Von Anwohner*Innen und den Geschäftsleuten in der westlichen Mühlenstrasse wird seit deren Ausbau die massive Verkehrsdichte im Verkehrsberuhigten Bereich kritisiert. Tatsächlich ist es für die Fussgänger*Innen – vor allem in den Abendstunden – kein schönes Erlebnis, sich an Wände und in Hauseingänge drängen zu müssen, weil Pkw und Lkw durch die schmale Strasse fahren. Dabei könnte ein großer Teil dieses Verkehrs schon jetzt aus der Mühlenstrasse herausgehalten werden. Denn dessen Fahrziel ist nicht die Beinde, sondern die Rossstrasse. Und die Durchfahrt in Höhe des Hauses Engelmayer ist amtlich verboten.

Mit einer ganz unmissverständlichen Beschilderung. Da die Fahrtroute über die Wilhelm- und Salinenstrasse kürzer und schneller ist, als der Umweg von der Wilhelm- durch die Mühlenstrasse, die Beinde und den Bourger Platz zurück zur Wilhelmstrasse, würde eine durch Kontrollen bewirkte Beachtung des Durchfahrtsverbotes eine erhebliche Verkehrsentlastung in der Mühlenstrasse bewirken (*). Weil die für die Kontrolle des fließenden Verkehrs zuständige Polizeiinspektion aufgrund der vom Land verantworteten zu knappen Personalausstattung diese nicht leisten kann, haben Betroffene das Problem am Mittwoch- und Donnerstagabend dieser Woche (17. + 18.12.2025) in Selbsthilfe gelöst.
Gestern fand ab 17 Uhr vor dem Bekleidungsgeschäft TEATRO (Mühlenstrasse 3) der „lebendige Adventskalender“ des Kulturvereins Klein-Venedig Bohème e.V. statt. Die Teilnehmer*Innen nutzten die Verkehrsfläche zum Gedankenaustausch. Und verhinderten damit die unberechtigte Durchfahrt von der Mühlenstraße über die Mannheimer Strasse auf Kornmarkt und Rossstraße über einen längeren Zeitraum (die legale Durchfahrt in Gegenrichtung konnte natürlich behinderungsfrei stattfinden). Ein Teilnehmer merkt dazu süffisant an: „einige kurzsichtige Verkehrsteilnehmer mussten nach Informationen zur Bedeutung von Strassenschildern zurücksetzen und statt der Abkürzung den Umweg über die Beinde zur Rossstraße nehmen“.

Am Abend zuvor war es ein in der Engstelle geparktes Geschäftsfahrzeug des Veranstalters, das das Weihnachtssingen auf dem Kornmarkt effektiv und kostenfrei gegen Durchfahrtsverbotsleugner absicherte. Die Bad Kreuznacher Einwohner*Innen sind also ehrenamtlich zu dem in der Lage, was die dafür bezahlten öffentlichen Verwaltungen nicht schaffen. Und dann wundern sie sich in den Behörden über die schlechten Bewertungen aus der Bevölkerung. Wenn das Amtsversagen so weiter geht, ist die Instandbesetzung diverser Dienstposten durch Einwohner*Innen nur noch eine Frage der Zeit.
(*) Man muss das leider so ausführlich-umständlich schreiben, weil die für die Lösung derartiger Probleme bezahlten Amtspersonen das offensichtlich sonst nicht verstehen. Denn wenn die das verstehen würden, wäre deren unterlassenes Tätigwerden gegen massenhaft verkehrsordnungswidrig sich verhaltende Zeitgenossen ja vorsätzlich.
