Seit vielen Jahren ist die aus zwei Teilen bestehende Ochsenbrücke insgesamt sanierungs- bzw erneuerungsbedürftig. Das Provisorium auf der Ostseite hat seine geplante Einsatzzeit bereits um Jahrzehnte überschritten. Dabei handelt es sich um eine Lebensader des innerstädtischen Verkehrs mit zigtausenden Fahrzeugbewegungen tagtäglich. Weil Stadtverwaltung und Stadtrat wegen dem bis heute nicht endgültig entschiedenen Streit um die Ost-West-Trasse das Thema seit den neunziger Jahren immer wieder vertagen, die Baustruktur aber immer mehr schwächelt, wurde vor gut zwei Jahren der Landesbetrieb Mobilität (LBM) initiativ.

Und erstellte, um endlich Fortschritte zu erzielen, ohne Abwarten auf Entscheidungen der sich davor drückenden städtischen Gremien, eine Neubauplanung für die Ochsenbrücke. Diese wurde bereits am 30.10.2024 im Stadtrat vorgestellt („Sachstandsmitteilung der Untersuchungsergebnisse des Knotenpunktes Ochsenbrücke / Fleischhauerkreisel“. Der Grund, warum bis heute trotzdem nichts passiert ist, trägt den schönen Namen „Deutsche Bahn AG“. In welchen zeitlichen Dimensionen die denkt, ist aus dem Bahnhofsprojekt „Stuttgart 21“ bestens bekannt. Das namensgebende Jahr 2021 ist lange vorbei. Und 15 Jahre nach Baubeginn eine Fertigstellung nicht abzusehen.
In Bad Kreuznach ist zum Glück der LBM für den Brückenbau federführend. Aber auf die Zustimmung der Bahn angewiesen, weil die vierspurige Konstruktion ja über Gleise führt. Diese Bahnlinie soll seit Jahrzehnten elektrifiziert werden. Ob noch in diesem oder erst im nächsten Jahrhundert – das weiß keiner. Aber klar ist: bleibt es bei der bisher bundesweit gebauten Variante der Stromversorgung über Oberleitungen, wird mehr lichte Höhe über den Gleisen nötigt, als heute. Irgendwo in der Pampa kostet das zwar auch mehr Geld, ist aber bautechnisch kein Problem. Aber mitten in Bad Kreuznach und angesichts der vergleichsweise dichten Bebauung sieht das ganz anders aus.

Bisher fordert die Bahn 90 Zentimeter mehr. Wer die örtlichen Verhältnisse kennt, weiß: schon jetzt weisen die Anfahrten von der Wilhelm-, Gustav-Pfarrius- und Bosenheimer Strasse erhebliche Steigungen auf. Fast ein Meter mehr ohne Verlängerungsmöglichkeit der Anfahrt würde die Strassen zu Sprungschanzen machen. Und barrierefreie Rad- und Fußwege so gut wie unmöglich. Wem an Bad Kreuznach etwas liegt, sollte am 29.1.2026 für den LBM eine Kerze ins Fenster stellen. Denn an diesem Tag verhandeln die Strassenspezialisten mit den Bahnleuten. Gelingt es dort nicht den Bahnern eine möglichst niedrige Brückenerhöhung abzuringen, kommen auf die Stadt riesige Probleme zu.
