Kurmittelhaus Bad Münster: Investor Grossmann ist abgesprungen

An diesem Wochenende versucht der Verkehrsverein Rheingrafenstein in Bad Münster am Stein – Ebernburg eine Neuaufstellung. Eine Herkulesaufgabe. Die vor einigen Tagen durch eine Hiobsbotschaft aus der Stadtverwaltung noch zusätzlich erschwert wurde. Diese präsentierte Oberbürgermeister Emanuel Letz zunächst am vergangenen Sonntag (11.1.2026) beim Neujahrsempfang des Ortsbezirkes Bad Münster. Und am Dienstag dieser Woche (13.1.2026) im Ausschuss für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr (PLUV). Dort nach einer rund zweistündigen Sitzung. Nicht unter einem eigenen Tagesordnungspunkt. Diese sind selbstredend nur ganz wichtigen Themen vorbehalten.

Sondern unter dem Punkt Mitteilungen, der kommunalpolitischen „Resterampe“ einer jeden Ausschusssitzung. Und auch dort erst auf Platz drei. Was einiges aussagt über die Einordnung des Themas aus Sicht der Verwaltungsspitze. Dabei hatte der Oberbürgermeister die Vermarktung des historischen Kurmittelhauses zur Chefsache erklärt. Aber Misserfolge (auch wenn diese trotz bester Bemühungen eintreten) werden von Politiker*Innen gern klein geredet. In der Ausschusssitzung las Letz den „Sachstand Städtebaufördergebiet Aktive Stadt Bad Münster“ vor: „der Investor ist abgesprungen. Aus privaten Gründen zieht er sich aus allen neuen Projekten, die er angestoßen hat, zurück“.

Nach dieser Aussage fragende Gesichter im Sitzungssaal. Da wird dem OB klar, dass er gar nicht erklärt hat, um was es geht. Und er ergänzt: „es geht hier um das Kurmittelhaus – das habe ich vergessen“. Eine Bemerkung, über die Letz selbst lachen muss. Was ansteckend wirkt. Gelächter im Ausschussrund trotz einer Mitteilung, die nichts anderes bedeutet, als dass die etwa zweijährige Arbeit von Verwaltung und Gremien in der Mülltonne landet. Es mag auch Galgenhumor gewesen sein. Allerdings gabs keine einzige Wortmeldung. Könnte es sein, dass ein Grund für das Versagen in solchen Fällen auch der ist, dass in den Gremien keiner den Mumm hat, solche Peinlichkeiten anzusprechen?

Danach teilte Emanuel Letz erfreulich transparent mit, wie es zu der Absage kam: „wir hatten eigentlich alles für einen Grundsatzbeschluss vorbereitet“. Der OB berichtete weiter, er habe den Investor in der vergangenen Woche persönlich besuchen wollen. Aber „kurz vor Abfahrt bekomme ich die Absage“. Um dann pflichtschuldig anzukündigen: „nützt nichts, wir gehen weiter auf die Suche“. An der wurden, das ergibt sich aus den nachstehenden Schreiben der Bad Münsterer Ortsvorsteherin Birgit Ensminger-Busse, die Mitglieder des Ortsbeirates nicht im wünschenswerten Umfang beteiligt. Und das bei einem Gebäude im Besitz der Stadt, dessen Sanierungsbedarf bei weit über 10 Millionen Euro liegt.

Die Anfrage der Ortsvorsteherin Birgit Ensminger-Busse an den Leiter des Stadtplanungsamtes Carsten Schittko im Wortlaut:

Investor Kurmittelhaus Bad Münster am Stein-Ebernburg

Lieber Herr Schittko, nach den schlechten Nachrichten, die der OB hinsichtlich unseres Investors mitgeteilt hat, bitte ich um folgende Unterlagen bzw. Informationen:
 Über welche Agentur ist die Ausschreibung damals gelaufen?
 Was hat diese gekostet?
 Welche Rückläufe gab es?
 In welcher Form wurde das KMH samt Areal angeboten?
 Zusendung Exposé
 Gab es z.B. auch Drohnenaufnahmen bzw. einen virtuellen Rundgang durch das Gebäude?
Bitte übersenden Sie mir die Ausschreibungsunterlagen, die ich bisher nicht kenne. Liegen der Stadt Bad Kreuznach zwischenzeitlich eventuell Interessensbekundungen anderer Anbieter vor? Gerade die Beantwortung der letzten Frage wäre für mich sehr wichtig. Im Rahmen der Transparenz sollten der Ortsbeirat und ich umfassend informiert sein.“

Die Stellungnahme der Ortsvorsteherin zur Beendigung der Verhandlungen seitens Investor im Wortlaut:

Im Rahmen des Besuchs des Oberbürgermeister beim Neujahrsempfang und nachfolgend aus der Presse zu entnehmen, informierte mich der OB über das „Abspringen“ unseres Investors für das Kurmittelhaus. Für den Stadtteil Bad Münster ein Rückschlag. Nach einem fast zwei Jahre bestehenden Kontakt zwischen dem Architekten und Immobilienentwickler Jürgen Grossmann, einem der Großen seines Metiers aus Süddeutschland, mit dem Oberbürgermeister, der dieses Vorhaben sogar zur „Chefsache“ erklärte, wurde die Zusammenarbeit seitens Herrn Grossmann beendet.

Für Jürgen Grossmann ist die Entwicklung historischer Bausubstanzen eine Herzensangelegenheit. Zahlreiche herausragenden Immobilienprojekte im In- und Ausland wurden von der Grossmann Group umgesetzt. Warum also diese Entwicklung? Um die Vorstellungen der Menschen vor Ort zur weiteren Nutzung des Kurmittelhauses und des angrenzenden ehemaligen Thermalbadgrundstückes zu ergründen, gab es diverse Zusammenkünfte des Ortsbeirates. Diese flossen in Verhandlungen ein, die mit Amtsleitungen, Immobilienfachanwälten und im Beisein der Ortsvorsteherin geführt wurden.

Diese befanden sich im Juni letzten Jahres auf einem guten Weg. Man war zuversichtlich, nach den Sommerferien in die entsprechenden Gremien der Stadtpolitik gehen zu können und zu einer Umsetzung mit Herrn Großmann zu kommen. Ungelöster Knackpunkt in den Verhandlungen ist jedoch nach wie vor die Frage des Eigentumsüberganges. Der Investor möchte kaufen, Teile des Ortsbeirates tendieren zum Erbbaurecht. Diese Entscheidung wird nun zeitnah getroffen werden müssen, denn sie ist Grundlage für Entscheidungen von Investoren, die „nach meinem aktuellen Kenntnisstand im Übrigen nicht Schlange stehen“, so Ensminger-Busse.

Das Kurmittelhaus aus dem Jahre 1911 ist ein „Liebhaberobjekt“, das nur in Verbindung mit einem Gesamtnutzungskonzept finanziert und damit erhalten werden kann. Der bestehende Renovierungsstau liegt im zweistelligen Millionenbereich und ist von der Stadt Bad Kreuznach weder zu stemmen noch ist das Gebäude auf Dauer zu bewirtschaften. Es muss etwas passieren, um das Gebäude nicht dem Verfall preiszugeben. Wichtig für die Ortsvorsteherin, bei allen Vorhaben muss die „Seele des Ensembles, des Hauses, seine Einzigartigkeit erhalten bleiben“.

Aufgrund des bestehenden Kontaktes der Ortsvorsteherin zu Jürgen Grossmann, möchte sie die dringende Bitte an den Oberbürgermeister richten, die Zusammenarbeit mit Jürgen Grossmann nicht als erledigt zu betrachten. „ Ich bin der Überzeugung, dass er nach wie vor für dieses Projekt brennt“. Aber die Voraussetzung für das weitere Vorgehen, ist die Entscheidung darüber, in welcher Form ein Eigentumsübergang stattfinden soll.

Unterlagen und Kosten zur Ausschreibung des Objektes über ein Maklerunternehmen sowie die dafür entstandenen oder erneut entstehenden Kosten hat Ensminger-Busse angefordert. „Aber vielleicht können wir uns diesen erneuten Aufwand auch sparen, wenn wir in unseren Entscheidungen vorankommen und damit Grundlagen für die Zukunft des Kurmittelhauses legen“. Noch immer wurde die Einladung des Investors Grossmann nicht umgesetzt, mit einem interessierten Personenkreis eines seiner Erfolgsprojekte in der Nähe von Baden-Baden anzuschauen.

„Ich appelliere und vertraue auf die Weitsicht unserer Entscheidungsträger, dass Handlungsbedarf dringend geboten ist, wenn uns der Erhalt des Kurmittelhauses und die touristische Weiterentwicklung des Stadtteils am Herzen liegt“, so die Ortsvorsteherin. „Diese Weichenstellungen sind auch für die nachkommenden Generationen von großer Bedeutung. Es geht nicht nur um Stadtteilpolitik, sondern das Große und Ganze“.

Tipp vom Claus an die Teilnehmer*Innen des Workshops vom Verkehrsverein Rheingrafenstein an diesem Wochenende:

Der Einladung kann als ein Wunsch der Verantwortlichen entnommen werden: „ideelle Unterstützung in der Politik / Influencer“. Warum es da Defizite gibt, ist den Außenstehenden schnell erklärt. Seit acht Jahren berichtet tourismusbeitrag-so-nicht.de über das, was im Naheland und vor allem in und um Bad Kreuznach passiert. Geschäftsüblich gute Erfahrungen haben wir allein mit Susanne Tetau gemacht. Und die ist ja noch nicht so lange beim Verkehrsverein.

Presseanfragen wurden vom Verkehrsverein entweder gar nicht oder nur mit wochenlanger Wartezeit beantwortet. Erfolgreich und glaubwürdig können aber nur jene handeln, die machen, was sie sagen. Wer von anderen Kommunikation einfordert, muss mit gutem Beispiel vorangehen. Wer sich glaubt sich aussuchen zu können, mit wem er kommuniziert und mit wem nicht, der muss mit den Konsequenzen leben (können).