Auch an den Weihnachtstagen war die Ausweitung der parkgebührenpflichtigen Bereiche im Stadtgebiet eines der Hauptthemen in den Sozialen Netzwerken. Der Ärger beruhigt sich nicht. Im Gegenteil. Er steigert sich. Es wird immer deutlicher: Stadtverwaltung und Stadtratsmehrheit haben ihre Entscheidungen vollkommen vorbei am Bürgerwillen getroffen. Auch die Tatsache, dass die Befürworter der Parkgebührenerhöhung argumentativ abgetaucht sind und sich den Einwohner*Innen nicht stellen, sorgt für ein Aufkochen der Emotionen. Dabei sind die seit Monaten von den Betroffenen angekündigten Konsequenzen schwerwiegend.

Wenn etwa Jenifer-Hakan K. schreibt, „dann wird halt nicht mehr nach Bad Kreuznach shoppen gefahren“, müsste seitens der Stadt der Hintergrund erklärt werden. Denn es ist eben nicht so, dass sich die Innenstadt-Geschäfte einen Kundenrückgang locker leisten können, wie von der Leserin ironisch angemerkt wird. Wie Karl H. kündigen viele ihre persönliche Reaktion an: „eins kann ich versprechen. Meine Stadtbesuche werden bis auf das minimalste reduziert. Globus, LIDL, Kaufland und Co lassen grüßen“. Duke C. schreibt es kurz und fündig: „dann brauche ich hier gar nicht mehr herzukommen“. Bianca M. formuliert ihre Sorgen, ebenfalls stellvertretend für viele andere so:
„ich frag mich langsam wo die Leute noch das Geld hernehmen sollen“. Andy S. lässt Galgenhumor durchklingen „da freut sich doch der kleine Rentner. Jetzt weiß er jedenfalls, mit wem er seinen wohlverdienten Ruhestandsgroschen teilen darf!“ Berthold F. meint: „in 50 Jahren gehen wir nur noch arbeiten für Steuern und Gebühren sowie Miete und Strom, Gas zu zahlen …“ Sachlich-empört stellt Susi H. fest: „unglaublich was da abgeht, da fehlen einem die Worte und das Verständnis sowieso“. Judith H. wird deutlicher: „eine absolute Sauerei. Erst ein Salinenbad bauen, das keiner so gebraucht hätte für zig Millionen.
Man hätte das alte Freibad so lassen können – früher war es auch viel schöner, als dieser Holzklotz. Und dann den Bürgern die Kosten aufhalsen. Und die crucenia thermen und das Bäderhaus waren so und so nur ein Minusbetrieb. Alles nur faule Ausreden und die Leute für dumm verkauft. Mir fehlen einfach die Worte bei dieser Dreistigkeit!“ Dirk Pickard ist sich sicher: „die erhofften und errechneten Mehreinnahmen durch höhere Gebühren und erweiterte Standorte wird sich als Milchmädchenrechnung erweisen. Abgesehen von den Anwohnern, denen man keine Auswahlmöglichkeit lässt, werden noch weniger Leute von außerhalb die Innenstadt aufsuchen und dort Parkgebühren entrichten.
Zusätzlich werden auch die letzten Läden kaputt gehen, was weniger Gewerbesteuer bringt“. Beate H. kritisiert die Auswahl der neu gebührenpflichtigen Bereiche: „aber auf dem Kuhberg und Wohngegenden unserer Schönen und Reichen vor deren Haustüren, die regelmäßig das Bäderhaus besuchen, da wäre ein guter Standort der Parkscheinautomaten. Nicht in sozialen Wohnanlagen“. Ebelonja P. ruft die Kritiker*Innen zu Taten statt Worten auf: „dann startet doch eine Petition gegen diesen unverschämten Beschluss! Sich nur bei Facebook auszulassen wird die Situation auch nicht verbessern!“ Gundis A. ahnt, dass sich was tut: „… noch schlummert „er“ vor sich hin, die Ruhe vor dem Sturm …“
Und Marlene D., die gar nicht in einem der betroffenen Wohngebiet wohnt, aber die Konzeption der Stadt ablehnt, bietet sogar finanzielle Hilfe an: „ich bin sehr dafür, diese Gebührenordnung rechtlich überprüfen zu lassen. Und ich bin dazu bereit, eine Musterklage finanziell unterstützen. So wie es auf der Bürgerversammlung am 10.12. schon mal vorgeschlagen wurde“. Zu den juristischen Schritten wird es wohl kommen. Bereits Anfang des Jahres finden erste Beratungstermine statt. Der dramatische Einbruch bei der Gewerbesteuer wird nicht der einzige finanzielle Tiefschlag für die Verantwortlichen der Stadt bleiben. Die längst zu Getriebenen der Folgen ihrer eigenen Fehlentscheidungen geworden sind.
