Seit spätestens dem Oktober 2018 stand fest, dass der alte Löwensteg keine Zukunft hat. Und ersetzt werden muss. Große Teile der Stadtverwaltung und des Stadtrates haben das mehr oder weniger passiv registriert. Und blieben jahrelang weitgehend untätig. Obwohl der Leiter des Tiefbauamtes, Philipp Geib, die Fakten immer wieder präsentierte. Bis es am 10.12.2024 zur finalen Sperrung der wichtigen Brücke kam. Und am 7.6.2025 zum Abbruch. Bereits vorher war klar: ein perfekt barrierefreier Neubau ist an dieser Stelle nicht zu realisieren. Aus mehreren Gründen möglich ist lediglich ein Provisorium, dass 1:1 der alten Stahlkonstruktion gleicht.

Und exakt auf die über 100 Jahre alten Lager gesetzt wird. Demzufolge war zunächst zu prüfen, ob diese die Last weiter tragen können. Dazu fanden Ende November 2025 umfangreiche Untersuchungen statt. Fünf Monate nach dem Ausheben der Brücke. Weil die Verwaltung den entsprechenden Auftrag erst im Sommer vorbereitete und auslöste. Dann dauerte die Auswertung der gewonnenen Daten noch einmal mehrere Wochen. Was nicht zu beanstanden ist, weil Sicherheit immer vor Geschwindigkeit geht. Das Ergebnis liegt nunmehr vor. Und wurde am gestrigen Dienstagabend (13.1.2026) in der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Bauwesen, Umwelt und Verkehr (PLUV) von der Stadtverwaltung bekannt gegeben:
Weil unsere Urgroßeltern technisch und handwerklich gut gearbeitet haben, besteht die erforderliche Tragkraft der Lager auch heute noch. Seit mittlerweile über einem Jahr zwingt der Wegfall des Löwenstegs tausende von Menschen tagtäglich zu Umwegen und in teils gefährliche Verkehrssituationen. Daher war deren Forderung nach einem schnellstmöglichen Ersatz von Verwaltung und Kommunalpolitiker*Innen im Sommer letzten Jahres mit großer Mehrheit aufgegriffen und als Ziel lauthals verkündet worden. Leider hat sich ebenfalls gestern herausgestellt, dass es sich dabei wieder nur um substanzloses Geplapper gehandelt hat. Fest steht nämlich: einen schnellen Ersatz wird es nicht geben.
Weil einmal mehr nicht gemacht wurde, was sich aus der Schachlage heraus jedem intelligenten, kosten- und verantwortungsbewussten Verantwortlichen aufgedrängt hat: da klar war, dass eine 1:1-Kopie der alten Brücke benötigt wird, hätte diese nach dem Ausheben entsprechend ausgemessen werden müssen. Dazu werden heute in fortschrittlichen Industrienationen (und auch in einigen Dritte-Welt-Staaten) sogenannte „Laserscanner“ verwendet. Auf Bruchteile von Millimetern genau erfassen diese die Maße in 3D. Und eine in Fachkreisen sogenannte „Software“ verarbeitet diese Daten ohne großen Arbeitsaufwand für Menschen zu sogenannten „Konstruktions- und Produktionsplänen“.
Genau dies ist aber offensichtlich nicht geschehen. Denn in der gestrigen PLUV-Sitzung verkündete die Verwaltung, dass mittlerweile zwar ein Ingenieurbüro beauftragt ist. Aber erst im April 2026 Ergebnisse vorliegen werden. Selbst wenn dieser Termin eingehalten würde: dann erst kann die erforderliche Ausschreibung der geschätzt 300.000 Euro teuren Konstruktion erfolgen. Und da Unternehmen, die das können, im Sommer 2026 nicht Däumchen drehen, wird es mindestens Herbst werden, bis der neue Löwensteg gebaut ist. Wenn die Stadtverwaltung so weiter“arbeitet“ wie bisher, wird erst dann mit der Bahn AG der Termin für das Einsetzen vereinbart.
Der Zeitbedarf in der Abstimmung mit der Bahn AG für das Ausheben des alten und die Untersuchung der Lager betrug jeweils einige Monate. Wenn also nicht eine – bisher nicht genutzte – Beschleunigungsfunktion aktiviert wird, kann der neue Löwensteg erst Ende diesen oder sogar erst Anfang nächsten Jahres genutzt werden. Eine wichtige Verkehrsverbindung für Fussgänger*Innen, Rollstuhl- und Radfahrer*Innen fällt zwei Jahre ersatzlos aus. Und dann wundern sich die Verantwortlichen, warum immer mehr Einwohner*Innen mit dieser Schlechtarbeit öffentlicher Verwaltung unzufrieden sind. Und auf den Stimmzetteln Protest ankreuzen.
