antrag von Oberbürgermeister Emanuel Letz, der den Steinbruchs-Erweiterungsvorschlag vorgelegt hatte, eingangs der Sitzung aus der amtlich bekanntgemachten Beschluss- eine Mitteilungsvorlage gemacht. Und angekündigt, dass er die Vorlage auch im Ausschuss für Wirtschaftsentwicklung behandeln lassen werde. Warum das für die Stadtentwicklung wichtige Thema – anders als 2018 – nicht im PLUV behandelt werden wird, erklärte Letz nicht. Auch zum Ausschluss der Tourismus-Förderer aus der den Stadtwald betreffenden Beratung sagte der Oberbürgermeister nichts (weiterer Bericht folgt).
